Eigentlich habe sie nur selten Zeit, um ins Kino zu gehen, erzählt Christine Fluri. Die Kantischülerin der Sportklasse ist Synchronschwimmerin. Nicht irgend eine Seegurke, nein, eine der Besten im Land.

Mit ihren Kolleginnen vom SC Solothurn gewann sie 2014 Silber an den Schweizer Meisterschaften und verzauberte die vielen Fans an der jährlichen Klub-Show. Thema des besagten Spektakels waren die «Oscars» und in Fluris Fall besonders James Bond.

«Ich mag diese Filme zwar nicht, aber es ist halt grosses Kino», sagt die 17-Jährige. Für grosses Kino hatte die Tochter des Stadtpräsidenten, deren Zwillingsschwester sich fürs Turnen entschieden hat, zuletzt auch in wettkampftechnischer Hinsicht gesorgt. «Es war wirklich ein besonderes Jahr», hält die Kaderschwimmerin fest.

Das grosse Staunen

An der Junioren-WM in Helsinki klassierte sie sich mit dem Team auf dem 15. Rang; im Combo auf Platz 10. Völlig unerwartet kam dann das Aufgebot für die Elite-EM in Berlin, weil andere Kräfte ausfielen.

«Das grosse Stadion, der Medienrummel, die vielen Zuschauer – es waren sehr eindrücklich», erinnert sich Fluri. Und sportlich lief es mit Rang 8 im Team und Platz 6 im Combo ebenfalls ausgezeichnet.

Weit weg von der nationalen Crème de la Crème ist die athletische und präzise Schwimmerin mit dem grossen Kämpferherz nicht mehr. «Sie hat das Potenzial, um in der Elite-Nationalmannschaft eine tragende Rolle zu spielen», sagt Trainerin Susanne Lüscher.

Tragend im wahrsten Sinn des Wortes – bei den spektakulären Hebefiguren fliegt in der Regel eine Nixe durch die Lüfte – die anderen sorgen für den Schub oder sind «Flughafen», indem sie für eine sanfte Landung sorgen.

Was im Wasser so verzaubert, kaschiert den enormen Aufwand, der hinter all den Hecht-, Flamingo- und Ballettbeinpositionen, den fliessenden Übergängen oder den Überraschungselementen steckt.

«Manchmal wird es schon happig», gibt Fluri zu. Fünf Wochen war sie heuer mit der Nationalmannschaft unterwegs. Auch, aber nicht nur während der Schulferien. «Diesen Stoff muss ich dann nacharbeiten.»

Bei sechs wöchentlichen Trainingseinheiten von total rund 18 Stunden kein Pappenstiel; selbst wenn die Spitzensportlerin, deren vier Jahre jüngere Schwester Fabienne im B-Team des SCSO schwimmt, die Matur erst 2017, ein Jahr später als die Nicht-Sportklässler, ablegen wird.

Artistik machts spannend

Bis zu dieser Matur will die in ihrer spärlichen Freizeit auch Wassergewöhnungs- und Schwimmkurse für Kids leitende Solothurnerin sicher weitermachen. Es ist der artistische Teil dieser Sportart, der sie fasziniert.

«Man kann seine Gefühle reinbringen, sich im Wasser ausdrücken und vom Publikum tragen lassen», sagt sie. Schwimmen allein wäre ihr in dem Sinn zu monoton. Je besser man ist, desto mühsamer, aufwendiger und herausfordernder wird es freilich, noch besser zu werden. «Ich schaue mal, wie weit es geht», sagt Christine Fluri. Ohne von Olympischen Spielen oder so, die sie noch erreichen will, zu reden.

Wo sie aber ganz sicher hin will, ist an die ersten European Games, die im Juni in Baku stattfinden sollen – eine Art Olympische Spiele für Europäer in Anlehnung an die Asien-Spiele, die Pacific Games oder die Pan-Amerikanischen Spiele, die es alle schon länger gibt.

Der sportliche Kurswert von Christine Fluri spricht durchaus dafür, dass das mit Baku klappen sollte.