Das «Final4» in der Stadthalle begann am Samstagnachmittag mit einem Schreckmoment. Eine knappe Viertelstunde vor dem Anpfiff des ersten Halbfinals ging bei der Kantonspolizei Solothurn ein Brandalarm ein. Dieser wurde durch Rauchentwicklung im Bereich der Deckenbeleuchtung ausgelöst. Die Halle wurde kurzfristig evakuiert und die Feuerwehr stellte einen technischen Defekt der Beleuchtung fest. Mit einer einstündigen Verspätung konnte der Kampf um den Schweizer Cup 2017 schliesslich beginnen.

Das Auftaktspiel brachte gleich die erste Überraschung: Die Frauen von Rotweiss Thun schalteten die Spono Eagles, den amtierenden Schweizer Meister und aktuellen Tabellenführer der NLA, mit einem 25:19-Sieg aus. Die Berner Oberländerinnen beeindruckten mit ihrem Kollektiv und drückten dem Spiel von Beginn an den Stempel auf. Die favorisierten Nottwilerinnen fanden zu selten das richtige Rezept gegen die aufsässigen Thunerinnen.

Final 4 in der Oltner Stadthalle

Final 4 in der Oltner Stadthalle

Im zweiten Halbfinal war der LK Zug lange Zeit auf Finalkurs. Die Innerschweizerinnen lagen stets in Front, bis Brühl-Trainer Werner Bösch beim Stand von 14:17 einen Wechsel im Tor vornahm. Ein guter Schachzug: Fabia Schlachter parierte in der Folge acht von 16 Torschüssen der Zugerinnen und stand damit am Ursprung der Aufholjagd des LC Brühl. Neun Sekunden vor dem Schlusspfiff entschied Jennifer Murer die Partie mit einem verwandelten 7-Meter für der St. Gallerinnen (25:24).

Aussenseiter Endingen mit Exploit

Auch bei den Männern gings mit einer faustdicken Überraschung los. GC Amicitia Zürich aus der NLA und der unterklassige TV Endingen lieferten sich ein hitziges Duell mit vielen Strafen. Die Aargauer sorgten bereits in der ersten Halbzeit für die Vorentscheidung, indem sie auf 10:5 davonzogen. GC versuchte nach dem Seitenwechsel alles, um noch einmal ranzukommen, doch Endingen konnte einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit retten.

Damit schafften die Aargauer als erstes NLB-Team überhaupt den Einzug in den Schweizer Cupfinal. Im zweiten Halbfinal liess Wacker Thun die Finalträume von Schweizer Meister Kadetten Schaffhausen platzen. Die überragenden Akteure beim 32:28-Sieg waren auf Thuner Seite Goalie André Willimann mit elf Paraden und Lukas von Deschwanden mit 13 Toren.

Tollhaus mit rund 2000 Fans

War die Stadthalle schon am ersten Tag sehr gut gefüllt, verwandelte sich diese am Finaltag mit fast 2 000 Fans endgültig in eine Festhütte. Wiederum hiess es «Ladys first». Bei den Frauen sicherte sich der LC Brühl seinen zehnten Cupsieg. In der ersten Hälfte war der Final noch ausgeglichen (14:14). Weil den Thunerinnen im zweiten Durchgang aber während knapp zwanzig Minuten kein Treffer gelang, zog Brühl davon und siegte am Ende deutlich mit 27:21. Bis zum Schlusspfiff konnten sich alle zwölf Feldspielerinnen des LC Brühl in die Skorerliste eintragen.

Dass das Berner Oberland doch noch zum Feiern kam in Olten, dafür sorgten die Männer von Wacker Thun mit ihrem fünften Cupsieg der Vereinsgeschichte. Der Underdog Endingen zeigte sich nur in der ersten Halbzeit aufmüpfig. Nur ein Tor betrug der Rückstand der Aargauer zur Pause. Doch dann ging dem Aussenseiter die Puste aus. Mit einem Zwischenspurt stellten die von ihren frenetischen Fans unterstützten Thuner den Spielstand bis zur 45. Minute auf 28:19. Wacker Thun lief nie Gefahr, den Titel noch aus der Hand zu geben – 35:26 lautete am Ende das klare Verdikt. Überragender Akteur bei den Berner Oberländern war Lenny Rubin mit neun Toren. Trotzdem überwog auch bei Endingen die Freude über das Erreichte, was die Fans des NLB-Klubs mit einem grossen Transparent würdigten: «Mer send Stolz».