Mountainbike
Nathalie Schneitter kämpft um Podestplatz an der SM in Langendorf

Am Wochenende will die Mountainbikerin an der Schweizermeisterschaft um einen der vordersten Plätze mitmischen. Da sich der Start quasi vor ihrer Haustür befindet, will die Lommiswilerin den Heimvorteil nutzen und Edelmetall einfahren.

Michael Schenk
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Nathalie Schneitter hofft auf eine Medaille am Heimrennen.

Nathalie Schneitter hofft auf eine Medaille am Heimrennen.

Hans Peter Schläfli

Sollte sie eine halbe Stunde vor dem Start per excusé noch ein menschliches Bedürfnis verspüren, könnte sie dieses «Business» problemlos zu Hause in der elterlichen Immobilie erledigen. «Sieben Minuten sind es mit dem Velo von der Startlinie bis zur Haustür», sagt Nathalie Schneitter. Oder um es etwas pathetischer zu formulieren: 420 Sekunden von der Heimat bis zum Ort der Hoffnung. In diesem Fall der Hoffnung auf Edelmetall.

Zur Goldmedaille wird es der Lommiswilerin am Sonntag an der Mountainbike-Schweizermeisteschaft in Langendorf wohl kaum reichen. An jeder anderen Landesmeisterschaft auf diesem Planeten wär der Titel für sie realistischer. Nicht aber hierzulande. An Jolanda Neff, der Nummer 1 der Welt, führt derzeit kein Weg vorbei. «Das ist wohl so», sagt Schneitter.

Hinter der designierten Meisterin indes, die zuerst aber auch noch ins Ziel pedalen muss, liegt für Schneitter alles drin. «Wir sind eine Handvoll Konkurrentinnen, die die weiteren Podestplätze wohl unter uns ausmachen werden», prognostiziert die 29-Jährige. Den Heimvorteil möchte sie in dieser Hinsicht natürlich nutzen. «Ich denke, das Rennen wird extrem spannend.»

Balance gefunden

Die Einheimische freut sich sehr, sich ihren Fans, Freunden, Bekannten und Verwandten zu Beginn ihrer, wie sie es nennt, «zweiten Karriere» in der Heimat zu präsentieren. Die Erwartungen ihrer Anhänger sind für die ehemalige U23-Vizeweltmeisterin eine echte Motivation und kein zusätzlicher Druck. «Ich fühle mich sehr gut, fit und angriffig», hält Schneitter fest.

Seit sie auf diese Saison hin vom italienischen Team Colnago zur deutschen Rose-Vaujany-Equipe wechselte, ihr der Brite Phil Dixon die Trainingspläne schreibt und sie seither auch unfallfrei blieb, kommt die Solothurnerin zusehends wieder in die «fetten» Gänge. Zuletzt klassierte sie sich beim Weltcuprennen auf der Lenzerherheide auf dem 15. Rang. So gut wie seit ihrem verhängnisvollen Sturz 2012 in La Bresse nie mehr.

Jenem Sturz, der sie seinerzeit die Olympia-Qualifikation für London gekostet, ihr den Arm gebrochen und ihr in gewisser Weise auch die Moral nachhaltig geknickt hatte. Am Willen, den Anschluss an die Weltspitze sofort wieder herzustellen, fehlte es wohlverstanden nie – am idealen mentalen und physischen Zustand indes schon.

Jetzt sieht es punkto Balance zwischen Biss, Fleiss und Ehrgeiz auf der einen und der Leichtigkeit des Seins auf der anderen Seite vielversprechend aus. «Ich freue mich über jeden Fortschritt, den ich mache – auch wenn er noch so klein ist.»

Medaille als Brandbeschleuniger

In dem Sinn ging es zuletzt ständig «obsi». Man darf daher gespannt sein, was Nathalie Schneitter heuer noch alles vom Zaun reisst. Sei es an der EM Ende Monat in Italien, an den drei verbleibenden Weltcuprennen in Übersee und in Val di Sole oder an der WM in Andorra. «Ich tue mein Bestes», sagt sie.

Eine SM-Medaille in Langendorf – es wäre notabene die erste seit ihrem Titel 2011 – wäre zweifellos ein hochwirksamer Brandbeschleuniger im lodernden Feuer ihrer zweiten Karriere. Schliesslich gehört, wer zur Zeit an einer Cross-Country-Mountainbike-Schweizermeisterschaft aufs Podest fährt, definitiv zur absoluten Weltspitze.

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