Fussball
Ob NLA oder NLB: Derendingen wird zur Talentschmiede

Während die Spielerinnen des SC Derendingen noch um den Verbleib in der NLA kämpfen, intensivieren die Klub-Verantwortlichen im Hintergrund die Nachwuchsförderung mit einem Leistungszentrum ab Sommer.

Raphael Wermelinger
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Bis jetzt hatten die Derendingerinnen 2016/17 wenig Gründe zum Jubeln. Dies soll sich in den nächsten drei Spielen ändern.

Bis jetzt hatten die Derendingerinnen 2016/17 wenig Gründe zum Jubeln. Dies soll sich in den nächsten drei Spielen ändern.

Hans Peter Schläfli

Die Frauen des SC Derendingen mussten in ihrer ersten NLA-Saison viel Lehrgeld bezahlen. Nach zwanzig Spielen wartet das Team von Trainer Urs Bachmann immer noch auf den ersten Saisonsieg. Im morgigen Heimspiel in der Auf-/Abstiegsrunde NLA/NLB gegen den FC Aarau muss dieser erste Dreier realisiert werden, sonst wirds nichts mit dem Klassenerhalt. «Für uns sind die letzten drei Spiele alles Finalspiele», sagt Bachmann, «eine zweite Niederlage darf man sich sehr wahrscheinlich nicht leisten in dieser Abstiegsrunde.»

Urs Bachmann, Trainer und Technischer Leiter beim SC Derendingen.

Urs Bachmann, Trainer und Technischer Leiter beim SC Derendingen.

ZVG

Der direkte Wiederabstieg in die NLB wäre für den Klub indes keine Tragödie, stellt Bachmann klar: «Wir sagten von Anfang an, dass der Ligaerhalt nicht das primäre Ziel ist, sondern dass sich das noch sehr junge Team an den NLA-Rhythmus gewöhnt und wir uns im Verlauf der Saison steigern können.» Dies sei gelungen. Es habe zwar eine Weile gedauert, bis sich die Spielerinnen ans NLA-Niveau akklimatisiert hätten, seit dem Rückrundenstart konnten die Derendingerinnen mit ihren Konkurrentinnen aber «sehr gut mithalten», so Bachmann. Und dies trotz der Verletzungen von vier Leistungsträgerinnen und des zwischenzeitlichen Ausfalls der Torhüterin. «Mein Team stand nach jedem Rückschlag wieder auf und fokussierte sich sofort auf die nächste Herausforderung», sagt Bachmann stolz.

Gelingt die nächste Sensation?

Der «Ü60er», wie er sich selbst nennt, brachte die SCD-Frauen erst so richtig auf die Erfolgswelle. Bachmann übernahm die Equipe 2014 nach dem Aufstieg in die NLB. Am Ende der Saison 2014/15 durfte er mit den Derendingerinnen bereits den NLB-Meistertitel bejubeln. Der Aufstieg in die höchste Spielklasse glückte ein Jahr später. Diesen bezeichnet Bachmann als Sensation: «Wir hätten den Aufstieg eher ein Jahr früher erwartet, als das Team noch mit mehr routinierten Spielerinnen besetzt war.»

Mit dem Verbleib in der NLA könnte sein Team das nächste Kapitel des Derendingen-Märchens schreiben, weiss Bachmann. Nach der 0:3-Niederlage gegen die Grasshoppers und dem 0:0 gegen Yverdon liegen die Derendingerinnen aktuell aber auf dem letzten Platz der Abstiegsrunde. Nur die besten zwei der sechs Klubs spielen in der kommenden Saison in der NLA. «Der Klassenerhalt wäre die nächste Sensation», so Bachmann, «meine Spielerinnen hätten es aufgrund ihres Steigerungslaufs während der Saison aber verdient.» Damit es reicht, müsse sein Team vor allem die Ladehemmungen vor dem Tor ablegen. «Wir brauchen schnell ein Erfolgserlebnis. Dies würde wohl den Knopf lösen.»

Leistungszentrum ab Sommer

Im Hintergrund bastelt Urs Bachmann, der auch der Technische Leiter der SCD-Frauen ist, an einer rosigen Zukunft für den Verein. «Um nachhaltig Frauen-Spitzenfussball im Kanton Solothurn anbieten zu können, werden wir in diesem Sommer ein regionales Leistungszentrum für talentierte Spielerinnen ins Leben rufen», erklärt Bachmann mit grosser Vorfreude. «Davon können nebst dem SC Derendingen auch andere Vereine der Region profitieren.» Vor knapp einem Jahr wurde das Projekt Förderung Frauen-Fussball (FFF) unter dem Patronat des SC Derendingen lanciert.

«Wir wollen talentierte Nachwuchsspielerinnen fördern und auf eine Karriere als Spitzensportlerinnen vorbereiten», erklärt Bachmann. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Sportschulen, den Lehrbetrieben und dem Schweizerischen Fussballverband (SFV). Die Vision: Das Projekt FFF soll im Kanton Solothurn, im Oberaargau und der Region Biel/Seeland eine führende Rolle im Frauen-Spitzenfussball aufbauen und übernehmen. «Wir wollen in den nächsten drei Jahren über die Kantonsgrenze hinaus das Image einer Talentschmiede erreichen», dies die Ambitionen von Bachmann und Co.

Im Leistungszentrum sollen 12 bis 15 Talenten trainieren. Dafür infrage kommen sowohl Juniorinnen aus den U16- und U19-Nachwuchsteams, aber auch Spielerinnen des Fanionteams. Weitere Voraussetzungen für die Aufnahme: Die Fussballerinnen müssen das Potenzial aufweisen, mittelfristig in ihrer Altersklasse Frauen-Spitzenfussball spielen zu können. Und sie müssen eine Sportklasse oder ein Studium beziehungsweise eine Sportlerlehre absolvieren. «Für das Schuljahr 2017/18 sind bereits sieben Spielerinnen angemeldet und zugelassen», sagt Bachmann.

Der SC Derendingen will zudem die Zusammenarbeit mit dem BSC Young Boys intensivieren. Bereits jetzt figuriert der SCD als Farmteam der Berner, was bedeutet, dass die beiden Klubs Spielerinnen untereinander austauschen können. In Bezug auf das NLA-Team, wenn denn der Ligaerhalt geling, hält der SC Derendingen also an seiner Devise fest: Die Integration des Nachwuchses steht im Vordergrund. «Seit dem Aufstieg in die NLB vor knapp drei Jahren konnten acht eigene Juniorinnen in die NLA integriert werden», verdeutlicht Baumeister Urs Bachmann den Erfolg.