Fussball
Muss nun auch Grenchens Vorsitzende ihre Koffer packen?

Erst im Mai wurde beim FC Grenchen der vermeintlich rettende Investorenvertrag unterzeichnet. Aus dem Retter-Quintett ist heute nur noch Nadia Aubry übrig – wenn es nach den Donatoren geht, allerdings auch nicht mehr für lange.

Hans Peter Schläfli
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Die neuen Führungsfiguren beim FC Grenchen, Najib Melhi, Nadia Aubry, Paul Kocher, Alain Marie und Jean-Michel Pradeau (v.l.), unterzeichnen im Mai den Investorenvertrag. Aus dem Quintett blieb nur noch Nadia Aubry übrig – und wird nun auch aufgefordert, sofort zurückzutreten.

Die neuen Führungsfiguren beim FC Grenchen, Najib Melhi, Nadia Aubry, Paul Kocher, Alain Marie und Jean-Michel Pradeau (v.l.), unterzeichnen im Mai den Investorenvertrag. Aus dem Quintett blieb nur noch Nadia Aubry übrig – und wird nun auch aufgefordert, sofort zurückzutreten.

Rainer Sommerhalder

Dieser Patient hat Fieber. Hohes Fieber sogar, hat man beim FC Grenchen derzeit den Eindruck. Neue Vorstandsmitglieder überleben beim FCG jedenfalls nur noch wenige Wochen: Kaum war Aleksandar Selkic als Spikopräsident gewählt, ersetzte man ihn durch Renato Blum, einen persönlichen Freund des neuen Trainers Patrick Bösch. Vor einer Woche hiess es noch, Selkic werde eine andere Aufgabe im Verein übernehmen, dem ist aber nicht so. Als neuer sportlicher Leiter ist derweil Blum noch nicht offiziell gewählt und somit auch nicht unterschriftsberechtigt.

Und schon geht es mit dem Schüttelfrost des Krisenfiebers weiter: Wie es aus normalerweise gut informierten Quellen heisst, ist Nadja Aubry, die erst am 21. August an einer extra einberufenen, ausserordentlichen Generalversammlung zur Vorsitzenden der Geschäftsleitung gewählt wurde, aus Kreisen der Donatorenvereinigung Club 3000 zum sofortigen Rücktritt aufgefordert worden. Nadja Aubry war für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen und erfüllte auch die Bitte um einen Rückruf nicht. So bleibt die Frage, warum es dem FC Grenchen ohne sie besser gehen soll, bis auf Weiteres ohne Antwort.

Alles nur Gerüchte?

Derweil trafen sich die Vorstandsmitglieder Lilo Dellsperger, Rolf Janz und Beat Schwab am Donnerstagabend im Stadion Brühl zu einer Sitzung. «Da wissen sie mehr als wir, für mich sind das nur Gerüchte», beantwortete Lilo Dellsperger die Frage, ob Druck auf Nadja Aubry ausgeübt werde, damit sie zurücktritt. Das sind fast dieselben Worte, die sie am 7. September zu den Gerüchten sagte, Alain Marie und die französische Investorengruppe werden sich vom FCG zurückziehen. Zwei Tage später war das Gerücht offiziell Tatsache geworden. «Persönliche Interessen sind jetzt nicht wichtig, es muss zum Wohl des Vereins gehandelt werden», fügte Dellsperger an, die als Verantwortliche für die Administration den Spielbetrieb leitet.

Ein grosser Stapel Transfers

Wie in einem Ameisenhaufen ging es in den Trainings zu und her, willige Spieler meldeten sich gleich dutzendweise zum Test. Weil fast alle Stammspieler den Verein verlassen haben, als ihnen vor zwei Wochen die versprochenen Spesenzahlungen gestrichen wurden, muss der neue Trainer Patrick Bösch auch für das Auswärtsspiel in Münsingen am Sonntag (Anstoss 14.30 Uhr) noch eine Mannschaft aus dem Hut zu zaubern, die bereit ist, nach dem 0:9 gegen Zug und dem 1:10 gegen Wangen für ein weiteres Himmelfahrtskommando auf den Rasen zu gehen. Von den Neuzugängen ist nämlich erst Dugagjin Dedaj spielberechtig. «Ja, wir sind knapp besetzt, derzeit habe ich 12 Mann auf der Liste», sagte Bösch am Donnerstagabend, wobei er auch ein paar A-Junioren mitgezählt hatte.

Bis am Montag muss noch ein ganzer Stapel Transferformulare auf die Post, danach ist das Transferfenster bis Ende Jahr geschlossen. In zwei Wochen werden dann alle die vielen Neulinge spielberechtigt sein und man wird sehen, was sie wirklich können.