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Oltner Fans wollen das nächste Derby in Langenthal boykottieren

Die Halle auf Schoren in Langenthal sei zu gefährlich. Deshalb bleiben die Anhänger des EHCO dem Match vom 28. Dezember beim Erzfeind fern.

Michael Forster
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Unzufrieden in Langenthal: Die Oltner Fans wollen sich nicht länger provozieren lassen.

Unzufrieden in Langenthal: Die Oltner Fans wollen sich nicht länger provozieren lassen.

ran

Die Meinungen scheinen vor dem vierten Derby der Saison gemacht: So wird wohl die Mehrheit der EHCO-Anhänger das Spiel gegen Erzrivale SC Langenthal nicht vor Ort im Schoren, sondern in der Oltner «Schützi» auf Grossleinwand mitverfolgen. Man habe, so die Begründung aus der aktiven Oltner Fanszene, den SC Langenthal mehrfach auf die Missstände in ihrem Stadion aufmerksam gemacht – vergeblich. Die «Sündenliste» umfasst sieben teils happige Vorwürfe an die Adresse der Oberaargauer, etwa «blockierte Fluchtwege» oder schlicht «zu wenig Notausgänge». Hinzu kommen «Provokationen vonseiten des Langenthaler Sicherheitsdienstes», «ein selbstherrlicher und zu keinem Kompromiss bereiter SCL-Sicherheitschef», «unverhältnismässige Leibesvisitationen» inklusive «enormer Wartezeiten beim Eingang» – weil zu wenig Sicherheitsleute bzw. besetzte Eingänge zur Verfügung stünden.

Den Entscheid, dem Derby vom 28. Dezember fernzubleiben, haben die Verantwortlichen von längerer Hand geplant. «Wir stehen in ständigem Dialog», bestätigt Peter Rötheli. «Klar, es ist schade, dass wir am 28. Dezember nicht auf die volle Unterstützung unserer Fans zählen können, aber», so der Oltner Geschäftsführer, «ich verstehe ihre Beweggründe und akzeptiere ihren Entscheid voll und ganz.»

Dem Mieter sind Hände gebunden

Etwas anders ist die Gemütslage bei seinem Amtskollegen in Langenthal. Zwar bringt er teilweise Verständnis auf, zum Beispiel für die (von der Gebäudeversicherung ausdrücklich verlangten) Schliessung des Durchgangs hinter der Stehrampe. Grundsätzlich bedauert Gian Kämpf jedoch das geplante Fernbleiben: «Es ist sicher schade für das Derby, denn das ist ein tolles Produkt.» Sollte die Aktion der Oltner Fans falsch ausgelegt werden, könnte es gar sein, dass das Derby nicht mehr über Weihnachten ausgetragen würde, so Kämpf. Näher eingehen auf den Boykott will der SCL-Geschäftsführer aber erst anlässlich des heutigen Presse-Kafis im Stadion Schoren.

Gleichzeitig gesteht er aber gewisse (bauliche) Mängel des Stadions ein, die sich vor allem bei grossem Zuschaueraufkommen akzentuierten. «Wir sind nur Mieter», macht er deutlich, dass der Einfluss des SCL diesbezüglich leider begrenzt sei. Man habe jedoch im Gästesektor einen zusätzlichen Notausgang eingerichtet, zudem steht eine weitere WC-Anlage zur Verfügung. Noch nicht näher eingehen wollte Kämpf hingegen auf die Situation bei den Eingangskontrollen sowie die vorgeworfenen Provokationen seitens der SCL-Sicherheitsleute, insbesondere deren Chef Leo Locher. «Wir haben keinen Grund, ihn infrage zu stellen», macht Kämpf deutlich. Ebenfalls keinen Kommentar zur Person Leo Locher, der vor seinem Engagement in Langenthal unter anderem auch beim EHC Olten das Amt des Sicherheitschefs bekleidete, gab es von Peter Rötheli. Er bestätigte einzig, dass sich der EHCO damals von Locher getrennt habe.

Nachwuchs profitiert vom Boykott

Trotz der zurückhaltenden Reaktion aus Langenthal erhoffen sich die Initiatoren des Boykotts zumindest einen «Denkanstoss», dass ihre Anliegen ernst genommen würden und, früher oder später, etwas geschehen werde im Schoren-Stadion. So oder so: Es soll auf jeden Fall bei dieser Aktion bleiben, einer einmaligen Sache, wie es sie bis jetzt noch nie gegeben habe. «Die Fans haben gute Gründe, ein Zeichen zu setzen», steht Peter Rötheli hinter dem Boykott. «Sie wollten nicht immer nur reden, sondern ein Zeichen setzen.» So wird am 28. Dezember eine volle «Schützi» erwartet: Die bisherigen Reaktionen seien durchwegs positiv gewesen, so die Organisatoren, deshalb gehe man von 600 bis 800 Fans aus. Der Erlös wird übrigens vollumfänglich dem Nachwuchs des EHC Olten zugute kommen.