SC Altstadt Olten
Nur Meister war Remo Meister nie - Der ehemalige Spieler des EHC Olten will nun die 2. Liga aufmischen

Nach zwölf Saisons wurde Remo Meisters Vertrag beim EHC Olten nicht verlängert. Jetzt spielt der 30-Jährige in der 2. Liga.

Raphael Wermelinger
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Remo Meister will nun mit Altstadt Olten die 2. Liga aufmischen.

Remo Meister will nun mit Altstadt Olten die 2. Liga aufmischen.

Remo Fröhlicher

«Es macht Spass. Ich spiele mit vielen ehemaligen Weggefährten und Freunden zusammen», äussert sich Remo Meister zu seinem neuen Engagement beim SC Altstadt Olten in der 2. Liga. Der langjährige NLB-Verteidiger spricht von einer grossen Umstellung. Er habe die Liga ein bisschen unterschätzt, gesteht er. Das Eishockey in der Schweiz sei in den letzten zehn Jahren in allen Bereichen, vor allem aber, was das Tempo angeht, besser geworden. Dies sei bis runter in die 2. Liga zu spüren: «Wir spielen gegen Klubs, von denen ich noch nie gehört habe. Aber auch die haben oft Spieler im Kader, welche eine gute Eishockeyschule durchlaufen haben und Erfahrung aus den oberen Ligen besitzen.»

Mit vier Siegen und vier Niederlagen liegt der SC Altstadt aktuell nur auf dem sechsten Platz. Die Ambitionen sind gross in dieser Saison: «Wir wollen den Titel holen. Das Kader, das es dafür braucht, haben wir», so Meister. Seine Bilanz nach acht Spielen: drei Tore, fünf Assists. «Wir hatten Startschwierigkeiten, weil wir zuerst herausfinden mussten, wie wir genau spielen wollen», erklärt der 30-Jährige. Zuletzt im Derby gegen Langenthal haperte es an der Chancenverwertung. «Wir spielten auf ein Tor. Sie haben während des gesamten Spiels etwa dreimal aufs Tor geschossen.» Meister und Co. unterlagen trotzdem mit 0:2.

Alternativen ausgeschlagen

558 NLB-Spiele absolvierte Meister in zwölf Saisons für den EHC Olten. Seine Ausbeute: 29 Tore und 124 Vorlagen. Im Februar, nach der vierten Niederlage im Playoff-Viertelfinal gegen Rapperswil-Jona, endete seine NLB-Karriere abrupt. Der EHCO glaubte nicht mehr an sein Eigengewächs und verlängerte Meisters Vertrag nicht. «Es war der Entscheid der Klubleitung. Das muss man akzeptieren», kommentiert er seinen Abgang. Der Entscheid sei für ihn allerdings nicht nachvollziehbar gewesen. «Ich hätte gerne noch ein paar Jahre drangehängt, doch so läufts in diesem Business.»

Remo Meister hier noch im Dress des EHC Olten.

Remo Meister hier noch im Dress des EHC Olten.

BKO

Alternativen hätte es gegeben. Doch Meister lehnte die Angebote von NLB-Vereinen nach längerem Abwägen ab. Der Grund: «Ich bin in Olten sehr gut verankert. Ich habe einen guten Job, meine Familie in der Nähe und den ganzen Kollegenkreis hier. Das wollte ich nicht aufgeben.» Den Entschluss, der Nationalliga B endgültig den Rücken zu kehren, habe er bis jetzt nicht bereut: «Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung.»

Anekdoten für mehrere Bücher

Meister musste in den vergangenen Jahren auf vieles verzichten, vor allem auf Freizeit. Er war nie Vollprofi, arbeitete neben dem Meisterschaftsbetrieb immer sechzig bis achtzig Prozent. Gelohnt hat sich der Aufwand in seinen Augen allemal: «Ich durfte Sachen erleben, die andere nie erleben.» Er könnte mehrere Bücher schreiben mit Anekdoten aus seiner EHCO-Zeit. So etwa über eigenwillige Teamkollegen wie den US-Amerikaner Billy Tibbetts: «Ein brillanter, aber sehr spezieller Spieler, auf und neben dem Eis.» Oder über die Trainer, die sich im Kleinholz die Klinke in die Hand drückten: «Dan Ratushny war mein absoluter Lieblingstrainer. Er vertraute mir, förderte mich, war gleichzeitig aber auch ehrlich und verlangte vollen Einsatz. Unter ihm waren wir definitiv am fittesten.»

Zwei verpassten Chancen trauert er rückblickend nach. Dass es trotz zwei Finalteilnahmen nicht zum NLB-Meistertitel reichte und dass er den Sprung in die NLA nicht wagte. 2013 unterlag Olten Lausanne, zwei Jahre später den SCL Tigers. «Es ärgert mich, dass wir den ‹Kübel› nie geholt haben», so Meister. Und zum Thema NLA sagt er: «Schade, dass es nie geklappt hat.» Weil er sich gegen einen Transfer in die Westschweiz entschied. «Ich wollte lieber versuchen, mit dem EHCO den Titel zu holen und aufzusteigen.»

Kommt wieder unter Leute

Meisters Prioritäten haben sich mittlerweile deutlich verschoben: Er arbeitet nun hundert Prozent bei einer Immobilienfirma, durch die wegfallenden Trainings hat er dennoch viel mehr Freizeit: «Ich kann jetzt freier entscheiden, was ich machen will und komme wieder mehr raus.» Er verfolge die Leistungen seiner ehemaligen Teamkollegen genau mit, hat aber erst ein Spiel in dieser Saison gesehen. «Am Anfang hat es mich gar nicht an die Spiele gezogen», begründet er.

Jetzt sei es eher eine Zeitfrage. Wehmütig werde er definitiv nicht, wenn er NLB-Spiele sehe: «Es würde mich stressen, wenn ich nicht mehr Hockey spielen würde. Aber ich stehe ja weiterhin auf dem Eis, bin in einem Team und kann diesen geilen Sport immer noch ausüben.» Es gehe in der 2. Liga beim SC Altstadt Olten grundsätzlich um das Gleiche wie in der NLB, lediglich auf einem tieferen Niveau. Gut möglich, dass Meister in seiner ersten Saison beim SCA das schafft, was in zwölf Jahren beim EHCO nicht gelang: Meister werden. Zusammen mit den etlichen Ex-EHCO-Cracks wie Martin Wüthrich, Cédric Aeschlimann oder Romano Pargätzi, die mittlerweile ebenfalls das Altstadt-Dress tragen.

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