Eishockey
Oltens heutiger Gegner «EVZ Academy» - ein auf die Zukunft ausgelegtes Projekt mit viel Lerneffekt

Der EHC Olten spielt heute um 18:45 Uhr in Zug gegen die neu gegründete EVZ Academy. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, wie sich die Oltner gegen die jungen Zuger schlagen werden.

Jan Kutschera
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Assistenztrainer Marcel Jenni lanciert seine Karriere neben dem Eis bei der EVZ Academy.

Assistenztrainer Marcel Jenni lanciert seine Karriere neben dem Eis bei der EVZ Academy.

Stefan Kaiser

Natürlich hofft der EHCO, sich im ersten Aufeinandertreffen mit einem der beiden Nachwuchsteams keine Blösse zu geben. Die EVZ Academy ist neben den HCB Ticino Rockets das zweite neue Gesicht in der NLB. Beides sind sogenannte «Farmteams», Zweitmannschaften also, deren Hauptaugenmerk auf der Ausbildung junger Spieler liegt. Wie kam es, dass seit dieser Saison die beiden Mannschaften in der NLB vertreten sind?

Der EVZ erkannte, dass sich zwischen den Junioren Elite A und der NLA-Equipe eine grosse Kluft auftat. Sportchef Reto Kläy erklärt: «Für die talentierten Junioren führt der Weg in die NLA normalerweise über ein NLB-Team, um sich an das hohe Niveau zu gewöhnen. Häufig entstand das Problem, dass es rein logistisch unmöglich war, einen solchen Spieler bei einem Partnerteam unterzubringen.»

Als bei den Gesellschaftern der Nationalliga A die Idee aufkam, die NLB aufzustocken, ergab sich den NLA-Vereinen die Möglichkeit, in der NLB ein Farmteam zu stellen. Der EVZ ergriff diese Möglichkeit sofort. Der ausschlaggebende Punkt war, nun die hundertprozentige Entscheidungsmöglichkeit über die Spieler zu haben. Aber auch andere Probleme wurden so gelöst: Die beiden Mannschaften sind unter einem Dach, die Wege kürzer, der Austausch intensiver.

Dies spielt auch dem Szenario in die Karten, auf das die Zuger zurückgreifen werden: Fällt ein Akteur des Fanionteams verletzungsbedingt aus, hat Coach Harold Kreis die Möglichkeit, einen Spieler aus der NLB-Equipe zu nominieren.

Ein erfahrener Assistenzcoach

Als im Januar dieses Jahres die definitive Zusage kam, ging alles schnell. Bis zum Saisonstart vor zwei Wochen wurde von Grund auf ein konkurrenzfähiges Team erstellt. Bei der Selektion der Spieler wurde hauptsächlich darauf geachtet, welche spielerische Eigenschaft der Nachwuchsspieler mitbringt und zu welchem Spielertyp er sich entwickeln könnte. Das Kader, aus 23 Spielern bestehend, hat eine dementsprechend grosse Bandbreite.

Neben Coach Björn Kinding steht mit Kloten-Legende Marcel Jenni ein erfahrener Mann als Assistenztrainer an der Bande. Reto Kläy selbst war es, der Jenni an Bord holte. «Einerseits ist Marcel zeitlich gesehen einer, der nahe am Puls des Geschehens ist. Er weiss, wie die heutigen Spieler ticken, kennt ihre Spielweise. Andererseits war es auch so, dass er sich nach seinem Karriereende weiterbilden liess und einen Trainerposten anstrebte.»

EX-Kloten-Spieler Marcel Jenni soll den Jungstars sein Wissen vermitteln.

EX-Kloten-Spieler Marcel Jenni soll den Jungstars sein Wissen vermitteln.

Keystone

Dazu kommt, dass die EVZ Academy in Kinding einen Headcoach hat, der in sämtlichen Bereichen über grosse Erfahrung verfügt. «Ich denke, dass die Kombination sehr entscheidend ist, denn letztlich sollen sie den Spielern vermitteln, was es braucht, um ganz oben mitspielen zu können», so der Sportchef weiter.

Dass das für den 42-jährigen Jenni kein einfaches Unterfangen sein wird, ist sich Kläy bewusst: «Auch er muss lernen, seine Erfahrungen rüberzubringen, dahinter steckt auch viel Psychologie und Sozialkompetenz.» Momentan stimme die Richtung, doch es sei noch jede Menge Arbeit zu tun. «Es war klar, dass es ein schweres Projekt wird, doch wir gehen dem Ziel schrittweise entgegen.»

Saisonstart geglückt

Der Saisonstart verlief für die EVZ Academy positiv. Gegen die ähnlich stark eingeschätzten Teams konnten drei Siege eingefahren werden. Die letzten beiden Spiele gegen gestandene NLB-Klubs gingen dann jedoch verloren. So sagt Kläy vor dem Duell mit Olten: «Dass es gegen die Topteams schwerer wird, wussten wir. Die Spieler müssen lernen, dass gegen Topteams auch schon kleinere Fehler viel schneller bestraft werden.»

Sportchef Reto Kläy stellte das Projekt auf die Beine.

Sportchef Reto Kläy stellte das Projekt auf die Beine.

Keystone

Aus Zeitgründen konnte das Team gewisse Abläufe noch nicht richtig einstudieren. «Doch je länger die Saison dauert und je mehr das Team an diesen Details arbeitet, desto mehr wächst es zusammen und wird das Gezeigte auch immer häufiger in Punkte ummünzen können.»

Nicht allen gefällt die Änderung in der NLB. Für die Schwergewichte wie Olten oder Langenthal bedeutet die Aufstockung der Liga nur mehr Spiele gegen unattraktive Gegner mit wenig Anhängerschaft. Zudem stellt sich allgemein die Frage, in welche Richtung sich die NLB in Zukunft entwickeln soll.

Soll sie weiterhin eine Spielklasse sein, die unabhängig von der NLA ist oder besteht das Verlangen, sich zu einer Ausbildungsliga umzuformen? Die Oltner Fankurve jedenfalls ruft auf «Facebook» zum Boykott der Partie in Zug auf: «Da für uns dieses Farmteam ein weiterer Schritt in die Richtung ‹geschlossene NLA› ist und dadurch die NLB immer weiter geschwächt wird, werden wir das Spiel in Zug nicht besuchen!»

Auch Kläy wünscht sich keine neue Ligaausrichtung: «Ich bin gegen eine Ausbildungsliga, da es auch für uns von Vorteil ist, wenn es Mannschaften hat, die sich gegen oben orientieren. Nur so lernen unsere Spieler, gegen bessere Teams zu bestehen.» Der EHC Olten wird sein Möglichstes tun, dass die jungen Zuger auch aus dem heutigen Spiel ihre Lehren ziehen werden.

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