Das Flair zum Unterhalter besitzt Max Rüetschli. Der 56-Jährige hat eine lockere, umgängliche Art. Der wahre Entertainer in der Familie Rüetschli steckt aber nicht in Vater Max, sondern in Sohn Alain.

Er hat in Hamburg die Schauspielschule absolviert und mittlerweile den Durchbruch als Comedian geschafft. Alain Frei, so sein Künstlername (Rüetschli geht in Deutschland schlecht über die Lippen), steht beim Privatsender RTL in Köln unter Vertrag und trainiert einem Millionenpublikum («Nightwash») die Lachmuskeln.

Apropos Training: Max Rüetschli hat bei den Besuchen ins nördliche Nachbarland, nebst seiner Frau Stephanie, mit der er seit über 30 Jahren verheiratet ist, seine zweite Liebe entdeckt – den FC St. Pauli.

Der Hamburger Verein bürgt für schnörkellose, harte Arbeit. «Die Spieler zerreissen sich auf dem Feld für den Klub.» Genau diese Bereitschaft verlangt Rüetschli auch von den vielen neuen Spielern, die auf diese Saison hin nach Grenchen wechselten.

Auf den ersten Blick eine utopische Forderung. Beim Traditionsverein blieb in den letzten Monaten kein Stein auf dem anderen. Die neue Vereinsleitung um Präsident Rolf Bieri wechselte praktisch die gesamte Mannschaft aus. Nach dem Rückzug der alten Führungscrew steht der FCG in jeder Beziehung vor einem Neuanfang.

Rückkehr an alte Wirkungsstätte

Rüetschli achtete bei der Zusammenstellung des Kaders peinlichst auf die Charaktere der Spieler. «Jeder muss wissen, weshalb er das Grenchen-Trikot trägt.» Die Botschaft des Trainers ist scheinbar angekommen.

Rüetschli ist nach der kurzen Kennenlernphase von seinem Personal begeistert. «Ich habe noch selten eine derart gute Stimmung wie hier erlebt», schwärmt der Inhaber einer Plattenlegerfirma in Flumenthal. Ob sich der positive Eindruck aus den Trainings auch im Ernstkampf bestätigt, wird sich heute Abend beim Saisonauftakt zeigen.

Die Grenchner gastieren beim FC Schötz. «Ein starker Gegner, aber ich schätze die Chancen auf einen erfolgreichen Start auf 50:50.» Unter erfolgreich meint Rüetschli nicht allein das Resultat. «Mit beherzten Leistungen wollen wir verloren gegangenen Kredit wieder zurückzugewinnen.»

Für Max Rüetschli ist das Engagement in der Uhrenstadt, wie er sagt, eine Herzensangelegenheit und die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte.

In der Saison 1976 spielte der Solothurner in der Nationalliga B für die Grenchener. Sein damaliger Trainer hiess Hans Kodric. Jener Hans Kodric, der den Erstligsten in der vergangenen Rückrunde betreute und dem im Unterschied zu Max Rüetschli das Lachen nach einer Niederlageserie gründlich vergangen war.