Seine Heimat Indonesien liegt fast 11000 Kilometer entfernt. Nun wohnt er nicht mehr in der 3 Millionen Einwohner zählenden Stadt Bandung, sondern in Solothurn – nur knapp
16000 Menschen leben dort. Er braucht täglich eine Portion Reis, liebt Raclette und Badminton ist sein Leben. Die Rede ist von Titon Gustaman (26), in der dritten Saison Spielertrainer beim NLA-Verein Solothurn. «Er ist ein ruhiger Typ, anpassungsfähig und selbstständig. Er geht alleine in die Stadt und weiss sich zu helfen. Das ist sonst bei den Indonesiern meist nicht so», erzählt Carlos Prieto, Sportchef und Coach der Solothurner in Personalunion.

Titon Gustaman arbeitet in der Schweiz professionell als Badminton-Trainer. Er unterrichtet neben seinem Engagement in Solothurn auch in Olten, Courrendlin und Frenkendorf, wo er mit der Junioren-Nationalmannschaft arbeitet. Da kommen viele Reisekilometer zusammen. Gustaman ist stolzer GA-Besitzer und ist ausschliesslich mit dem Zug unterwegs. «Die sind extrem pünktlich, das finde ich super. In Indonesien herrscht verkehrstechnisch ein grosses Chaos», erzählt er.

Vier Monate pro Jahr in Indonesien

Der Solothurner Spielertrainer ist ein Doppelspezialist. Mit 17 Jahren musste er sich in Indonesien entscheiden, ob er aufs Doppel oder aufs Einzel setzt. Der Entscheid für den «Teambewerb» gab ihm recht. Gustaman gehörte als Mixed-Spezialist vier Jahre lang der Nationalmannschaft an und war Dauergast in den Top 100 der Welt.

Daneben arbeitete er auch stets hart an seiner Trainer-Karriere. Und so begann im Jahr 2008 sein bisher grösstes Abenteuer. Der Racketkünstler wechselte vom viertgrössten Land der Welt nach Solothurn. Und er fühlt sich wohl in der Ambassadoren-Stadt. «Die Leute sind sehr freundlich. In der Westschweiz dagegen gefällt es mir weniger. Die Menschen dort passen mir nicht so.»

Der 26-Jährige träumt davon, mit seinem Team in dieser Saison den Playoff-Final zu erreichen. Und er träumt auch ab und zu von seiner Heimat. Er vermisse seine Familie und das Essen. Aber auf seinen heiss geliebten Reis muss er auch in Solothurn nicht verzichten. Er besorgt sich ihn im Asia-Markt, damit er genau wie zu Hause schmeckt.

«Ich esse jeden Tag mehrmals Reis. Wenn ich einen Tag ohne Reis auskommen muss, dann fühle ich mich schwach», sagt er. Fast vier Monate verbringt er während des Jahrs in seiner Heimat – wenn hier die Meisterschaft ruht. Mitte Dezember gehts das nächste Mal zurück zu seinen Liebsten. Dann trifft er seine Freundin wieder, die er in ein paar Jahren heiraten möchte.

«Schade, dass es so früh dunkel ist»

Für Titon Gustaman bedeutet der Badminton-Sport alles. «Seit ich fünf Jahre alt bin, spiele ich. Es ist mein Leben.» Mit dem Team Solothurn liegt er derzeit auf Platz 5. «Wir haben gute Chancen, die Playoffs zu erreichen», sagt er. Er, der sich oft in Bern oder Basel mit anderen Indonesiern trifft. «Das tut mir gut. So verlerne ich meine Sprache nicht», sagt er und schmunzelt.

In seiner Heimat beträgt die jährliche Durchschnittstemperatur 27 Grad. Wie gefällt ihm der Schweizer Winter? «Gut, ich mag den Winter. Nur, dass es so früh dunkel ist, stört mich.» Aber ein gemütliches Raclette lässt ihn die Dunkelheit schnell wieder vergessen.