Eishockey
Oltner Eishockeyaner wartet lange auf die Chance

Der Oltner Urban Leimbacher kam bei den SCL Tigers bislang kaum zum Einsatz. Der 30-Jährige ist lediglich während insgesamt viereinhalb Spielen als im Goal gestanden.

Michael Schenk
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Im Restaurant Astoria in Olten, wo er auch schon ein Praktikum als Betriebswirt absolviert hat, fühlt sichUrban Leimbacher sehr wohl. Entsprechend oft ist er Gast und tankt Energie für Körper und Seele.Schenk

Im Restaurant Astoria in Olten, wo er auch schon ein Praktikum als Betriebswirt absolviert hat, fühlt sichUrban Leimbacher sehr wohl. Entsprechend oft ist er Gast und tankt Energie für Körper und Seele.Schenk

«Wenn nicht jetzt, wann dann?», singt da die kölsche Partysong-Truppe Höhner. Einen Song, den Urban Leimbacher seit Wochen trällern könnte. Und als ob er es gehört hätte, hat ihn SCL-Tigers-Coach John Fust gestern gegen Biel eingesetzt.

Der 30-jährige Zürcher, zuletzt acht Saisons für Olten und Basel in der NLB tätig, wechselte auf diese Saison hin zu den Langnauern. Dies, nachdem er just vor einem Jahr als temporäre Aushilfe für den an der Junioren-WM tätigen Benjamin Conz schon einmal bei den Tigers eingesprungen war und brilliert hatte (4 Spiele, 4 Siege).

Coach entscheidet

Doch in Festhüttenstimmung ist Leimbacher freilich nicht. Addiert man alle Minuten, die er heuer für die Tigers gespielt hat, ergibt dies zirka viereinhalb Spiele. Inklusive der 60 Minuten von gestern. Den grossen Rest hat der Amerikaner Robert Esche bestritten. «Ich versuche mich ganz einfach aufzudrängen. Mehr als das Beste geben kann ich nicht. Letztlich entscheidet der Coach, wer spielt», so Leimbacher.

Der Betriebsökonomie-Student geht äusserst professionell und korrekt mit seiner Situation um. Einer Gegebenheit, die für keinen Goalie der Welt befriedigend sein kann. Coach John Fust hat bislang mehr oder weniger vehement und regelmässig auf Esche zurückgegriffen. Obwohl die Tigers bös untendurch müssen. Deshalb fragen nicht nur die Höhner: «Wenn nicht jetzt, wann dann?» Wann dann Leimbacher richtig Vertrauen schenken? Dann, wenn die Playoffs eh schon so gut wie verspielt sind und die Negativspirale hochtourig dreht.

Jeder Profi kann mit Niederlagen – oder in diesem Fall als Törli-Öffner – leben, wenn er eine echte Chance hatte, sich zu beweisen – aber gar keine richtige Chance zu erhalten, das kann nicht befriedigen. Bleibt abzuwarten, wie sich Fust nach der gestrigen 2:3-Niederlage punkto Goalie am Freitag in Lugano entscheidet.

Er hinterfragt sein Tun

Esche war nie der Torhüter, der Conz letzte Saison war. Der Conz, der den Tigers von hinten heraus förmlich Vertrauen eingetrichtert hat und der Schlüssel zum Playoff-Debüt war. «Der Trainer geht sehr respektvoll mit mir um und ist absolut ehrlich zu mir – insofern kann ich mit der Konstellation umgehen», hält Leimbacher fest. Und: «Ich gehe auch kritisch mit mir um, analysiere meine Leistung und versuche jeden Tag zu lernen, und auf meinem besten Niveau zu sein.»

Aktien könnten steigen

Da die Tigers mit dem 26-jährigen Tschechen Vojtech Polák (von Kloten) seit wenigen Tagen einen weiteren Ausländer unter Vertrag genommen haben, könnten die Aktien von Leimbacher steigen, sein Können künftig vermehrt auf NLA-Niveau zu beweisen. Dann, wenn Fust, so wie gestern gegen Biel, weiter auf vier Söldner im Sturm und in der Abwehr setzen sollte. «Das ist Sache des Coachs», so Leimbacher.

Das Studium ist für den in Olten lebenden Keeper ein idealer Ausgleich. «Ich habe so den Kopf nicht ständig beim Eishockey.» Speziell dann, wenn es nicht so gut läuft, biete «einem eine andere Beschäftigung eine gute Möglichkeit, durchzulüften, und auf andere Art positive Erfahrungen zu machen». In knapp zwei Jahren sollte der Oltner sein Diplom als Betriebsökonom in der Tasche haben.

Zukunft ist noch offen

Wo seine Karriere als Eishockey-Goalie weitergeht, ist noch offen. Leimbachers Vertrag läuft Ende Saison aus. Eben erst haben die Emmentaler die Verpflichtung von Thomas Bäumle von Ambri auf die kommende Spielzeit hin vermeldet. Nun, sich mit einem Schweizer um die Nummer 1 zu streiten, ist vielleicht einfacher als mit einem teuren Ausländer.

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