Eishockey
Noel Guyaz vertraut dem Motto «Wille, Kampf, Leidenschaft und Disziplin»

Der 42-jährige Noel Guyaz hat beim SC Langenthal die Seiten gewechselt: Vom stahlharten Verteidiger zum Sportchef. Auch in seiner neuen Funktion verkörpert er diese Tugenden mit Leib und Seele.

Daniel Monnin
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Noel Guyaz (Mitte) verkörperte auch als Verteidiger die wichtigsten Tugenden des Eishockeys.

Noel Guyaz (Mitte) verkörperte auch als Verteidiger die wichtigsten Tugenden des Eishockeys.

Marcel Bieri

Einmal musste er ja kommen, der Tag, an dem der 42-jährige Dinosaurier seine Schlittschuhe an den Nagel hängen würde. Er kam – wie könnte es bei der Karriere des Vorzeige-Athleten anders sein – in Etappen: Am 5. März, mitten in den Playoffs, gab der SC Langenthal bekannt, dass Noel Guyaz den zum EV Zug «wegbeförderten» Sportchef Reto Kläy ersetzen wird. Knappe drei Wochen später beendete das Playoff-Halbfinal-Aus gegen den späteren B-Meister Visp seine Karriere. Guyaz hielt in seinem Facebook-Account fest, was ihn all die Jahre hinweg bis ins «hohe Alter» begleitet hatte: «Eishockey ist ... Wille, Kampf, Leidenschaft, Disziplin.»

Neues Leben in der «Teppichetage»

Fünf Monate später hat sich nur sein Arbeitsumfeld geändert. Guyaz hat seinen Lebensinhalt vom rutschigen Eis in die «Teppichetage» verlegt. «Eigentlich wollte ich noch eine Saison anhängen, doch als die Anfrage kam, habe ich sofort zugesagt», erinnert er sich. «Es war immer klar, dass ich eine Funktion im Klub übernehmen würde, aber meine Überlegungen gingen eher in Richtung Trainer.» Durch den nahtlosen Übergang vom Spieler zum Vorgesetzten steht Guyaz heute «nahe bei der Mannschaft. Ich kenne alle Spieler, weiss, wie sie ticken.» Das sei ein Vorteil, meint er, «wenn es Probleme gibt, weiss ich, wie ich sie angehen muss.» Guyaz ist sich aber auch bewusst, dass er als Sportchef nicht nur sonnige Tage erleben wird, dass er – wenn es nötig wird – auch mit harter Hand vorgehen muss. Dabei soll ihm seine Erfahrung aus 24 Jahren Nationalliga-Hockey helfen. «Ich habe viele Trainer und Sportchefs erlebt, von jedem kann man etwas in die eigene, neue Karriere mitnehmen.»

Playoff-Halbfinal als Minimalziel

Das Saisonziel des SC Langenthal ist klar umrissen: Ein Platz unter den besten Vier und mindestens den Playoff-Halbfinal erreichen. «Das traue ich der Mannschaft zu, wir haben uns gezielt verstärken können. Unser Kader ist ausgeglichen.» In Sachen Transfers hat Guyaz selber mit Ausnahme des späten Wechsels von Verteidiger Marco Schüpbach von den konkursiten Basel Sharks noch wenig bewirken können, er steht jedoch zur Linie seines Vorgängers und von Trainer Olivier Horak. «Mit Eric Arnold (Anm. d. Red.: 22, Basel), Mike Küng (20, Zug) und Anton Ranov (20, Davos) haben wir junge, hungrige Spieler verpflichten können, die sich gut in unser Ensemble eingefügt haben. Der 31-jährige Luca Triulzi (Visp) bringt eine grosse Erfahrung mit und verfügt über ausgesprochene Skorerqualitäten (470 Punkte in 567 NLB-Partien).»

Junge Talente fördern

Guyaz will «den Weg mit jungen Talenten weitergehen.» Deshalb wird auch Yannick Kaufmann, der 20-jährige Berner Verteidiger aus der Basler Konkursmasse nach einem Tryout in Langenthal bleiben. «Ihm gehört die Zukunft», ist Guyaz überzeugt. Auf seiner Suche nach neuen Spielern werden ihm auch die «eigenen Talente nicht verborgen bleiben, denn ich bin als Sportchef auch für unsere Talentgruppe zuständig,» erklärt er. Die Arbeit wird ihm nicht ausgehen, «im Gegenteil, nach einer ersten Phase, die in erster Linie der Einarbeitung in die verschiedenen neuen Dossiers galt,» will er zusammen mit dem Trainerstaff «das bereits professionelle Umfeld der Mannschaft weiter optimieren. Wir werden Phasen mit sehr hoher Belastung haben, mehrere Spiele in kurzer Reihenfolge, deshalb gilt es, einer guten Regeneration besondere Beachtung zu schenken. Wir müssen unsere Kräfte entsprechend den Belastungen einteilen.» Bereits zu Saisonbeginn warten ab dem 12. September gleich vier Spiele innert acht Tagen auf die Oberaargauer, anfangs Oktober werden es gar sechs Spiele in 12 Tagen sein.

Guyaz war sich in seiner Karriere nie zu schade, sich in Schüsse zu werfen. Deshalb wird ihn seine Hockey Maxime – Wille, Kampf, Leidenschaft, Disziplin – auch neben dem Eis, in seiner neuen Karriere begleiten. «Es gibt nur 21 Sportchefs in der Nationalliga, deshalb ist es Ehre und Verpflichtung zugleich, einer von ihnen zu sein.»

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