Mountainbike
Nathalie Schneitter ist gefallen und wieder aufgestanden

Die Solothurner Weltklasse-Mountainbikerin Nathalie Schneitter blickt nach einer deprimierenden Saison wieder guten Mutes in die Zukunft. Am Fanabend liess sie keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie im Jahr 2013 wieder voll attackieren will.

Michael Schenk
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Weit mehr als hundert Mitglieder zählt der in der Szene weit herum bekannte Fanklub der Solothurner Mountainbikerin Nathalie Schneitter. «Sogar ein amerikanisches Fachmagazin hat schon über uns berichtet», berichtet Präsident Bruno Huber. Wenn die Damen und Herren in ihren roten Fan-T-Shirtes, mit vier Alphornbläsern bewaffnet, jeweils auf den Renngeländen auftauchen und für ihre «Nathi» für Stimmung sorgen, ist ihnen, aber auch der Athletin für die sie fanen, die Aufmerksamkeit gewiss. Jedes Jahr organisiert die engagierte Supporter-Gemeinde einen Fan-Abend, an dem die Protagonisten selbstverständlich dabei ist. Nathalie Schneitter kam und erzählte, kompetent moderiert von Präsident Huber höchstpersönlich, wie sie die deprimierende, letzte Saison verdaut und verarbeitet hat. Es war am 20. Mai dieses Jahres, als sich die 26-jährige am Weltcup in La Bresse nach einem Sturz den Arm brach.

Der riesige Traum von Olympia in London, auf den sie soo... sehr fokussiert war, platzte in Sekundebruchteilen. In der Folge reichte es auch nicht mehr, um sich für die WM zu qualifizieren. Am 27. Juli bestritt Schneitter in Val d’isere zwar noch den letzten Weltcup der Saison. Aber: «Es war grauenhaft», erinnert sie sich. Nicht vom tramplen her, sondern «mutmässig. Ich fühlte mich nicht mehr selbstsicher genug, um in Abfahrten die Bremse offen zu lassen:» Eine gewisse Angst sass der ehrgeizigen Athletin ständig im Nacken. Prompt fiel sie hin. Diesmal freilich ohne gravierende Verletzung - allein der 27. Rang war eben nicht mehr gut genug für die WM-Qualifikation. Schneitter und ihr Team blieben in der Folge noch ein paar Tage in den französischen Alpen und liessen es rauschen. «Immer wieder fuhren wir mit der Gondel den Berg hinauf und ich fuhr mit Bike runter», erzählt sie. Bis die Sicherheit wieder zurück war.

Vertrauen ist zurück

Zuletzt nahm die Lommiswilerin an einem 6-Etappenrennen im malaysischen Langkawi teil und belegte da in einem starken Feld den vierten Rang. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist zurückgekehrt. Im Januar fliegt Nathalie Schneitter für vier Rennen nach Australien; Mitte März folgt das Cape Epic in Südafrika. Der Hunger auf Wettkämpfe ist enorm. «Wo ich genau stehe, werden aber erst die ersten Weltcups zeigen», sagt sie. Der erste von sechs findet Mitte Mai im deutschen Albstadt statt. Vor dem Sturz in La Bresse verbunden mit vielen Tränen und dem harten, sehr harten, zurückkämpfen, war die Schweizermeisterin von 2011 in der Weltrangliste auf dem 7. Rang klassiert. Inzwischen figuriert sie noch knapp unter den Top 50. Nun, die guten Punkte für die Weltrangliste kann man nur an Weltcups und den Titelkämpfen holen. Schneitter: «Ich will zeigen, dass ich da hingehöre, wo ich vor dem Sturz in La Bresse war. Dann kann ich den Turbo zünden», blickt sie in nach vorn. In die Top ten der Welt pedalen also und mit dem Turbo vielleicht sogar aufs eine oder andere Weltcup-Podest. Das ist das Ziel der Profi-Bikerin, die für das italienische Team Colnago fährt. Mit der EM in der Schweiz, genauer in Bern auf dem Gurten und der Sprint-Entscheidung mitten in der Stadt, sowie der WM Anfang September im südafrikansichen Pietermaritzburg stehen 2013 weiter Höhepunkte an, an denen Nathalie Schneitter auftzutrumpfen gedenkt.

Etwas positives fährt mit

Tiefschläge wie sie Nathalie Schneiter letzte Saison mit Anlauf zu spüren bekam, bringen einen weiter - sagt man. «Ich denke schon, dass ich aus den Enttäuschungen und der harten Zeit danach etwas gelernt habe, das mich im weiteren Verlauf meiner Karriere weiterbringt», hält sie fest. Was das freilich genau ist, was einem das Schicksal da auf leidvolle Art beigebracht hat, weiss man im Verlauf einer Sportlerkarriere in der Regel erst, wenn diese zu Ende ist. Und bis dahin dürft dies im Fall von Nathalie Schneitter noch ein langer Ritt sein. In Rio 2016 gibt’s ja auch wieder drei Medaillen abzuholen. Und wie sagt Bruno Huber, Fanklub-Präsident aber auch Mitglied der Kantonalen Sportkommission die jährlich die Sportförder- und -verdienstpreise sowie den Sportpreis des Kantons vergibt: «In diesem Jahr hatten wir viele sehr gute Leistungen- aber die absolute Topleistung auf Weltniveau hat gefehlt.» Was wäre das für eine doppelte Freude für Huber, wenn er 2016 der Olympia-Medaillengewinnerin von Rio 2016 im Cross Country, «seiner» Nathalie Schneitter, den Sportpreis überreichen könnte. Die Alphörner des Fanklubs wären bis nach Tasmanien zu hören.