FC Solothurn
Noch bleibt der Nachwuchs von den Querelen an der Vereinsspitze verschont

«Im Moment tangiert das ‹Gschtürm› an der Vereinsspitze die Qualität unserer Arbeit im Nachwuchsbereich nicht – noch nicht.» Der dies sagt ist Ronald Vetter – seit 13 Jahren Nachwuchs-Chef des FC Solothurn

Michael Schenk
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Der Nachwuchs ist das Prunkstück des FC Solothurn. zvg

Der Nachwuchs ist das Prunkstück des FC Solothurn. zvg

Rapha‘l Galliker

Der ehemalige FCS-Spieler Ronald Vetter, der 1984 von Hanspeter Latour von Grenchen nach Solothurn geholt worden war, ist seit 13 Jahren Nachwuchschef beim FC Solothurn. Während dieser Zeit hat sich die Juniorenabteilung von 100 auf inzwischen rund 250 Aktive vergrössert, die von rund 30 Trainern betreut werden. Das Ganze aufgeteilt in 18 Equipen.

Die Nachwuchsabteilung der Ambassadoren ist zweifellos das Prunkstück des Vereins und in dem Sinn ein regionaler Stützpunkt. Im Kinderfussball-Bereich gibt es inzwischen Wartelisten. «Die Qualität unserer Arbeit hat sich herumgesprochen», sagt Vetter. Eine Qualität freilich, die durch die Turbulenzen an der Vereinsspitze in ihrer Substanz durchaus bedroht ist.

Enge Zusammenarbeit mit FC Basel

Die Nachwuchsabteilung des FC Solothurnarbeitetengmit derjenigen des FC Baselzusammen. Dieses vornehmlich im Préformation-Bereich (U15 und jünger). FCB-Nachwuchschef Ronald Vetter bezieht seinen Lohn vom FC Basel, wobei die mit Label versehenen Partnerschaften im Spitzen-Nachwuchsfussball, der in dem Fall auch noch das Team Jura, der FC Concordia und der FC Old Boys angehört, vom Verband pro Vollzeitstelle jährlich mit einem Betrag von rund
70 000 Franken unterstützt wird. Die Zusammenarbeit zwischen FCS und FCB beinhaltet unter anderem den Abgleich der Ausbildungs-Philosophie und Erfahrungsaustausch,Turniere,Fortbildungstage für Trainer usw. Den besten FCS-Junioren steht so bei entsprechender Entwicklung die Tür zum grossen FC Basel offen. Was jetzt die aktuellen Querelen an der FCS-Vereinsspitze, respektive die daadurch verwaisten Vorstandsposten angeht, , so sagt der FCB-Vizepräsident und Nachwuchsverantwortliche Adrian Knup: «Natürlich wäre es uns auch lieber, ganz genau zu wissen, wer beim FC Solothurn wofür zuständig ist. Das ist im Moment, so viel ich weiss, nicht immer der Fall. Aber solange die Arbeit im Nachwuchsbereich läuft, wie wir uns das vorstellen, mischen wir uns nicht in die Geschäfte des FC Solothurn ein.» Doch, führt Knup aus: «Wir verfolgen die Geschehnisse rund um den FC Solothurn natürlich sehr genau.»
Das Interesse des FCB am FCS könnte sich also schnell ändern, wenn sich der Steppenbrand von der FCS-Führungsetage Richtung Nachwuchsabteilung bewegen sollte. (msk)

Gänzlich ohne Nebengeräusche geht die Führungskrise beim FCS nämlich schon jetzt nicht am Nachwuchs vorbei. Ein Beispiel: Wenn es etwa darum geht, Schiedsrichter-Entgelt zu bezahlen, ist keiner oder keine mehr da, der oder die Zugriff auf das entsprechende Konto hat. «Dann zahlen wir halt erst einmal aus dem eigenen Sack», erklärt der 47-jährige Vetter.

Für Ronald Vetter, viele sagen er sei der wichtigste Mann beim FC Solothurn, ist klar, dass er unter dem am 19. April per Zirkular-Mehrheitsbeschluss abgesetzten Präsidenten Stefan Aegerter, Vize Meinrad Schönbächler und Sportchef Peter Grütter «beim FCS nicht mehr weitermachen würde». Ganz egal, wie formaljuristisch korrekt – oder eben auch nicht – die Absetzung der «Anti-Hasler-Fraktion» gewesen sein mag.

«Bis Ende Saison aber», hält Vetter fest, «wird der Betrieb im Nachwuchsbereich mit Sicherheit so weitergeführt wie gewohnt.» Was danach ist, könne er jetzt noch nicht sagen. Das hänge zweifellos auch sehr davon ab, wie die auf den 14. Mai terminierte ausserordentliche Vorstandssitzung verlaufe, an der die vakanten Posten in Vorstand und Geschäftsleitung mit neuen Leuten besetzt werden sollen. Leuten aus dem Nachwuchssektor.

Viele Trainer im FCS-Juniorenbereich kamen via Ronald Vetter zum FC Solothurn. Gut möglich also, dass auch etliche von ihnen wieder gehen, sollte der Nachwuchschef und versierte Ausbilder Vetter seinen Dienst beim FCS quittieren und nächstes Jahr sonstwo anheuern. Es gehe ihm nicht primär um die Person Roland Hasler, sagt Vetter. Den von den genannten Teilen der Geschäftsleitung zum Rücktritt aufgeforderten Trainer der abstiegsbedrohten 1.-Liga-Mannschaft also. «Ich kann mir problemlos vorstellen, auch ohne Roland Hasler beim FC Solothurn zu arbeiten», so Vetter.

Was ihn störe und für ihn ein No-Go sei, sei jedoch die Art und Weise, wie man versucht habe, Roland Hasler weg zu bekommebn. Der Schritt an die Öffentlichkeit in Form einer Pressekonferenz am 18. April von der weder Hasler noch sonst jemand von Teilen der Pro-Hasler-Fraktion etwas gewusst habe, sei nur der Gipfel der Kampagne gewesen.

Die Gruppe um den «abgewählten» Präsidenten Stefan Aegerter hatte angekündigt, sich nicht auf eine Schlammschlacht mit der Gegenseite einlassen zu wollen. Zumal dieser auch Ehrenpräsident André Miserez angehöre, vor dem man hohen Respekt habe. Und auch dann nicht, wenn die Anti-Hasler-Fraktion de jure recht haben und faktisch immer noch handlungsbefugt sein sollte. Wobei die juristische Ausgangslage in dem Fall äusserst vertrackt ist und es wohl Monate dauern würde, ehe geklärt wäre, was punkto Wahl, Abwahl und Neuwahl formal korrekt und was nicht abgelaufen ist.

Bei allem Zwist: Einigkeit zwischen den beiden tief gespaltenen Lagern herrscht immerhin in einem Punkt: An eine künftige Zusammenarbeit, so wie sie einst war, ist nicht mehr zu denken.