Erfolg für die Vereinigung von Sport in Stadt und Region Solothurn (VSS-SO): Fünf Jahre nachdem der FC Blustavia, der FC Solothurn und der FC Post Solothurn beim Baseltor anlässlich der Euro 08 mit zig Mannstunden geholfen haben, ein erfolgreiches Public Viewing durchzuführen, erhalten die drei Vereine endlich ihren Gewinnanteil. Die Fussballklubs sind alle Mitglieder der VSS-SO.

Geld für den Nachwuchs

Letztere hat sich dieser epischen Sache quasi als Anwalt der Betroffenen angenommen und sich für seine «Schäflein» ins politische Zeug gelegt. Die 20 259 Franken, um die es dabei geht, sind seit der Euro08 auf dem Konto «Jugendsportförderung der Stadt Solothurn» parkiert. Die UBS, seinerzeit Sponsor der Arena, hatte indes festgehalten, dass das Geld in die Nachwuchsförderung der drei Vereine fliessen soll. Warum fragt sich der Laie, hat es fünf Jahre gedauert, ehe die erwähnten Klubs jetzt endlich, gemäss einem untereinander ausgehandelten Verteilschlüssel von je drei Siebteln für den FCS und Blustavia sowie einem Siebtel für den FC Post, zu ihrem Geld kommen? Ein Schlüssel, den man 2008 aufgrund der damaligen Anzahl Junioren pro Verein ausgejasst hat. Und warum hat sich die Stadt Solothurn als Hüter der Summe eingeschaltet, obwohl sie mit der Generierung des Geldes nichts zu tun hat?

«Nie ein Projekt gesehen»

Alexander Rudolf von Rohr, seit 24 Jahren Präsident der Sportkommission der Stadt Solothurn, sagt: «Die Vorgabe der UBS war klar – das Geld soll für Nachwuchs-Projekte eingesetzt werden.» Per Definition von Rudolf von Rohr also für etwas, das im alltäglichen Vereinsleben nicht Usus ist. Wobei: Im betreffenden Schreiben der UBS ist nichts von solchen «Projekten» erwähnt. Dennoch: «Obwohl wir die Vereine darauf hingewiesen haben», erklärt Rudolf von Rohr weiter, «habe ich nie ein konkretes Projekt zu sehen gekriegt.» Dem widersprechen die betroffenen Vereinsvertreter vehement (s. Box). Man hätte durchaus Projekte eingereicht, allerdings seien diese 2010 via VSS-SO zur Sportkommission gelangt. Mit Schreiben vom 17.12.2010 hat sich die VSS-SO folglich an die Sportkommission gewandt und beantragt, ihr die 20 259 Franken auszuzahlen, damit sie das Geld in der Folge innert 10 Tagen an die Vereine weiterleiten kann. «Wir haben kein Echo auf diesen Antrag erhalten», sagt VSS-SO-Präsident Hansruedi Schnyder. Nie. Am 28. Februar 2011 hat die Sportkommission dann freilich plötzlich ihrerseits entschieden – in dem Moment notabene wohl nicht mehr auf «Befehl» der VSS-SO – das Geld an die Vereine auszuzahlen.

Veto des Stadtpräsidenten

Dieser Beschluss scheiterte jedoch am Veto von Stadtpräsident Kurt Fluri höchstpersönlich. Es ist bis heute das einzige Mal, dass Solothurns Stadtpräsident einen Antrag der Sportkommission abgeschmettert hat. Für Schnyder, Präsident der VSS-SO, und andere Involvierte liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine Retourkutsche an die Adresse der VSS-SO handelte. Die Vereinigung für Sport in der Stadt und Region Solothurn war es nämlich, die sich zu der Zeit für die Gebührenbefreiung der städtischen Sportvereine punkto Benutzung von Infrastruktur starkgemacht hat. Damit sorgte sie für beachtliche politische Bewegung. Heute gilt, von dieser Initiative herrührend, ein Kompromiss. Der nämlich, dass die Vereine zwar weiterhin für die Benützung städtischer Anlagen zahlen, dafür aber von der Stadt pro Jugendlichen bis 20 Jahre, der in der Stadt wohnt und bei einem städtischen Verein trainiert, 100 statt wie zuvor 40 Franken erhalten. Zudem zahlt die Stadt seither auf jede J+S-Abrechnung zusätzlich 75 Prozent obendrauf. Massnahmen, die die Stadt Solothurn zirka 150 000 Franken pro Jahr kosten.

Die VSS-SO hat ergo auch in dem Fall aus Sicht der Sportvereine viel Gutes erreicht. Gutes nicht a priori für Stadtpräsidium und Behörden. «Es ist der Ton, der die Musik macht», sagt Alexander Rudolf von Rohr dazu. Die VSS-SO habe sich etwas heftig und undiplomatisch eingemischt. Freilich wohl so, wie es engagierte Interessenvertreter oder Gewerkschafter im Sinn ihrer Klientel in der Regel eben tun.

Einfach so gibts nichts

Nach dem Veto des Stadtpräsidenten hatte die Sportkommission am 22. November 2012 erneut getagt und sich, mit Billigung des anwesenden Kurt Fluri, zu einem Entscheid durchgerungen. Von diesem wurden Blustavia, der FC Post und der FC Solothurn im Februar 2013 in Kenntnis gesetzt und im März nochmals mündlich orientiert. Es bleibt dabei: blanko gibts kein Bares. Der Entscheid sieht vor, dass schriftlich ein Projekt eingereicht werden muss, das von der Sportkommission geprüft und vom Stadtpräsidenten abgesegnet wird.

Diesmal aber im Unterschied zu 2010 – und das ist der Ton, der in dem Fall offenbar die Musik macht – direkt von den Vereinen und nicht via VSS-SO. «Ich denke, dass die Anträge so problemlos genehmigt werden», sagt Rudolf von Rohr. Umso mehr, als der Begriff «Projekt» redimensioniert wurde. Die Vereine können jetzt auch schlicht benötigtes Material als «Projekt» einreichen. Es ist also kein immenser bürokratischer Aufwand mehr nötig. Schliesslich stand die Bürokratie in dem Fall schon fast ein halbes Junioren-Fussballer-Leben lang im Mittelpunkt.