Fussball
Nach dem Hasler-Rauswurf: Nun spricht der ex-Vorstand des FC Solothurn

Der Vorstand des FC Solothurn meldet sich nach einer turbulenten Saison zu Wort: Nach dem Rauswurf von Trainer Roland Hasler sprechen nun die ebenfalls nicht mehr bei FCS im Vorstand tätigen Mitglieder. Sie sagen: Hasler sei sehr ichbezogen.

Michael Schenk
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Der eine Teil der Hauptdarsteller des FC-Solothurn-Spettacolo: Meinrad Schönbächler (links), Stefan Aegerter (Mitte) und Peter Grütter.msk

Der eine Teil der Hauptdarsteller des FC-Solothurn-Spettacolo: Meinrad Schönbächler (links), Stefan Aegerter (Mitte) und Peter Grütter.msk

Mitte Mai hat der Vorstand des FC Solothurn entschieden, die Krise in der Führungsetage mit einem salomonischen Urteil zu beenden. Der umstrittene Coach Roland Hasler geht – auf der anderen Seite gehen indessen auch die Geschäftsleitungsmitglieder, die den Coach aufgrund der durchzogenen Leistungen der 1. Mannschaft im Verlauf der letzten Saisons weghaben wollten. Das heisst nebst der Finanzchefin und dem Marketingchef, die den Bettel vorzeitig und freiwillig hingeschmissen hatten, auch Präsident Stefan Aegerter, Vize Meinrad Schönbächler und Sportchef Peter Grütter. Fünf Vorstandsmitglieder also hat es letztlich ge-, oder je nach Betrachtung, verbraucht, um einen Trainer aus dem Sattel zu hieven. Einen Trainer, der nächste Saison nun beim FC Langenthal (2. Liga inter) tätig sein wird.

Wie blicken Aegerter, Schönbächler und Grütter heute, nachdem sich der Sturm mehr oder weniger gelegt hat, auf die Turbulenzen der letzten Wochen zurück. Das Trio will bewusst als eine Stimme auf die folgenden «Einwürfe» antworten:

Zum Coach Roland Hasler ...

Ein sehr guter Fussballlehrer, dessen Trainings attraktiv gestaltet sind und dessen persönliche Vorbereitung und Match-Vorbereitung vorbildlich sind.

Zum Menschen Roland Hasler ...

Sehr hierarchisch denkend und dominant auftretend. Was er sagt, gilt – ohne Wenn und Aber und gross darüber zu diskutieren. Sehr ichbezogen.

Zum Hauptvorwurf an die Adresse Hasler ...

Fehleinkäufe von Spielern, insbesondere von Ausländern, die nach kurzer Zeit wieder abgeschoben wurden. Damit verbunden, entstanden unnötige Ausgaben für Wohnungen, Spesen und Flüge. Dazu eine unüblich hohe Fluktuation von gegen 190 Spielern in neuneinhalb Jahren, was zu keiner Kontinuität führen kann.

Zum Spektakel der letzten Wochen ...

Letztlich sind wir glücklich, dass der FC Solothurn den Ligaerhalt in der 1. Liga Classic geschafft hat. Der Schaden bei einem Abstieg wäre immens gewesen. Enttäuscht sind wir darüber, dass es einer Vereinsspitze nicht möglich war, den Vertrag mit dem Trainer wegen ausbleibenden Erfolgs, wie bei anderen Vereinen ganz normal, nicht mehr verlängern zu können. Zumindest nicht ohne den Riesen-Wirbel. Wir werden uns die Übernahme von Ehrenämtern in nächster Zeit sehr, sehr gut überlegen.

Zu den starken Leistungen des Teams während des Sturms ...

Roland Hasler ist dann am stärksten, wenn er unter Druck steht – das war schon öfter so. Insofern haben wir vielleicht auch etwas zum Klassenerhalt beigetragen.

Zur Loyalität des Teams vis-à-vis seinem Coach ...

Kitt im Team hat definitiv geherrscht. Jede Vertrauensabstimmung hätte zu 100 Prozent für den Trainer geendet. Roland Hasler ist als Coach eine enorme Respektperson. Es ist nicht einfach, öffentlich gegen ihn zu sein.

Zu den neuen Sponsoren, die gekommen wären, wenn Sie geblieben wären ...

Die werden jetzt nicht kommen. Die rund 100 000 Franken, um die es geht, wären Leute bereit zu investieren gewesen, weil sie an uns und unseren Weg, den Klub in die Zukunft zu führen, glaubten.

Zum privaten Geld, das jeder von Ihnen im Klub hat ...

Wir wollen das Geld so schnell wie möglich, spätestens aber bis Ende September zurück. Das sollte auch klappen.

Zum Guten, das von der FCS-Zeit bleibt ...

Viele Bekanntschaften mit tollen Leuten, viele schöne und besondere Momente mit dem Verein vor allem auch zu besonderen Anlässen wie der Jubiläumsfeier.

Zum weniger Guten, das zurückbleibt ...

Enttäuschung, über das Verhalten und die Umgangsform diverser Leute während der letzten Wochen. Und ein Ende der Zusammenarbeit, wie man es sich sicher nicht wünscht.

Zur Zukunft des FC Solothurn ...

Die Junioren-Abteilung ist absolut vorbildlich und wird auch in Zukunft für viel Schönes und Erfolgreiches sorgen. Die Hoffnung, dass die erste Mannschaft da bleibt, wo sie jetzt ist und vielleicht in nächster Zeit sogar noch eine Liga höher anklopfen kann.

Zum neuen Trainer Patrik Grolimund ...

Er ist zu 180 Grad das Gegenteil von Roland Hasler. Der richtige Mann für einen Neustart. Obwohl noch ein unbeschriebenes Blatt, ist ihm trotz schwierigem Umfeld viel zuzutrauen. Es wird menschlicher in und um die 1. Mannschaft.