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Nathalie Schneitters «mega schöne Karriere» ist beendet

Letztmals kam der Fanclub von Nathalie Schneitter mit seinem zurückgetretenen Idol zusammen.

Manfred Dysli
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Vater Edi und Tochter Natalie Schneitter freuen sich zusammen mit Bruno Huber über den Aufmarsch der Fans.

Vater Edi und Tochter Natalie Schneitter freuen sich zusammen mit Bruno Huber über den Aufmarsch der Fans.

Wolfgang Wagmann

Bekanntlich hat die jetzt in Solothurn wohnhafte Lommiswiler Mountainbike-Weltklassefahrerin Nathalie Schneitter mit 30 Jahren auf Ende dieser Saison ihren Rücktritt vom Spitzensport, das heisst aus der Nationalmannschaft und dem Weltcup, bekannt gegeben. Zum letzten Fanclub-Abend der Juniorinnen-Weltmeisterin 2004, U23-Europameisterin 2008 und Olympia-Fünfzehnten in Peking konnten ihr Vater Edi und der Präsident des Fanclubs, Bruno Huber aus Grenchen, noch einmal weit über 100 Mitglieder und Sponsoren in Solothurn begrüssen.

So auch den 40-fachen Teilnehmer des Engadin Skimarathons, den Unternehmer Markus Graf, der zuletzt im Rückblick auf Schneitters Karriere betonte, wie wichtig im Spitzensport der Rückhalt in der Familie sei. Graf, der am Anfang der Karriere der Solothurner Weltklasseathletin vor allem ihren Vater Edi in Sachen Sponsoring beraten hatte, bezeichnete Nathalie Schneitter als selbstbewusste Frau, die ihren Weg beruflich machen wird.

Nathalie Schneitter im Jahr 2007 im Lommiswiler Wald!
17 Bilder
Hier bei einer Autogrammstunde im Rahmen des Generali-Cups 2007 für das SOS-Kinderdorf
Sie hatte in den letzten Jahren viele Gründe zum Feiern
Dafür musste sie hart trainieren
Eliminator-Rennen an den Bike Days 2014: Schneitter wurde Zweite.
Weniger gut liefs 2012 beim Rennen in La Bresse, wo sie mit einem Top-8-Rang eine letzte Chance gehabt hätte, sich für London zu qualifizieren. Bereits in der 2. Runde fabrizierte sie einen spektakulären Sturz und brach sich den Arm. Der Traum von Olympia war aus.
Die Sportlerin hat einige Schlammschlachten miterlebt.
Schlamm an den Radquer-Schweizer-Meisterschaften im Januar 2016. Schneitter wurde Fünfte.
2013 mischte Nathalie Schneitter beim Öufi-Cup an den Bike Days mit.
Als Mountainbikerin durfte sie keine Angst vor steilen Abfahrten haben
Nathalie Schneitter überbrückte die Winter auch mit dem Quervelo
Im Frühling hiess es dann wieder: mit dem Bike ab durch den Wald
Auf ihren Fanclub konnte die Lommiswilerin immer zählen
So sieht ihr fahrbarer Untersatz im Alltag aus
Mountainbikerin Nathalie Schneitter tritt vom Profisport zurück
Sie konnte sich nicht mehr motivieren weiterzumachen.
2016 ist nun Schluss. Nathalie Schneitter gibt den Rücktritt vom Profisport bekannt.

Nathalie Schneitter im Jahr 2007 im Lommiswiler Wald!

Oliver Menge

Unter den Gästen war auch der Physiotherapeut der Mountainbike-Nati, der Kriegstetter Bertrik Kuik, der diese Aufgabe schon seit 20 Jahren versieht und Nathalie schon seit ihrer Aufnahme ins Nationalkader kurz nach der Jahrhundertwende kennt. Dabei war aber auch der Derendinger Reto Burki, bei dem Nathalie Schneitter als Schülerin in seinem Geschäft Tropical Inlineschuhe kaufen wollte. Burki sagte damals, dass er kein solches Sportgerät anbieten könne, aber dafür ein Mountainbike. So begann die Karriere der späteren Spitzensportlerin aus dem Leberberg eigentlich eher durch einen Zufall.

Viele Erfolge und fataler Sturz

Aber auch der Erfolgstrainer von Olympiasieger Nino Schurter, der Bieler Nicolas Siegenthaler, war zusammen mit seiner Tochter Emily da. Diese war in der Juniorinnen-Zeit eine der grössten Gegnerinnen von Nathalie Schneitter, konzentrierte sich aber dann auf die Disziplin Downhill. Bei ihrem Karriere-Rückblick untermauerte Nathalie Schneitter ihren interessanten Vortrag mit vielen Bildern und einem Film. So erzählte sie auch von einem Olympia-Vorbereitungsrennen 2008 in der Bretagne an einem Samstag, wo sie in Paris den Fluganschluss verpasst hatte und am Schluss am Sonntag dennoch mit einem Helikopterflug von Basel-Mühlhausen nach Seon AG wenige Minuten vor dem Start eintraf und in der Folge Schweizer Meisterin im MTB Cross Country U23 wurde.

2010 feierte die ausdauernde Solothurnerin in Champéry VS ihren einzigen Weltcupsieg in der Elite. Nathalie Schneitter erwähnte auch ihre erfolgreichste Saison 2011 bei den Elite-Frauen, als sie im freiburgischen Plaffeien bei Regenwetter Schweizer Meisterin geworden war.

Einen der wichtigsten Erfolge vergass aber Nathalie Schneitter. Am 31. August 2011 holte Nathalie Schneitter zusammen mit Nino Schurter, Lars Forster und dem damaligen U23-Weltmeister Thomas Litscher im Team Relay hinter Frankreich, aber vor Italien mit ihrer damaligen Teamkollegin Eva Lechner WM-Silber. Einer der ersten Gratulanten von Nathalie Schneitter in der Walliser Ski Station Champéry war damals Armeechef André Blattmann und im Schweizer Fernsehen war sie ebenfalls live zu sehen und hören. Ein Jahr später folgte beim letzten Olympia-Selektionsrennen für London beim Weltcup in La Bresse in den französischen Vogesen ein spektakulärer Sturz.

Dabei zog sie sich einen Bruch am rechten Oberarm zu. Dies war ein schwerer Rückschlag in ihrer sonst so erfolgreichen Karriere. «2015 wechselte ich dann vom italienischen Colnago Team, dem ich sieben Jahre angehört hatte, zum deutschen Rose Team. Ein Erfolg war im letzten Jahr dann vor allem meine Silbermedaille an der Heim-Schweizer-Meisterschaft in Langendorf. Bis kurz vor dem Ziel kämpfte ich gegen Kathrin Stirnemann noch um den Titel. Sehr viele Fans und auch die Gemeinde Lommiswil hatten mich unterstützt.»

Dritte war damals übrigens niemand anders als Jolanda Neff. «In diesem Jahr war mein 10. Platz bei meiner ersten Teilnahme an der Marathon-WM in Frankreich eines meiner besten Resultate. Jetzt habe ich Lust auf Abenteuer und Spontaneität. So fahre ich am 26. Dezember wieder beim Quer in Dagmersellen mit und vielleicht auch im Dezember beim Quer in Sion.» Nathalie Schneitter, die seit Oktober bei der Event-Organisation der Solothurner Bike Days mitarbeitet, sprach zum Schluss ihrer «mega schönen Karriere», wie sie betonte, einen grossen Dank an alle Sponsoren und Fans aus, die ihr so die Ausübung ihres Sports ermöglicht hatten.

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