Jennifer Aniston machts. Schauspielkollege Matthew McConaughey auch. Die 47-jährige Cindy Crawford hält sich damit fit. Das OT auch – zumindest versuchsweise. Denn im Strandbad Seerose in Meisterschwanden steht eine Schnupperlektion im Stand up Paddling – umgangssprachlich SUP genannt – an. Der 29-jährige Manu Simmons aus Stetten, ein Surfer mit Leib und Seele, gewährt einen Einblick in die Welt der neuen Trendsportart, bei der man auf einem Surfbrett stehend durch die Gewässer paddelt. Und dieser Einblick beginnt gleich ziemlich schweisstreibend, muss doch das aufblasbare Surfbrett mit einer überdimensionalen Velopumpe erst einmal startklar gemacht werden – bei satten 15 Bar soll der Zeiger der Pumpe am Ende stehen bleiben. Es ist streng. Freundlicherweise übernimmt Manu von der mobilen Surfschule Chuck Surf den Mammutteil dieser Büez.

Die ersten wackligen Meter

Während Surfprofi Manu für den richtigen Luftdruck besorgt ist, rührt er die Werbetrommel fürs SUP: «Der Vorteil des aufblasbaren Bretts liegt darin, dass es wenig Platz braucht.» Tatsächlich lässt sich das zusammengerollte Brett einfach in einem Sack, der einem grossen Trekkingrucksack ähnlich ist, verstauen. Ganz billig ist der Spass nicht, ein Brett kostet gegen 1000 Franken. Aber kann man auf einem aufblasbaren Brett wirklich über den Hallwilersee paddeln?

Ja. Auf den Knien geht die Paddelei los – kein Problem. «Versucht nun, das Brett in Fahrt zu bringen und danach schnell aufzustehen», weist Manu die SUP-Grünschnäbel an. Gesagt, getan. Etwas wacklig fühlt sich das Ganze an, der Körper muss ständig an der Balance arbeiten. Vorsichtig wird das Paddel ins Wasser eingetaucht und das Brett in Bewegung gebracht. Zu Beginn noch ordentlich schwankend wird die Fortbewegung auf dem Brett je länger je ruhiger. Die Entfernung zur planschenden Badischar wird immer grösser und der Lärmpegel entsprechend tiefer. Langsam stellt sich ein Gefühl von Entspannung ein. «Stand up Paddeln ist mit einem Spaziergang auf dem See vergleichbar», beschreibt Manu, wie sich SUP für ihn anfühlt. «Es hat eine Art meditative Wirkung. Je nach Bedürfnis kann man den Fokus aber auf die Geschwindigkeit und die Fitness richten, dann wirds richtig anstrengend.»

Der Wunschtraum

Manu ist auf dem Surfbrett zu Hause, das wird schnell klar. Spielend leicht bewegt er sich auf dem Brett. Während er auf dem Hallwilersee entspannt dahintreibt, erzählt er von seiner Vision. «Ich möchte vom Surfsport leben können.» Der 29-Jährige, der mit neun Jahren erstmals auf einem Surfbrett stand und sich mit 14 Jahren dem Windsurfsport verschrieb, will den Surfsport in der Region vermehrt zum Leben erwecken und vor allem Kinder und junge Leute dafür begeistern. Deshalb hat er vor zwei Jahren das trendige SUP in sein Repertoire aufgenommen. Zudem will er sogenannte Outrigger-Kanus, die ihren Ursprung in der Südsee haben und eine ähnliche Technik erfordern wie beim SUP, in der Schweiz bekannt machen. «Ich war im vergangenen Jahr in Tahiti und wollte den Ursprung des Surfsports kennenlernen. Ich habe auch gesehen, wie die Outrigger-Kanus hergestellt werden.»

Manu hat auch gleich einige bestellt. Vor wenigen Tagen sind die Einzelanfertigungen in der Schweiz angekommen. Nun kann er mit der Promotions-Arbeit loslegen. «Ich werde zuerst alle Surfclubs angehen. Mein Ziel ist es, dass ich jährlich 15 bis 20 Outrigger-Kanus vertreiben kann.» Überdies träumt der Surfertyp von grossen Anlässen und Regatten in der Schweiz, an denen zig Stand-up-Paddler und Outrigger-Kanuten zusammenkommen und gemeinsam «Fun haben» – und das Ganze natürlich mit Südseeflair.

Während Manu von seinen ehrgeizigen Plänen erzählt, kommt das Strandbad wieder näher. Seine Schnuppergäste legen die letzten Meter – mittlerweile mit viel mehr Standhaftigkeit – paddelnd zurück. Erholsam wars. Spass hats auch gemacht. Nun bleibt einzig die Frage: Wie fühlen sich die beanspruchten Muskeln am kommenden Tag an?