Eishockey
Olten verliert erstes Spiel nach Horror-Unfall von Ronny Keller

Der EHCO gibt das dritte Halbfinalspiel nach 5:2-Führung aus der Hand und verliert 5:6 nach Verlängerung. Ein Resultat, das nach dem Horror-Unfall von Ronny Keller zur Nebensache verkam. In der Serie gehen die Oberaargauer dennoch mit 2:1 in Führung.

Adriana Gubler
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Beide Teams (Olten in Weiss) versuchten, sich wieder aufs Eishockey zu konzentrieren. BIERI

Beide Teams (Olten in Weiss) versuchten, sich wieder aufs Eishockey zu konzentrieren. BIERI

Marcel Bieri

Die dritte NLB-Playoff-Halbfinalpartie zwischen dem SC Langenthal und dem EHC Olten endete erst in der Overtime – mit einem 6:5-Sieg für die Oberaargauer. Den Siegtreffer markierte Marc Schefer 109 Sekunden nach Beginn der Verlängerung. Die Vorarbeit leistete das ehemalige Oltner Ausländer-Duo Kelly/Campbell. Damit übernimmt Langenthal in der Serie mit 2:1 wieder den Lead. Das Derby stand allerdings primär im Zeichen der Solidarität mit Ronny Keller, der im Dienstagsspiel eine folgenschwere Verletzung erlitt und für immer querschnittgelähmt bleibt. Diese Solidarität zeigte sich eindrücklich vor Spielbeginn: Beide Fanlager skandierten gemeinsam den Namen des Verunfallten sowie jenen von Stefan Schnyder, der sich den verhängnisvollen Zweikampf mit dem EHCO-Verteidiger lieferte. Zudem bekundete Langenthals Stadtpräsident Thomas Rufener seine Anteilnahme und die Spieler kamen zum Handshake zusammen.

Ebenfalls nicht ganz wie gewohnt gings gestern Abend auf der Schoren nach dem erstmaligen Puckeinwurf weiter. Die Mannschaften gingen erwartungsgemäss mit einer spürbaren Portion Vorsicht ans Werk und versuchten, den harten Körperkontakt zu meiden, insbesondere in Bandennähe. Das gestrige Derby darf nach den vergangenen drei schwierigen Tagen und der niederschmetternden Diagnose für Ronny Keller wohl als Zwischenstation auf dem Weg zurück zur Eishockey-Normalität bezeichnet werden.

Der mehrheitlich ausbleibende Körperkontakt bot den Akteuren beider Teams viel Raum und Zeit. In der Folge sahen sich beide Torhüter mit gefährlichen Abschlussversuchen konfrontiert – nach sieben Minuten hiess es denn auch bereits 1:1. Es war Diego Schwarzenbach, der nach einem perfekten Zuspiel von Sturmkollege Remo Hirt die Oltner Führung (2:1) wiederherstellte.

Im zweiten Spielabschnitt baute der EHCO mit zwei schnellen Toren seine Führung auf 4:1 aus. Zuerst reüssierte Vogt. Anschliessend lancierte Martin Wüthrich, der sich mit Rückkehrer Marco Truttmann die Einsätze teilte, Derek Cormier auf geniale Art und Weise. Der 40-jährige Routinier verwerte mit einem meisterlichen Schuss. Nur wenig später vergab Pascal Annen, der an der blauen Linie lauernd von Wesley Snell angespielt wurde und mutterseelenallein auf Eichmann losziehen konnte, die Grosschance zum 5:1, er traf nur den Pfosten. Im Gegenzug erzielte Bodemann für den SCL das 2:4. Der Torreigen in Abschnitt war damit aber noch nicht zu Ende: In Überzahl markierte wiederum Cormier den fünften EHCO-Treffer dieses Abends. Die vermeintlich komfortable Dreitoreführung zum zweiten Pausenpfiff verdankten die Oltner nicht zuletzt der Langenthaler Leichtfertigkeit im Umgang mit Torchancen.

Dass der SCL in Sachen Chancenverwertung auch anders kann, bewies er kurz nach Start des Schlussdrittels: Durch Tschannen (41. Minute) und Kelly (42.) kamen die Oberaargauer auf 4:5 heran und drückten im Anschluss mächtig aufs Gaspedal. Mit der aufkeimenden Spannung kehrten auch vermehrt Emotionen ins Derby zurück und die Spielintensität nahm ebenfalls zu. Und tatsächlich: Der gesteigerte Effort der Gastgeber wurde anderthalb Minuten vor Ende der regulären Spielzeit mit dem 5:5-Ausgleich belohnt. Mit seiner Aufholjagd erzwang der SCL letztlich verdient die Verlängerung, die für den EHCO schliesslich die schmerzliche Niederlage bedeutete.