Fussball

Neue Regel in der 2. Liga: «Schaden tun vier Wechselmöglichkeiten sicher nicht»

Mehr Wechseloptionen bedeuten auch mehr Arbeit für die Schiedsrichter.

Mehr Wechseloptionen bedeuten auch mehr Arbeit für die Schiedsrichter.

In der Solothurner 2. Liga stehen neu vier statt drei Wechselmöglichkeiten offen. Das Ziel dabei ist, dass möglichst viele Spieler zum Einsatz kommen sollen.

Regelanpassungen oder gar Neuerungen wie der Videobeweis haben es im Fussball traditionell schwer. Dass bei der Weltmeisterschaft in Russland eine vierte Wechselmöglichkeit eingeführt wurde, ist fast schon revolutionär. Die zusätzliche Wechsel-Karte durfte indes nur in der Verlängerung gezogen werden.

In der Schweiz ist man schon einen Schritt weiter. Nur in der höchsten Spielklasse bleibt alles beim Alten, in der Challenge League, der Promotion League, der 1. Liga und in der 2. Liga inter wurde das Kontingent auf vier Aus- und Einwechslungen aufgestockt.

«Die neue Regel ist okay. Die Auswirkungen werden sich wohl im Rahmen halten», meint Subingens Trainer Dominik Ellenberger. Er nutzte im ersten Saisonspiel der 2. Liga inter die zusätzliche Wechseloption.

«Mit einer vierten Wechselmöglichkeit hat man etwas mehr Spielraum», sagt er, «ich kann zum Beispiel auch mal das Risiko eingehen, einen angeschlagenen Spieler von Anfang an zu bringen. Ich habe ja immer noch drei weitere Optionen.»

Ellenberger ist froh, dass sich die Amateur-Kommission für vier und nicht sogar fünf Wechsel entschieden hat. Denn auch diese Variante wurde diskutiert. «Das hätte ich überhaupt nicht begrüsst. Fünf Wechsel wären auf diesem Niveau einfach zu viele gewesen.»

Fünf wären zu viel des Guten

Den Vorschlag mit fünf Auswechslungen hat die Amateur-Liga auch den Regionalverbänden gemacht. Am Ende durften diese selber entscheiden. Im Aargau sind diese Saison weiterhin nur drei Wechsel gestattet, deren fünf sind es in den Regionalverbänden Zürich, Fribourg oder auch Neuenburg.

Der Solothurner Fussballverband zählt mit seinen neu vier Wechselmöglichkeiten zur grossen Mehrheit. Dies wird auch in den Verbänden Bern/Jura, Innerschweiz, Ostschweiz und Nordwestschweiz so praktiziert.

Heinz Hohl, der Präsident des Solothurner Fussballverbands, spricht von einem «gut schweizerischen Kompromiss». Er lässt durchblicken, dass die Variante mit fünf Wechseln auf Skepsis stiess. Mit einer zusätzlichen Wechseloption wurde stattdessen ein Konsens erziel, mit dem sich Verband und Vereine arrangieren können.

«Von den Spielern in der höchsten regionalen Spielklasse darf man erwarten, dass sie neunzig Minuten durchspielen können», nennt Hohl ein Argument gegen die Neuerung. Er sieht die Gefahr, dass die zusätzliche Wechselmöglichkeit für taktische Zwecke missbraucht wird und es zur Verzögerung des Spielflusses kommt.

«Auf der anderen Seite will die Fifa dafür sorgen, dass möglichst viele Spieler zum Einsatz kommen, was grundsätzlich zu unterstützen ist.» Das Hauptproblem liegt in seinen Augen aktuell darin, dass jeder Verband seine eigenen Regeln macht.

«Dadurch können vermeidbare Fehler passieren. Zum Beispiel bei den Schiedsrichtern, die in mehreren Regionalverbänden Spiele leiten. Es braucht synchrone Reglemente. Sonst kann es Spannungen geben, weil die Leute die Regionalverbands-Regeln nicht mehr kennen», sagt Heinz Hohl. Es sei an der Amateur-Liga, für die kommende Saison eine einheitliche Lösung zu finden.

«Sehe nur Vorteile»

Reaktionen, ob positiv oder negativ, hat er nach den ersten beiden Spieltagen in der 2. Liga noch keine erhalten. Thomas Reinhart, Trainer beim aktuellen Tabellenführer Biberist, ist der Regeländerung positiv gestimmt. Wie seine Trainerkollegen, was die Umfrage ergab: «Die neue Regel gibt sowohl in taktischer Hinsicht als auch bei Verletzungen mehr Optionen.»

Weiter hebt er den sozialen Aspekt hervor: «Es kommt ein Spieler mehr zum Zug. Ich sehe nur Vorteile.» Auch Härkingens Trainer Bruno Büttiker begrüsst die zusätzliche Option: «Ich finde es sehr gut. Es bringt den Trainern mehr Möglichkeiten, ins Spiel einzugreifen.»

FC-Lommiswil-Trainer Fabian Käch schöpfte im ersten Meisterschaftsspiel gegen Croatia das gesamte Kontingent aus. «Wir führten mit 4:0. So konnte ich einem Spieler mit Jahrgang 2003 ein paar Minuten Einsatzzeit geben», erklärt Käch.

Bei der 1:2-Niederlage in Grenchen im zweiten Spiel fehlten ihm dann die nötigen Optionen und er musste es bei drei Wechseln belassen. Eine abschliessende Meinung zur Regeländerung habe er sich noch immer nicht gebildet: «Ich weiss nicht so recht. Schaden tuts sicher nicht, aber den ganz grossen Vorteil habe ich bis jetzt auch noch nicht entdeckt. Die Änderung wird den Fussball nicht in seinen Grundsätzen erschüttern, es ist einfach eine zusätzliche Möglichkeit.»

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Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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