Jörg Hafner ist ein strukturierter Mensch. Sei es in seinem Beruf als Zollfahnder. Er war es als Sportler während seiner Aktivzeit, als er sechs Mal zwischen 1999 und 2005 die Waffenlaufmeisterschaft gewann und er ist es als Coach. Beim 49-Jährigen basieren die Fortschritte eines Sportlers nicht auf dem Faktor Zufall, sondern sie entsprechen einer Logik. Neben Talent ist ein ausgewogener Trainingplan die Grundlage, um das Optimum aus einem Athleten herauszuholen, so Hafners Credo. Hat Martina Strähl alles aus sich herausgeholt? «Sie besitzt ausgesprochene Fähigkeiten im Ausdauerbereich. Sie ist willensstark. Aber», fügt er an, «es wäre mehr möglich. Das ist halt Martina. Unkonventionell.» Strähl passt nicht in das gängige Schema.

Unüberbrückbare Differenzen

Mit seinen Vorstellungen drang Jörg Hafner, der Akribische, irgendwann nicht mehr bis zu Strähl vor. «Martina hatte ihre eigenen Ideen.» So entstanden im Laufe der Zeit Abnützungserscheinungen. «Dann ist es besser, wenn man die Konsequenzen zieht.» Deshalb beendeten die beiden vor gut einem Jahr die Zusammenarbeit.

Hafner sagt es ohne Verbitterung. Sieben Jahre begleitete er die Oekingerin auf ihrem Weg an die Spitze. «Wir trennten uns im guten Einvernehmen. Wir telefonieren auch jetzt noch ab und zu.» Seinen Nachfolger kennt er bestens: Es ist Fritz Häni, ebenfalls ein erfolgreicher Waffenläufer.

Behutsamer Aufbau

Auf Martina Strähl aufmerksam wurde Jörg Hafner 2006. An der Berglauf-WM in der Türkei lief die Juniorin in der Elite auf Anhieb auf den zweiten Rang. «Das war der Beweis, dass sie über ein enormes Potenzial verfügt», erinnert sich der gebürtige Luzerner, der heute im Zürcher Unterland lebt. Der internationale Durchbruch hatte für die junge Athletin auch eine Kehrseite. «Es brach über sie herein. Alle wollten etwas von ihr.» Das war der Moment, wo Hafner, der als Betreuer für Swiss Athletics tätig war, auf den Plan trat. «Ich wollte nicht, dass sie verheizt wird, dass sie sich behutsam entwickeln kann. Er war weniger Trainer, eher ihr Manager.

Start über 10 000 Meter vorgezogen

Hafner hätte einen Start für Strähl auf der Bahn über die 10 000 Meter in Zürich favorisiert, wie vor vier Jahren, als sie an der EM in Barcelona den neunten Rang belegte. «Ich glaube, das hätte sie weiter gebracht.» Seis drum: Hafner traut seinem ehemaligen Schützling heute auf dem coupierten Kurs ein gutes Rennen zu. « Ich würde es ihr gönnen. Sie hat am Marathon letztes Jahr in Luzern, als sie die EM-Limite lief, bewiesen, dass sie Ausdauerqualitäten besitzt.» Es war ihr erster Wettkampf über 42,195 km. «Das ist Martina. Immer für eine Überraschung gut.»