Ski Freestyle

Noch fehlt Mischa Gasser eine Schraube zur absoluten Weltspitze

Mischa Gasser während der Aerials-Qualifikation an den Ski-freestyle-Weltmeisterschaften 2015 in Kreischberg.

Mischa Gasser während der Aerials-Qualifikation an den Ski-freestyle-Weltmeisterschaften 2015 in Kreischberg.

Der Solothurner Skiakrobat Mischa Gasser hat zuletzt im Weltcup geglänzt – weiss aber, dass es noch mehr braucht, um ganz vorne mitmischen zu können. Dafür hat der 23-jährige aber noch viel Zeit, denn Erfahrung ist im Ski Freestyle extrem wichtig.

Ein Jahr ist es her, als Mischa Gasser für alle sichtbar in Russland durch die Luft wirbelte. Überraschend hatte sich der junge Solothurner kurz zuvor mit einem verblüffenden siebten Rang am Weltcup in Lake Placid für die Olympischen Spiele in Sotschi qualifiziert. «Leider lief der Olympia-Wettkampf dann nicht ganz wie erhofft.»

«Ich konnte meine beiden Sprünge nicht sauber landen und schied in der Qualifikation aus», erinnert sich Gasser. Schliesslich landete der «Kunst-Skiflieger», der einst via Kunst- und Geräteturnen zur Skiakrobatik fand, bei seinem olympischen Debüt auf dem allemal imponierenden 18. Rang.

Die Erfahrung, die er dabei gewann, kann sich im weiteren Karriereverlauf noch als unbezahlbar erweisen. Zurzeit ist Mischa Gasser wieder in Russland, präziser im weissrussischen Minsk. Anfang März findet in der Millionenstadt der letzte Weltcup der Saison statt. Dazwischen jettet die kleine, helvetische Aerials-Delegation nach Moskau an einen City Event. Vor dem «Abstecher» in den Osten Europas trumpfte Gasser Anfang Monat am Weltcup in Lake Placid erneut auf. Mit Rang 10 schaffte der 23-Jährige sein zweites Top-10-Resultat.

Fehlende Erfahrung

Noch ist der Schweizer für solche Glanztaten in der Regel auf Schützenhilfe der Konkurrenz, sprich «Patzer» seiner Gegner, angewiesen. Sein dreifach Salto mit dreifach Schraube – der legendäre «Full-Full-Full» mit dem Evelyne Leu 2006 Olympiasiegerin wurde – und der «Lay-Double Full-Full» (Salto ohne Schraube, Salto mit zwei und Salto mit einer Schraube) sind punkto Schwierigkeitsgrad zu wenig, um ganz vorne mitzumischen.

«Ich springe zwar sauberer oder konstanter denn je und auch die Landungen sind besser geworden, aber um im Weltcup regelmässig unter die ersten zehn zu springen, braucht man definitiv vier Schrauben im Repertoire», sagt Mischa Gasser. «Um Tricks der höchsten Schwierigkeitsstufe zu zeigen», relativiert sein Trainer Michel Roth, «benötigt ein Athlet rund zehn Jahre Erfahrung im Weltcup.»

Nun, in dem Sinn ist der überhaupt noch keine fünf Jahre in dieser luftigen Sportart aktive Gasser extrem schnell und «stotzig» unterwegs. Denn: Diese vierte Vertikal-Rotation bereits nächste Saison hinzukriegen, ist sein Ziel. «Ich bin zuversichtlich, dass es bis dann klappt und ich es dann mehr in der eigenen Hand habe, ob es unter die Top 10 reicht oder nicht.»

Zweiter RS-Teil steht an

Leben von seinem Sport kann Mischa Gasser nicht. Aber immerhin: Dank der Unterstützung von Swiss Olympic, des Verbandes, seines Skiclubs Bern, von Schneesport Mittelland und persönlicher Sponsoren ist ein Grossteil der Kosten des Wettkampf- und Trainingslager-bedingten Nomadenlebens während des Winters finanziell gedeckt.

Mit dem Wettkampf in Minsk wird die Weltcup-Saison für Gasser enden. Ab April steht für den B-Kader-Athleten des SSV in Magglingen der zweite Teil der Spitzensport-RS auf dem Programm. Die Grundausbildung hat der gelernte Bauzeichner, der im Sommer auf diesem Job arbeiten möchte, bereits letztes Jahr absolviert. 13 Wochen, die der tollkühne Flieger wunderbar als Aufbautraining wird nützen können. Auf dass das mit dem «Full-Double Full-Full» möglichst bald klappen möge.

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