Eishockey NLB
Noch einen Schritt bis zum Playoff-Final: EHC Olten besteht Charaktertest

Der EHC Olten ist nach dem 2:0-Sieg gegen Martigny nur noch einen Schritt vom Playoff-Final entfernt. In diesem warten bereits die SCL Tigers.

Marcel Kuchta
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Der eigene Goalie ist tabu: Chris Bagnoud gibt Tim Traber den Tarif durch.

Der eigene Goalie ist tabu: Chris Bagnoud gibt Tim Traber den Tarif durch.

Hansruedi Aeschbacher

Es war das, was man im Volksmund einen «Chnorz» nennt. Das vierte Playoff-Duell zwischen dem EHC Olten und Red Ice Martigny war nichts für Eishockey-Gourmets. Aber es war trotzdem ein Spiel, welches die fast 6000 Zuschauer in der stimmungsvollen Kleinholzhalle in seinen Bann zog. Wie schon am Freitag (1:0 für Martigny) entwickelte sich zwischen den beiden Teams ein Geduldsspiel. Die Räume wurden eng gemacht, Chancen entsprangen oft dem Zufall.

Besonders die Gäste aus dem Wallis machten dort weiter, wo sie im letzten Spiel aufgehört hatten. Die Mannschaft von Ex-Olten-Legionär Albert Malgin mag nicht die talentierteste Truppe der NLB sein. Aber sie gehört sicher zu denjenigen, die am härtesten arbeiten und in der Defensive sehr diszipliniert auftreten. Dazu sind sie auch jederzeit in der Lage, den Gegner mit diversen Mätzchen und Scharmützeln aus dem Konzept zu bringen.

Besonders ein Spieler tat gestern alles, um in der Beliebtheitsskala in Rekordgeschwindigkeit ganz unten anzukommen: Tim Traber. Der Schweiz-Kanadier, der von Servette-Zampano Chris McSorley im letzten Sommer ins Land gelockt worden war, in der NLA aber als für zu leicht befunden wurde, zog sich mehrmals den Unmut des Publikums und der Oltner Spieler zu. Höhepunkt war ein Nachschlagen gegen EHCO-Goalie Michael Tobler, welches in einen handfesten Faustkampf mit Oltens Mann fürs Grobe, Christopher Bagnoud, mündete.

Strafensammler Traber

Am Ende des Abends sass Traber für satte 20 Minuten auf dem Sünderbänkchen – allein die Aktion gegen Tobler und das folgende Duell gegen Bagnoud brockten Martignys Nummer 71 deren 16 ein. Dass er von der Strafbank aus auch mit ansehen musste, wie Shayne Wiebe den Torbann in der 45. Minute brach und zum längst überfälligen 1:0 für Olten traf, war bezeichnend.

Die Unterwalliser wurden letztlich für ihre zahlreichen Disziplinlosigkeiten bestraft. Codey Burki sorgte ebenfalls im Powerplay für die Entscheidung (55.). Und eine mögliche Aufholjagd verhinderten die Gäste mit zwei weiteren Strafen in der Schlussphase (eine davon von Traber) gleich selbst. Es war typisch für den bisweilen überbordenden Einsatz der Gäste, die fehlendes Talent mit Härte zu kompensieren versuchten.

Für den EHC Olten war dieses vierte Halbfinalspiel ein echter Charaktertest, den man mit Bravour bestand. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich von den Provokationen Martignys aus dem Konzept bringen zu lassen. Erst recht, wenn man über 100 Minuten auf einen Treffer warten muss.

Langnau wäre der Finalgegner

Bester Spieler des Abends aufseiten der Oltner war dabei Shayne Wiebe, der nicht nur seinen ersten (!) Playoff-Treffer in der laufenden Saison zu einem optimalen Zeitpunkt erzielte, sondern den Martinachern mit seinen krachenden Checks auch immer wieder Schmerzen zufügte. Der Kanadier blühte in diesem von Härte geprägten Playoff-Fight richtiggehend auf. «Es machte Spass. Und seit mein gebrochener Finger wieder geheilt ist, fühle ich mich wieder wohler», freute sich Wiebe, der auch noch einen träfen Kommentar zu Tim Traber abgab: «Ihn muss man einfach machen lassen. Irgendwann implodiert er und nimmt dumme Strafen.»

EHCO-Trainer Heikki Leime freute sich über die abgeklärte Leistung seiner Mannschaft – gerade angesichts der Dauerprovokation durch Traber und Co.: «Bei Spielern wie Traber ist man oft am tapfersten, wenn man ohne Reaktion davonläuft und kühlen Kopf bewahrt», sagte der Finne und fügte an: «Es war wichtig, nicht ungeduldig zu werden und sich an unseren Plan zu halten. Martigny ist ein sehr gutes, diszipliniertes Team. Wir müssen auf Top-Niveau agieren, um sie noch einmal zu schlagen.»

Noch fehlt dem EHC Olten ein Sieg zum Einzug in den NLB-Final, wo man auf die noch ungeschlagenen SCL Tigers, die gestern den SC Langenthal eliminierten, treffen würde. Langnau ist momentan noch bei weitem kein Thema. Aber die Aussicht auf eine Finalserie gegen den Rivalen aus dem Emmental lässt die Oltner Herzen höherschlagen.

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