Solothurner 2. Liga
Mümliswils Goalie Fabio Gradwohl hat den Fussball wieder schätzen gelernt

Am Sonntag beginnt die neue Saison in der Solothurner 2. Liga. Der FC Mümliswil gastiert zum Auftakt beim FC Klus/Balsthal. Mit Fabio Gradwohl im Tor, der vor gut sechs Jahren vom FC Hägendorf über den SC Fulenbach zum FC Mümliswil kam.

Raphael Wermelinger
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Auf Platz drei lag der FC Mümliswil zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs.

Auf Platz drei lag der FC Mümliswil zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs.

zvg

Zum Fussball kam er dank seines drei Jahre älteren Bruders Nico, der ihn zu den Hägendörfer F-Junioren mitnahm. Das Goalie-Gen bekam er vom Vater in die Wiege gelegt, der einst ebenfalls das Tor hütete. Fabio Gradwohl steht seit den E-Junioren zwischen den Pfosten. «Weil der eigentliche Torhüter umzog und den Verein verliess», blickt er zurück. Er habe rasch Spass daran gefunden, Tore zu verhindern. Das Vorurteil, dass Goalies spezielle Typen seien, kann er nicht ganz abstreiten: «Neben dem Platz sind wir normal, aber auf dem Platz ist etwas dran. Wir lassen uns ja schliesslich abschiessen.»

Mit 15 Jahren kam Gradwohl in die erste Mannschaft des FC Hägendorf. Gut drei Jahre später, am Ende der Saison 2011/12, in der die Hägendörfer in die 4. Liga tauchten, wechselte er zum SC Fulenbach. Der Abstieg des Stammvereins sei nicht der Grund für seinen Abgang gewesen, betont er: «Die Chance mit Fulenbach hat sich damals einfach ergeben. Mein Bruder und ich wurden angefragt und wir wollten den Schritt in die 2. Liga unbedingt wagen. Wenn nicht jetzt, wann dann, war meine Überlegung und ich vollzog den Wechsel. Ein Jahr später folgte Nico.»

Mümliswils Nummer eins im Tor, Fabio Gradwohl.

Mümliswils Nummer eins im Tor, Fabio Gradwohl.

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In David Ackermann und Mischa Ehrenbolger stiess er beim SC Fulenbach auf harte Konkurrenz. Trotzdem kam er schon im ersten Jahr zum Einsatz und konnte sich immer mehr aufdrängen. «Fulenbach würde ich als Startpunkt meiner Aktivkarriere bezeichnen. Den Status des Juniors konnte ich dort schnell ablegen und mich sehr gut ins Team integrieren», erinnert er sich. Gleich in seiner ersten Saison auf dem Sportplatz Bad gewann er den Solothurner Cup. «Auch wenn ich nicht gespielt habe im Final, war dies sicher ein Highlight meiner Karriere», sagt der Primarlehrer.

Wegweisend für seine weitere Laufbahn war die Saison 2014/15, seine dritte beim SC Fulenbach. Trainer Martin Hert machte ihn zu Beginn zur Nummer eins. Doch Gradwohl verletzte sich im ersten Meisterschaftsspiel gegen Egerkingen bei einem Zusammenprall. Seinen Status als Stammhüter hatte er damit verloren. Der Trainer zögerte nach seiner Rückkehr und wollte ihn nicht gleich wieder in Ernstkämpfen aufstellen. Er erachtete das Risiko als zu gross. «Das hat mich getroffen, denn ich fühlte mich bereit», sagt Gradwohl heute. «Ich war jung, wollte die Nummer eins sein und unbedingt spielen.» Bereits in der vorangegangenen Saison hatte sich der FC Mümliswil um seine Dienste bemüht. Nun nahm Gradwohl das Angebot an.

An sein erstes Pflichtspiel für den FC Mümliswil kann er sich nicht mehr erinnern. Es war am 28. September 2014, ein 2:2 gegen den FC Iliria. «Gar nicht so schlecht», sagt er lachend. Deutlich präsenter ist das Spiel zwei Wochen später gegen den Ex-Klub SC Fulenbach: «Es war sehr speziell, zum ersten Mal gegen meine alte Mannschaft und vor allem gegen meinen Bruder Nico zu spielen. Auch heute sind die Duelle mit Fulenbach natürlich noch etwas Besonderes,» Das erste nach seinem Wechsel ging allerdings mit 3:5 verloren.
Spätestens seit der Rückrunde 2014/15 ist Gradwohl Mümliswils unumstrittene Nummer eins. Diese Saison beendete der FCM als Neunter, das beste Abschneiden seither ist der vierte Platz 2017/18. Als «sehr coole Zeit» beschreibt er die sechs Jahre. «Nicht nur was den Fussball angeht, stimmt es hier für mich, sondern auch das gesamte Drumherum gefällt mir dort hinten», sagt er. «Es ist ein sehr familiäres Miteinander und Zusammensein. So wie beim FC Mümliswil sollte es in einem Verein laufen.»

Sportlich sei es lange Zeit darum gegangen, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und sich in der 2. Liga zu etablieren. «Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass mehr drin liegt. Dank der Kontinuität im Klub und ein paar Verstärkungen, die dazugekommen sind, bekamen wir mehr Qualität und Stabilität in die Mannschaft.» So konnte sich der FC Mümliswil in den vergangenen Saisons Richtung vorderes Mittelfeld orientieren. Zur Halbzeit der abgebrochenen Saison 2019/20 belegte das Team von Trainer Remo Bürgi sogar Platz drei. «Wir hatten einen guten Lauf und auch das nötige Glück», sagt Gradwohl.

Am meisten nervt ihn, dass der Cup nicht zu Ende gespielt wurde. Mümliswil wäre im Viertelfinal auf den Bellach getroffen. «Wir wollten unbedingt in den Cupfinal und waren auf gutem Weg», bekräftigt er und unterstreicht: «Mit dem FC Mümliswil den Solothurner Cup zu gewinnen, ist das oberste Ziel, das ich habe.» Was die Meisterschaft betrifft, soll 2020/21 ein Platz unter den besten fünf Teams herausschauen.

«Als Mannschaft setzen wir uns aber jeweils einfach auch die Ziele, zusammen- und gesund zu bleiben, auch das ist wichtig.» Gerade in Zeiten wie diesen freue er sich schlicht darauf, wieder spielen zu können: «Dass man den Fussball wieder schätzen lernt und froh ist, überhaupt auf dem Platz stehen zu dürfen, gibt einen zusätzlichen Schub für die neue Saison.»

Kader FC Mümliswil

Trainer: Remo Bürgi
Assistent: Patrick Hess

Tor: Fabio Gradwohl (94), Björn Fluri (00).
Abwehr: Jérôme Ackermann (87), Robin Disler (93), Adrian Kamber (94), Silvan Nussbaumer (94), Rafael Disler (98), Fabian Bader (99), Tobias Hafner (99).
Mittelfeld: Simon Büttler (87), Dominik Ackermann (90), Roger Wehrli (92), Andreas Ackermann (98), Janik Disler (96), Roger Wyser (96), Florian Arnold (99).
Angriff: Mario Simic (88), Nicola Ackermann (91), Elia Bader (98), Christian Wehrli (03).

Zuzüge: Hafner (2. Mannschaft), Ch. Wehrli (eigener Nachwuchs).
Abgänge: Philippe Wehrli (2. Mannschaft), Lars Probst (Pause).