In den Playoffs, so besagt es eine der unzähligen Phrasen, die man immer wieder zu hören bekommt, braucht man ein kurzes Gedächtnis. Sprich: Alles, was war, zählt nicht mehr. Vor allem negative Erlebnisse sollte man in dieser entscheidenden Meisterschaftsphase so schnell wie möglich vergessen.

Den Spielern des EHC Olten hat diese Denkweise bei ihrem unwahrscheinlichen Steigerungslauf bis in die Finalserie mit Sicherheit geholfen. Sie schafften es, die weniger erfreulichen Erinnerungen an die Qualifikation von der Festplatte zu löschen. 

Jetzt steht man in der Endspielserie gegen die Rapperswil-Jona Lakers und greift sogar nach dem Titelgewinn. Noch vor etwas mehr als einem Monat wäre das ein ziemlich abwegiger Gedanke gewesen. Aber jetzt, wenn man auf die letzten Wochen und den bisherigen Verlauf der Playoffs zurückblickt, macht das alles plötzlich natürlich irgendwie Sinn.

Die Oltner haben sich im richtigen Moment gesteigert, haben sich als Mannschaft gefunden. Sie legten auf dem Weg in dieses finale Duell gegen die Lakers jene Qualitäten an den Tag, die es braucht, um in den Playoffs erfolgreich zu sein: Leidenschaft, Aufopferung, bedingungsloser Einsatz und eine unglaubliche, mentale Stabilität.

Matthias Mischlers Riesenparade im Video (Quelle: mysports.ch)

Der Traum vom Titelgewinn ist legitim

Logisch, ist vor allem nach dem Triumph gegen den Titelverteidiger und ewigen Rivalen aus Langenthal die Euphorie beim EHC Olten gross. Der Traum vom Titelgewinn ist legitim. Diese Mannschaft hat absolut intakte Chancen, den Swiss-League-Qualifikationssieger und sensationellen Cup-Gewinner aus Rapperswil, der auf dem Weg zum Titel drei A-Ligisten (Zug, Lugano und im Final Davos) zum Teil deutlich in die Schranken wies, zu bodigen.

Aber das Gefühl der Euphorie kann eben auch trügerisch sein. Der Grat zur Selbstüberschätzung und zum Übermut ist ein schmaler. Es braucht nur ein minimales Nachlassen und das so schön aufgebaute, prächtige Kartenhaus stürzt wieder in sich zusammen. So wie man das während der Qualifikation unzählige Male erlebt hat.

Rapperswil-Jona schlägt im Cupfinal den HC Davos

Rapperswil-Jona schlägt im Cupfinal den HC Davos

Deshalb, um wieder auf den Anfang dieses Artikels zurückzukommen, sollen die Oltner durchaus im Hier und Jetzt leben. Aber: Demut ist angesagt. Sie dürfen auf keinen Fall vergessen, aus welchem Schlamassel sie in diese Playoffs gekommen sind. Die Erinnerungen an jene dunklen Abende im Januar, als man bisweilen den Eindruck erhalten konnte, die Mannschaft habe das Eishockeyspielen verlernt, sollten für jeden Spieler wie ein Warnzeichen im Hinterkopf blinken.

Es gibt keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen und von den Prinzipien, die diese Mannschaft während der Playoffs so stark gemacht haben, nur einen Millimeter abzurücken. Wenn das passieren sollte, dann wird die Serie gegen die Lakers kürzer als erhofft werden. Und die Enttäuschung umso grösser sein. 

Es gibt aber sehr viele, gute Gründe, daran zu glauben, dass der EHC Olten nicht mehr in dieses Fahrwasser geraten wird. Die Lust auf den Erfolg ist im Kleinholz richtiggehend greifbar. Die Spieler haben gemerkt, wie fantastisch die Stimmung in dieser eishockeyverrückten Stadt sein kann, wenn die Zuschauer sehen, dass da unten auf dem Eis 22 Mann alles in die Waagschale werfen.

Grenzenloser Jubel beim EHC Olten nach dem Finaleinzug. Urs Lindt/freshfocus

Grenzenloser Jubel beim EHC Olten nach dem Finaleinzug. Urs Lindt/freshfocus

Heute werden sieben proppenvolle Fancars und ein Sonderzug nach Rapperswil fahren und dafür sorgen, dass die Oltner Cracks in der Fremde einen riesigen Support von der Tribüne erleben. Das alleine muss Motivation genug sein, immer wieder an die Grenzen und darüber hinaus zu gehen. 

Bei allem Optimismus darf man indes den Blick für die Realität nicht ganz verlieren. Diese Rapperswiler sind ein ganz harter Brocken. Und sie sind nach zwei Finalniederlagen heiss darauf, endlich wieder einen Anlauf in Richtung Aufstieg nehmen zu können. Die Favoritenrolle ist eindeutig verteilt. Nun liegt es einmal mehr an den Oltnern, die Pessimisten eines Besseren zu belehren.

Kann sich der EHC Olten im Playoff-Final behaupten?

Kann sich der EHC Olten im Playoff-Final behaupten?