Nachdem die Grenchner Vereinsleitung Patrick Bösch am Donnerstagabend als neuen Trainer der 1. Mannschaft präsentiert hatte, verschwand dieser lange, sehr lange in der Kabine, wo es mucksmäuschenstill war, als er sich seinen Spielern vorstellte.

Und trotzdem musste er draussen auf dem Rasen zunächst einmal zählen, wie viele denn überhaupt da waren. Deren 19 waren es, auf den ersten Blick nicht schlecht. Darunter waren zwei A-Junioren sowie sechs Neulinge, die sich für ein Probetraining gemeldet hatten. Von den Spielern die mit dem FCG die Saison begonnen hatten, war aber kaum mehr einer da.

So wird klar, dass Grenchen für das Derby gegen Wangen bei Olten (Anstoss 17 Uhr) auch noch die allerletzten Ressourcen zusammenkratzen muss, um überhaupt eine Mannschaft auf den Rasen des altehrwürdigen Brühls zu bekommen. Mitten in der Saison den arrivierten Spielern die versprochenen Spesen zu streichen und nur noch pro Punkt eine Prämie von 100 Franken zu zahlen, hat sich als Schuss in den eigenen Fuss erwiesen. Praktisch alle Leistungsträger haben sich sofort verabschiedet.

Dass man in dieser Situation überhaupt einen neuen Trainer präsentieren kann, grenzt an ein Wunder. "Der Anruf von Lilo Dellsperger kam für mich sehr überraschend", blickt Patrick Bösch auf die vergangenen Tage zurück, "sie stellte sich als Geschäftsführerin des FC Grenchen vor, sie suche einen Trainer und sie habe einen Tipp von den Basler Black Stars bekommen, dass ich vielleicht für die Aufgabe zu haben sein könnte." Nach einem kurzen Treffen habe er sich entschieden, die Herausforderung anzunehmen.

Der Zürcher, der seit langem in Olten wohnt, in der einstigen Juniorenförderung Rivo engagiert war und unter René Erlachner einmal als Assistent in der 1. Liga bei Wangen bei Olten wirkte, war in den letzten Jahren immer in Basel tätig. "Ich hatte gar nichts von den Turbulenzen in Grenchen mitbekommen", erklärt Bösch.

Angst, dass er einen hoffnungslosen Job angenommen hat, habe er nicht. "Ich habe nichts zu verlieren, ich kann nur gewinnen, wenn wir hier etwas reissen können. Kurzfristig wird es schwierig, aber in der Winterpause ist einiges möglich. Ich kenne viele Spieler, die bereits bei mir ihr Interesse bekundet haben und beim FCG gerne zeigen möchten, was sie können. Es geht ja im Fussball nicht immer nur ums Geld."