Hornussen
Niemand hatte sie auf der Rechnung – ein Fehler

Die HG Gondiswil schafft erstmals den Aufstieg in die Nationalliga A – und dies dank der starken Arbeit im Ries.

Michael Lüthi
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Gondiswil hat zwar eine Bahn-Haltestelle. Aber der Zug stoppt dort seit zwei Jahren nicht mehr – zu wenige Passagiere wollten in Gondiswil ein- und aussteigen. Aber am letzten Wochenende dann grosser Bahnhof in der kleinen Gemeinde. Der Hornusser-Express fährt ohne Halt bis in die Nationalliga A. Wie ein Intercity-Zug rasen die Oberaargauer durch die Liga und steigen mit fünf Punkten Vorsprung auf den grossen Favoriten Oberönz-Niederönz erstmals seit der Einführung der Schweizer Meisterschaft 1993 in die Königsklasse auf. Eine Riesensache für das kleine Bauerndorf.

Die Gondiswiler können ihr Glück kaum fassen, lassen den Champagner spritzen und feiern den Aufstieg gleich doppelt. Schon nach der zweitletzten Runde und dem Heimsieg gegen Hasle stand die Promotion fest. «Da haben wir im kleinen Kreis schon mal gefeiert», sagt Michael Held, seit 2008 Präsident der HG Gondiswil. Und am letzten Wochenende zeigten die Berner zum Saisonabschluss nochmals eine einwandfreie Leistung, besiegten Balzenwil und liessen die eigentliche Aufstiegsparty folgen. Der gesamte Gemeinderat, andere Vereine, ja das ganze Dorf freute sich mit den Hornussern. Bis in die frühen Morgenstunden wurde der grösste Erfolg der 91-jährigen Vereinsgeschichte begossen.

Fast blitzsaubere Leistung

Gondiswils erstmaliger Aufstieg ins Oberhaus ist eine grosse Überraschung und vor allem eine heftige Ohrfeige für das zweitplatzierte Oberönz-Niederönz. Denn dieses hat zwar am Ende fünf Punkte weniger auf dem Konto, aber durfte sich fast 2000 Schlagpunkte (!) mehr notieren lassen. Erst das fünftplatzierte Winistorf hat weniger weit geschlagen als der Aufsteiger. Dass ein so durchschnittlich schlagendes Team aufsteigt, ist eine absolute Seltenheit. Die Oberaargauer haben sich mit einer fast blitzsauberen Leistung im Ries durchgesetzt. Nur drei Nummern haben sie in den 15 Spielen kassiert – mit Abstand der beste Wert.

«Wir haben nie mit dem Aufstieg gerechnet. Ein Platz in den Top 5 war unser Ziel. Für uns ist es wie ein Traum», sagt Martin Held und lacht fast etwas verlegen. Er sieht das Direktduell mit Oberönz-Niederönz, das die Gondiswiler zu null gewonnen haben, als Initialzündung zum Durchmarsch. «Danach haben wir die Führung übernommen und diese nicht mehr abgegeben.» Und Gondiswil hat in diesem Duell auch weiter geschlagen – zur Überraschung aller. Held und seine Kollegen freuen sich über die Heldentaten der Saison und vor allem auf die erste NLA-Spielzeit in der Vereinsgeschichte. «Das wird für uns alle ein grosses Abenteuer.» Aber Held weiss auch, «dass wir von der Schlagleistung her nicht in die NLA gehören». So wollen es die Gondiswiler in der nächsten Saison wieder im Ries richten. Und mit Anton Erni (Jahrgang 1952) dürfte dann ein 60-Jähriger zu seinem Debüt in der NLA kommen. Eine spezielle Geschichte am Rande, nach einer speziellen Saison. Das kleine Gondiswil hat einen NLA-Klub. Nur der Bahnhof ist immer noch lahmgelegt.

Aktuelle Nachrichten