Keine Frage – der SC Langenthal wird auch in der heute beginnenden NLB-Meisterschaft eine tragende Rolle spielen. Die Abgänge von Leuten wie Cadonau, Bodenmann, Wolf, Müller oder Holenstein konnten mit den Verteidigern Joël Fröhlicher, Hans Pienitz und Marc Welti sowie den Angreifern Pascal Gemperli und Vincenzo Küng nominell kompensiert werden. «Ich stufe die Mannschaft nicht schlechter ein, als im Vorjahr», sagt Sportchef Reto Kläy. Das Ziel bleibt darum wie eh und je das Playoff-Halbfinale – mit Option auf mehr.

Offensiver ausgerichtet

Im Verlauf der Vorbereitung weilte die Equipe unter anderem während eines viertägigen Trainingslagers in Kitzbühel. Nebst Eistrainings standen im Tirol auch teambildende Aktivitäten auf dem Programm. Schliesslich wird die Truppe seit heuer vom bisherigen Assistenzcoach Oliver Horak geführt. Und der neue Chef hat seine Handschrift durchaus schon hinterlassen. «Wie jeder Maler oder jeder Schriftsteller, hat auch jeder Trainer seine Handschrift», räumt Kläy ein. Insofern dürfe man schon sagen, dass die Mannschaft etwas offensiver ausgerichtet sei, als zuletzt unter dem jetzigen Lausanne-Coach Heinz Ehlers. Was keineswegs bedeutet, dass man hinten nun nach dem Prinzip Hoffnung operiert und Tür und Tor «sperrangelweit» öffnet. «Nein, auf keinen Fall», sagt Kläy. «Wir werden weiterhin grossen Wert auf eine solide Defensive.» Die ganz grosse Stärke der Berner während den letzten Jahren.

Mehr Unberechenbarkeit

Es werde einfach gegen vorne gewisse Änderungen geben, hält Kläy fest. Eine davon ist die, dass die Paradelinie mit Campbell, Kelly und Tschannen, die zuletzt für den Löwenanteil der SCL-Tore verantwortlich zeichnete, auseinanderdividiert wurde. Das Ziel ist klar – der SCL soll im Angriff weniger be- und ausrechenbar werden. In der Hoffnung, dass mit einem Campbell oder Kelly oder Tschannen an der Seite auch andere ihre goalgetterische Effizienz optimieren.

Glücksfall SCL Tigers

Als Glücksfall bezeichnet Reto Kläy – wie alle seine NLB-Kollegen – die Präsenz der SCL Tigers in der Liga. Die Emmentaler, die letzte Saison aus der NLA abgestiegen sind. «Das wird für uns ein zweites Derby und ganz sicher eine lustige Sache.» Als die beiden SCL’s letztmals in der gleichen Liga und Gruppe aufeinandertrafen, war das Handy noch kaum erfunden oder kostete ein Vermögen. Anfang der 90er-Jahre war es, als die Tiger einst gar durch die Mühle der
1. Liga gehen mussten. Die wohl denkwürdigste 1.-Liga-Saison aller Zeiten. Das SCL-Derby war damals sowohl im Schoren wie in der Ilfishalle ausverkauft. Und das dürfte auch heuer nicht anders werden.

Stefan Schnyder im Fokus

Vor dem neuen, reinen Berner Derby steht heute das traditionelle NLB-Mittelland-Derby gegen Olten an. Angesichts der Ereignisse der letzten Saison steht das Spiel immer noch unter einer besonderen Affiche (s. Box). Kläy: «Ich denke, dass die Sache für die Fans noch besonderer ist, als für die Spieler. Irgendwann muss man das Ganze aber auch ruhen lassen, selbst wenn mir bewusst ist, dass so ein Ereignis nie völlig aus den Köpfen jener gehen wird, die damals in Olten dabei waren.»

Damals, als der Oltner Ronnie Keller nach einem Check von SCL-Stürmer Stefan Schnyder (s. Box) in die Bande prallte und seither im Rollstuhl sitzt. Der Fall «Keller» liegt inzwischen beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS). Die nachdem das Verbandssportgericht Schnyder von jeglicher Schuld freigesprochen hatte. Darum: Es lebe der Sport.