Eishockey
Olten und Langenthal auf dem Weg zurück zur Normalität

Der SC Langenthal trifft am Dienstag (20 Uhr) in Spiel 5 der Halbfinal-Serie zu Hause auf Olten. Allem Traurigen und Bedauerlichen zum Trotz: Alle müssen – wie Ronny Keller ja in allererster Linie – den Weg zurück zu einer Normalität finden.

Michael Schenk
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Langenthals Coach Heinz Ehlers (rechts) diskutiert mit Oltens Trainer Scott Beattie. Marcel Bieri

Langenthals Coach Heinz Ehlers (rechts) diskutiert mit Oltens Trainer Scott Beattie. Marcel Bieri

Marcel Bieri

Die Playoff-Halbfinal-Serie zwischen dem SC Langenthal und dem EHC Olten ist nach dem schweren Unfall von Ronny Keller in Spiel 2 am vergangenen Dienstag zu einer Serie geworden, in der es vermeintlich gar keinen Sieger mehr geben kann – oder darf, je nach dem. Zumindest nicht auf dem Eis. Wie soll man sich in so einem Moment freuen – ist Jubeln überhaupt noch angebracht? Fragen, die sich manch einem vielleicht stellen. Niemand, der auf und ums Eis herum involviert ist, hat den Kopf wirklich frei.

Alle sind sie im Bewusst- oder Unterbewusstsein beim querschnittgelähmten Kameraden. «Und trotzdem gehören wir aufs Eisfeld», sagt EHCO-Coach Scott Beattie. Eine unwirkliche Perspektive, die Oltens Geschäftsführer Peter Rötheli nach Spiel 4 zuletzt mit der Metapher verglich, im falschen Film zu sitzen und nicht aus dem Kinosaal raus zu können. Es geht eben weiter. Allem Traurigen und Bedauerlichen zum Trotz: Alle müssen – wie Ronny Keller ja in allererster Linie – den Weg zurück zu einer Normalität finden. Auch wenn diese Normalität möglicherweise nie mehr die gleiche sein wird, wie sie vor dem 5. März war. Freilich weder besser oder schlechter. Ein Prozess, der schrittweise erfolgen muss – in dem Fall also Spiel für Spiel.

SCL-Coach Heinz Ehlers will vor Spiel 5 auf Schoren (20 Uhr) nicht über seine zweifellos bewegte Gefühlslage sprechen. «Sprechen wir einfach über Eishockey, dann können wir gerne miteinander reden», sagt er. Eine Position, die hilft, Normalität zurückzugewinnen. Wenn jede Frage, jede Aktion auf dem Eis, jeder Check, jede Geste, jedes Wort fortan in eine Gedankenkette mit dem Schicksal von Ronny Keller impliziert wird, wird die Serie zwischen Olten und Langenthal prinzipiell unerträglich. Insofern macht die Haltung des Langenthal-Coachs absolut Sinn – selbst wenn die Worte noch spürbar vom Verstand im Kopf konstruiert rüberkommen.

«Es gibt einen eigenen Verstand im Herzen, der den Verstand im Kopf nicht kennt», hat der französische Philosoph Blaise Pascal einst gesagt. Heisst also, was der Mensch wirklich tief im Herzen fühlt, kann er mit dem Kopf unmöglich beeinflussen; selbst wenn es, wie in diesem Fall, vieles Einfacher machen würde. Darum gibt es gewisse Momente im Alltag, die nur verarbeitet werden können, wenn man sie erduldet und der Zeit das Kommando überlässt.

Also zurück zum heutigen Spiel und zur Normalität: «Wir müssen 60 Minuten unser Spiel spielen, dann können wir Olten bezwingen und in den Final einziehen», sagt Heinz Ehlers. Olten sei das talentierteste Team der Liga, so der Däne. Insofern habe man immer gewusst, dass es nicht einfach werde. Also gelte es, keine Strafen zu nehmen, und von A bis Z präsent zu sein. Letzteres sei seiner Mannschaft noch nicht optimal gelungen. Und was sagt die Statistik zur heutigen Partie? Mehr als die Hälfte aller Eishockeyspiele gewinnt das Team, dem das 1:0 gelingt. Bei Langenthal gegen Olten ist das bis dato 100 Prozent umgekehrt. Also heisst das Motto heute Abend für die beiden Equipen: Ja nicht in Führung gehen.

Weil: Es darf in dieser Serie durchaus noch Freude und auch einen Sieger auf dem Eis geben. Die Fans beider Lager haben mit ihrer zuletzt achtungsvollen Haltung und ihren eindrücklichen Solidaritätsbezeugungen in erster Linie dafür gesorgt.

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