Bei deutlich aufgefrischten Temperaturen siegte die junge Schweizerin Licia Mussinelli im ersten Wettkampf des Tages: «Die Silbermedaille von gestern hat mir viel Selbstsicherheit gegeben. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Gut war auch, dass das 1500-Meterrennen erst am vierten Wettkampftag stattfand. So konnte ich die Amerikanerinnen vorher beobachten und wusste um ihre Stärken und Schwächen. Gleich nach dem Start habe ich mich hinter Hanna Dederick, der stärksten der drei, festgesetzt. Zwar wurde ich die ersten zwei Runden richtiggehend eingekesselt. Aber ich ahnte, dass die beiden anderen nicht mitziehen können, wenn das Rennen gegen Ende schneller wird. So kam es auch.» Wie schon gestern musste die Schweizerin in der vorletzten Kurve aussen auf dem weiteren Weg überholen, hatte allerdings genügend Reserven, um den Schlusssprint für sich zu entscheiden. Nationaltrainer Nachwuchs Paul Odermatt zeigte sich erfreut, dass die Taktik aufging: «Wenn man so eingepfercht wird, muss man einen kühlen Kopf bewahren und aufmerksam bleiben, um den richtigen Zeitpunkt zum Angreifen zu erwischen. Das ist für junge Athleten nicht immer einfach.»

Auf der Kurzdistanz über 100 Meter blieben am Nachmittag nicht nur Licia Mussinelli, sondern auch Wayra Huber (Arlesheim) und Dario Studer (Hauenstein) ohne wirkliche Chance auf einen Podestplatz. Andrin Deschwanden (Horw) wurde in seinem letzten Rennen über 400 Meter Dritter. Da nur drei Athleten am Start waren, gab es keine Medaille für ihm.

Gute Gesamtbilanz

Für die Schweizer Sportler war es auf jeden Fall eine lehrreiche Erfahrung, an der erstmals durchgeführten Junioren-WM im eigenen Land teilzunehmen und sich mit Gleichaltrigen zu messen. Gemäss Paul Odermatt wurden die Erwartungen insgesamt erfüllt. Er habe auf den MittelstreckenRennen mit Licia Mussinelli gerechnet, aber das es gleich für Gold reichte, freute ihn sehr: «Wir kannten die Athleten der anderen Nationen vor dem Wettkampf nicht, also mussten wir uns vor Ort ein Bild machen und unsere Taktik danach ausrichten.» Freude bereiteten ihm ebenso Wayra Huber und Andrin Deschwanden, die zwar noch nicht mit der Konkurrenz mithalten, jedoch ihre persönlichen Bestleistungen verbessern konnten. Auch Dario Studer fuhr für seine Verhältnisse schnelle Rennen, was ein gutes Zeichen für die Zukunft ist. «Bei einem so jungen Athleten wie Dario Studer, der gegen deutlich ältere Konkurrenten fahren muss, stehen nicht nur die Leistung, sondern das Sammeln von Erfahrungen und auch das Erlebnis im Zentrum», fasst der Trainer zusammen.

Italienerin gelingt Weltrekord über 800 Meter

Bianca Marini aus Italien erreichte mit einer Zeit von 03:47.10 über 800 Meter einen neuen Weltrekord; dies in der Klasse Cerebrale Lähmungen (T35). Damit konnten an dieser WM vier Weltrekorde und ein Europarekord gefeiert werden. Herausragende Figur war der Südafrikaner Ntango Mahlangu, der gleich zwei Weltbestzeiten erneuerte. Diese Rekorde zeigen, dass Nottwil über eine schnelle Bahn und gute Sprunganlagen verfügt. Das war mit ein Grund, weshalb das Internationale Paralympische Komitee gleich die beiden ersten Austragungen ihrer neuen WM hierher vergeben hat.

Weltpremiere «Mixed Staffel»

Zum allerersten Mal wurde eine Mixed Staffel über viermal 100 Meter ausgetragen. Am Start waren je ein Athlet mit Sehbehinderung, mit einer Amputation, mit Cerebraler Parese und einer im Rennrollstuhl. Jedes Team bestand aus zwei Frauen und zwei Männern. Gewonnen wurde die Staffel vom Team USA vor Japan und Argentinien. Es war dies ein spannendes, neues Format - wird sich zeigen, ob sich dieses künftig durchsetzt.

USA im Medaillenspiegel auf Platz 1

Nach den rund 60 verschiedenen Wettkämpfen über die verschiedenen Disziplinen führen die USA mit 36 Medaillen vor Iran mit 22 und Grossbritannien mit 20 Medaillen im Nationenspiegel. 

Sport trifft Musik

Die Besucherinnen und Besucher kamen neben spannenden Wettkämpfen auch in den Genuss von hochkarätigen Konzerten. Die beiden Schweizer Musikgrössen Marc Sway und Dodo begeisterten die Anwesenden unter dem Motto «Sport trifft Musik». OK-Präsident Ruedi Spitzli zeigte sich nach der Abschlusszeremonie am Sonntagabend sehr erfreut: «Dank der 150 freiwilligen Helferinnen und Helfer erlebten die rund 5000 Gäste eine grossartige Stimmung während der vier Wettkampftage an dieser Junioren-WM. Wir freuen uns auf die nächste Durchführung 2019 hier in Nottwil!»  (pd)