Kunstturnen

Nils Haller ist der Herr der Ringe und der Captain in der Hüpfburg

Nils Haller vom KV Solothurn ist der Captain der Schweizer Kunstturn-Nationalmannschaft. «Ich bin deshalb nicht besser oder wichtiger als die anderen», sagt der 23-Jährige bescheiden. Über Fussballer-Saläre vertritt er seine ganz eigene Meinung.

Die Jubiläumshalle in Magglingen wirkt wie eine gigantische Hüpfburg. Alles ist gepolstert; dicke, dünne, grosse und kleine Matten, soweit das Auge reicht. Dazwischen lugen Geräte hervor, die den Normalbürger an ungeliebte Turnstunden erinnern, für die Mitglieder der Kunstturn-Nationalmannschaft aber das Paradies auf Erden bedeuten.

Aus den Boxen trällert unaufdringliche Musik, im Hintergrund verrenken die Mädchen der Rhythmischen Gymnastik ihre Körper. Dann kommt, in kurzen Hosen und Socken, Nils Haller, der Captain der Schweizer Nationalmannschaft. «Ich trainiere immer so», versichert der 23-Jährige, das sei nicht bloss für die Kamera.

An den Ringen, seinem Lieblingsgerät, lässt Haller seine Muskeln spielen. An den Europameisterschaften 2012 erreichte er im Ring- und Barrenfinal den siebten Rang.

Captain seit Sommer 2012

Kurz darauf wurde das Mitglied des KV Solothurn zum Captain der Nationalmannschaft ernannt. Haller erfüllt das Amt mit Stolz und mit Bescheidenheit. «Als Captain bin ich nicht wichtiger oder besser als die anderen», sagt er – es sei ihm wichtig, der zu bleiben, der er schon immer war. Haller wirkt bodenständig, höflich, gut erzogen.

Kunstturner Nils Haller im Interview.

Kunstturner Nils Haller im Interview.

Als Captain verstehe er sich mit allen im Team gut, sagt er. Zusätzliche Aufgaben übernimmt er vor allem im administrativen und organisatorischen Bereich. Wenn es etwa um die Durchführung des Jahresabschluss-Essens geht.

Dass er als Captain mit gutem Beispiel voran geht, ist für ihn selbstverständlich. Als Motivator der Truppe sieht er sich aber nicht. «So jemanden braucht es nicht, jeder weiss, weshalb er hier ist», sagt Haller bestimmt und fügt an: «Wir trainieren, um an internationalen Grossanlässen Finals zu erreichen.»

Kunstturnen gilt als eine der trainingsintensivsten Sportarten überhaupt. Zehnmal pro Woche schindet Haller seinen Körper, nur sonntags geniesst er einen Freitag.

Mit acht Jahren täglich in der Halle

Bereits als 8-Jähriger stand der Bieler täglich in der Halle. «Wer mit 10 Jahren beginnt, ist zu spät dran», sagt er. Als Ringspezialist ist vor allem Kraft gefordert. Bis zu zwei Stunden stählt Haller seine Muskeln – täglich. «An den Ringen besitze ich am ehesten Finalchancen», ortet Haller sein Potenzial.

Trotz aller Härte: Das Training in Magglingen wirkt unaufgeregt, fast schon entspannt. Natitrainer Bernhard Fluck sucht im Foyer das persönliche Gespräch mit den Turnern, in der Halle übernehmen die französischen Assistenztrainer. Die Kunstturner wechseln selbstständig von Gerät zu Gerät. Um neue Elemente einzustudieren, braucht es vor allem Geduld. Wiederholungen sind das A und O.

«Klar gibt es Phasen, in denen man weniger gerne trainiert, in denen man sich fragt: Muss das sein?», sagt Haller, «aber eigentlich bin ich jeden Tag motiviert.»

Mühe mit horrenden Summen

Trotz viel Fleiss und Schweiss stehen Kunstturner selten im Rampenlicht. «Natürlich würde ich gerne so viel wie ein Fussballer verdienen», sagt Haller, «aber wenn ich mir die Jungs so anschaue, habe ich den Eindruck, dass einige von ihnen mit diesen horrenden Summen Mühe bekunden.»

Er sei ein zufriedener Mensch, sagt Haller, «ich muss nicht reich sein». Im Herbst will er ein Sportstudium an der Uni Bern beginnen. Die Zukunft nach der Kunstturn-Karriere fest im Blick.

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