Super League
Nach Italien-Jahr mit langem Ausfall: Philippe Koch will nun in St.Gallen durchstarten

Der Solothurner Philippe Koch hat nach einem schwierigen Jahr im italienischen Novara wieder richtig Lust auf Fussball. Beim FC St. Gallen ist er auf der Position hinten rechts gesetzt.

Markus Brütsch
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Seit dieser Saison ist das Stadion Kybunpark die neue Heimat von Philippe Koch.

Seit dieser Saison ist das Stadion Kybunpark die neue Heimat von Philippe Koch.

Markus Brütsch

Philippe Koch ist wieder happy. Nach einem harten Jahr ohne Spielpraxis ist er zurück auf dem Rasen. Wie sehr er das Kicken vermisst hat, wird deutlich, wenn er sagt: «Endlich kann ich mein Hobby ...», um den Satz sogleich lachend abzubrechen. Er weiss ja: Fussball ist für ihn längst viel mehr als ein Hobby. Spätestens mit seinem Debüt in der Super League vor über acht Jahren wurde er zum Beruf.

Mit dem FC Zürich ist Koch Meister und zweimal Cupsieger geworden. Er hat in der Champions League gegen Real Madrid, Milan und Marseille gespielt und ist beim Stadtklub Captain gewesen. Vor gut einem Jahr hat Koch mit dem Abstieg in die Challenge League aber auch einen Tiefpunkt erlebt. Weil der FCZ indes keine Anstalten gemacht hatte, den auslaufenden Vertrag zu verlängern, entschied sich Koch schweren Herzens, nach neun Jahren den Klub zu verlassen.

Philippe Koch während seiner Zeit beim FC Zürich.

Philippe Koch während seiner Zeit beim FC Zürich.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Auch der neue Trainer Uli Forte konnte ihn nicht mehr umstimmen. «Klar war ich traurig, nach so langer Zeit mit diesen schönen Erfolgen zu gehen. Ich hatte aber schon auch gespürt, dass mir eine Veränderung guttun würde», sagt Koch.

Heimdebüt gegen Sion

Jetzt sitzt der Rechtsverteidiger in einem Sessel hoch oben im Kybunpark, dem Stadion des FC St. Gallen. Von hier aus hat man einen guten Blick hinunter auf den Rasenteppich, auf dem er morgen Sonntag sein Heimdebüt geben wird. «Ich freue mich unheimlich darauf. Hier habe ich mit dem FCZ immer gerne gespielt.» Nach dem 3:3 in Lausanne und der abgebrochenen Partie in Lugano wollen die Ostschweizer ihrem Publikum beweisen, dass sie besser sind, als es die letzte Saison vermuten lässt.

«Unsere Stärke ist das Kollektiv», sagt Koch, «wir versuchen, dem FC Sion gleich von Beginn weg den Schneid abzukaufen.» Er ist in seine neunte Spielzeit gestartet und ist beim FC St. Gallen auf der Position hinten rechts gesetzt. «Man hat es mir leicht gemacht, ich bin herzlich aufgenommen worden», sagt Koch.

Vorbei ist die Zeit in Novara. Mit grossen Hoffnungen und viel Abenteuerlust war der vielfache frühere U21-Internationale im vergangenen Sommer nach Italien aufgebrochen. Und musste gleich einmal erfahren, wie hart die berühmt-berüchtigte italienische Saisonvorbereitung ist. «Wir waren in Novara während dreier Wochen im Trainingslager und durften nie nach Hause», erzählt Koch.

Viel Unterstützung benötigt

Vor allem in der ersten Zeit war ihm der frühere FCZ-Teamkollege David Da Costa eine grosse Stütze. Helfen konnte der Torhüter dann aber nicht mehr, als ihm eine Schambeinentzündung einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Nachdem er im ersten Spiel während 90 Minuten auf dem Platz war, fiel er bis in den Winter hinein aus. «Ich brauchte unheimlich viel Geduld und die moralische Unterstützung meiner Freundin», sagt Koch.

Als er dann wieder fit war und sich ins Team zurückkämpfen wollte, musste er erkennen, dass der Zug bereits ohne ihn abgefahren war. «Der Trainer hatte seine Mannschaft gefunden», sagt Koch. Verständlich, dass bei ihm der Wunsch reifte, sich erneut zu verändern.

Als ihm der FC St. Gallen einen Zweijahresvertrag anbot, wusste er: «Das mache ich.» Was aber nicht bedeutet, Koch blicke mit Groll zurück auf sein Italien-Jahr. «Ich kann eine neue Sprache und lernte eine andere Fussballkultur sowie eine andere Lebensart kennen», sagt Koch. «Nein, ich bereue gar nichts und denke, dass ich mental gereift bin.»

«Ich darf wieder spielen»

Weil der Solothurner, der einst als 16-Jähriger von zu Hause aufgebrochen war, um die Welt des Fussballs zu entdecken, mittlerweile schon so lange im Geschäft ist, ist man vielleicht überrascht, dass er erst 26 Jahre auf dem Buckel hat. Der Kreuzbandriss 2012 und die Schambeinentzündung haben ihm drastisch vor Augen geführt, wie wichtig die Gesundheit ist. Sein Bruder Raphael, auch er war beim FCZ, hatte weniger Glück. Nach zwei Hüftoperationen musste er seinen Traum vom Profifussball aufgeben.

Die beiden Brüder Philippe (l.) und Raphael Koch. Raphael musste seine Karriere frühzeitig beenden.

Die beiden Brüder Philippe (l.) und Raphael Koch. Raphael musste seine Karriere frühzeitig beenden.

Hans Peter Schläfli

Er arbeitet nun in der Firma seines Vaters, die Granit verarbeitet, und spielt beim FC Solothurn in der 1. Liga. «Er ist zufrieden mit seinem Leben. Ich bin mega stolz auf Raphael, darauf, wie er sich auf den Fussballplatz zurückgekämpft hat», sagt Philippe Koch.

Auch er, ein Jahr jünger als Raphael, ist glücklich. Er hat in Waldstatt in Appenzell Ausserrhoden mit seiner Freundin eine Wohnung bezogen und ist von dort in zehn Minuten im Stadion. Das neue Kapitel in einer tollen Laufbahn hat sich gut angelassen. «Ich darf wieder spielen. Jetzt will ich durchstarten», sagt Koch und strahlt.