Eishockey
Olivier Horak diente sich aus der 3. Liga bis ganz nach oben

Wie kaum ein anderer Trainer in der Nationalliga hat sich Olivier Horak nach oben gearbeitet. Mit Leib, Seele und jedem einzelnen Pulsschlag steht Horak morgen als SCL-Headcoach an der Bande im Derby gegen Olten.

Daniel Gerber
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Olivier Horak dirigiert seine Spieler mit viel Herzblut. keystone

Olivier Horak dirigiert seine Spieler mit viel Herzblut. keystone

KEYSTONE

Ebenso herzhaft wie leidenschaftlich strahlte Olivier Horak nach dem ersten Testspiel in Biel. Ein neu ausgerichteter, ungleich offensiverer SC Langenthal verlor den Vergleich zwar mit 1:5-Toren. Doch bereits sah der neue Coach erste, verheissungsvolle Besserungen. Und er betonte: «Ich spiele lieber offensiv, das macht viel mehr Spass.» Auch in Niederlagen während der Meisterschaft weiss er oft zu loben: «Ich kann den «Giele» keinen Vorwurf machen, sie wollten», bedauerte er nach der 2:3-Niederlage in Martigny. Gleichzeitig weiss der Trainer-Patron auch nach Siegen zu poltern. Wenn beispielsweise ein Schiedsrichter eine delikate Szene anders bewertet. Dann könnten die Blicke des gebürtigen Langnauers noch zehn Minuten nach dem Spiel Steine schleifen. «Oli», wie er beim SC Langenthal genannt wird, lebt Eishockey mit ganzem Herzen. So formulierte es SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf bei der Vertragsverlängerung.

«Krankheit» führt zu Titel

Beim SCL hat Olivier Horak unten angefangen. Dies, obschon er bereits oben gewesen war. Begonnen hatte alles in der 3. Liga. «Nach meiner Hockeykarriere dachte ich nicht, dass ich mal Trainer würde.» Doch in der 3. Liga übernahm Horak die Funktion des Spielertrainers beim EHC Napf, und ab der 2. Liga bis zum 1. Liga Vize Amateur-Titel stand er beim EHC Napf an der Bande. «Nach zwei, drei Jahren packte mich die «Krankheit». Ich bildete mich weiter und ging neben meinem Beruf verbissen ans Werk.» Dafür habe er auf viel Freizeit verzichtet, wie er sagt: «Ich mache alles von Herzen, wenn ich daheim bin, bin ich ganz daheim. Auf der Arbeit, bin ich ganz auf der Arbeit.» Er sei detailversessen. Und was die Trainerlaufbahn angeht, bedeutete dies Aufstieg um Aufstieg mit dem EHC Napf sowie den 1.-Liga-Titel mit Unterseen-Interlaken, anschliessend folgte der Einstieg beim EHC Basel (damals NLA) als Assistent.

Noch einmal von vorne begonnen

Und dann begann Olivier Horak vor fast sechs Jahren beim SCL noch einmal von vorn, sprich in der Nachwuchsabteilung als Ausbildungschef und Nachwuchstrainer. «Ich habe lieber noch einmal unten angefangen, um Schritt für Schritt nach vorn zu kommen.» Nach drei Jahren kam die Aufgabe als Assistenztrainer von Heinz Ehlers dazu. «Mit viel Willen konnte beides unter einen Hut gebracht werden.» Gleich im ersten Jahr folgte der NLB-Meistertitel und in der letzten Saison die Bronzemedaille. Es sei nicht eine Genugtuung, jetzt selbst Headcoach zu sein. «Aber es ist schön, dass die Arbeit geschätzt und belohnt wurde.»

Neben seiner Arbeit als Coach amtet Horak als Inhaber und Geschäftsführer der HB Verladetechnik & Service GmbH in Huttwil. Was schon mal lange Arbeitstage geben kann. «Heute habe ich um fünf Uhr mit der Arbeit begonnen», kommentierte er seinen Dienstag. Später folgte ein Morgentraining mit dem SCL, anschliessend gings wieder an die Arbeit und am Abend folgte die präzise Vorbereitung auf das morgige Derby gegen den EHC Olten. Er hat sich als konsequenter Analyst gezeigt, der beispielsweise im Training auch Szenen aus den Spielen nachstellt. Gefasst machen muss sich Olten aber nicht nur auf den in dieser Saison offensiveren SCL. Denn obschon Zuschauer und Umfeld vom offensivsten SCL seit der Rückkehr in die NLB sprechen, ist das Team gleichzeitig in der Abwehr so sicher wie nie zuvor. Selbst in der Meistersaison kassierte das Team mehr Gegentore. Horak: «Weil «t Giele» ihre Aufgabe umsetzen und sich jeder darauf konzentriert.» Am Donnertsag misst sich die zweitbeste Offensive der Liga (Olten) mit der besten Verteidigung (SCL). Egal wie das Spiel verlaufen wird: An der Bande steht beim SCL ein Coach, der mit ganzem Herzen dabei ist.