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Mobbing: Der Hindernispapst zieht die Konsequenzen und geht

Rolf Lüdi wird in der Schweiz, wie hier am CSI Basel, künftig nicht mehr tätig sein. Carlo Stuppia

Rolf Lüdi wird in der Schweiz, wie hier am CSI Basel, künftig nicht mehr tätig sein. Carlo Stuppia

Der Schnottwiler Rolf Lüdi stellt mit dem Rückzug als Parcoursbauer die Schweizer Reiter in ein schlechtes Licht. Er bezichtigt einige prominente Reiter des Mobbings.

Rolf Lüdi hält an seiner Formulierung fest. Er will keine Namen nennen. Nicht in der Öffentlichkeit. Verständlich: Seine Vorwürfe sind happig. Er bezichtigt einige prominente Schweizer Kaderreiter des Mobbings. Lüdi will kein grosses Theater um seine Person entfachen. Vermeiden lässt sich das freilich nicht. Der 56-jährige Schnottwiler gehört zu den angesehensten Parcoursbauer weltweit. Seit 30 Jahren entwirft er mit Hindernissen bestückte Strecken für die besten Reiter.

Ausgerechnet ihm, dem ruhigen, bescheidenen Berner ist nun der Kragen geplatzt. In einem Schreiben an den Weltverband (FEI), den nationalen Verband (FNCH) und die grossen Veranstalter, das der «Solothurner Zeitung» vorliegt, verurteilt er das Verhalten von renommierten Reitern auf Schärfste. Wer damit gemeint ist, lässt sich mühelos nachverfolgen. «Mir geht es aber nicht um die Leute, sondern um die Sache.» Die anhaltende Kritik an seiner Arbeit bewog Lüdi zum ungewöhnlichen Schritt, sich von sämtlichen Anlässen in der Schweiz bis auf Weiteres zurückziehen.

Unterstützung von Pius Schwizer

Entflammt war der Disput im vergangenen Sommer am CSI in Ascona. Lüdi bemerkte die gereizte Stimmung bei einigen Reitern. Offen ausgesprochen wurde aber nichts. Es lief alles hinter seinem Rücken ab. «Ich bedaure es sehr, dass die betroffenen Reiter nicht den Mut aufbrachten, ihre Beanstandungen und den Unmut in einem direkten Gespräch mit mir zu besprechen», hält Lüdi fest.

Sein Rückzug löste in Reiterkreisen ein unüberhörbares Echo aus. Von Funktionären, über Veranstalter bis hin zu den Sportlern wurde er aufgefordert, seinen Entscheid nochmals zu überdenken. Internationale Grössen wie Luciana Diniz, Marcus Ehning oder Pius Schwizer munterten ihn auf. Nur von den angesprochenen blieb bis heute eine Reaktion, geschweige eine Entschuldigung aus.

Nur noch in beratender Funktion

Rolf Lüdi ist deswegen kein gebrochener Mann, aber er wirkt gekränkt. Er vermisst den Respekt und die Achtung für seine Arbeit. Weit über 500 Parcours sind in seinem Büro in Schnottwil an der Magnettafel und am Computer entstanden. «Immer zu Wohl von Reiter und Pferd», versichert der Schnottwiler. Lüdi ist bekannt für seine akribische Arbeitsweise.

Eine Bekannte hat ihm einmal gesagt, dass in seinem Blut Parcoursbau fliesse. «Da hat sich nicht ganz unrecht», lacht Lüdi. Wie es nun weitergeht, darüber macht sich der zurückhaltende Berner keine ernsthafte Sorgen. Das Material, dass ihn seinem Schopf lagert, stellt er weiterhin den Top-Anlässen zur Verfügung. Das Know-how stellt er zudem seinem Nachfolger Gérard Lachat in beratender Funktion zur Verfügung. Daneben arbeitet Lüdi als Disponent in einer Lastwagenfirma in Studen.

Olympia in Rio eine Option

«Ich habe immer gesagt, dass ich meinen Abgang nicht verpassen möchte und mit sechzig Schluss sei. Jetzt ist es drei Jahre früher als geplant.» Ganz glauben mag man es ihm nicht. Sollte eine entsprechende Anfrage kommen, dann wäre Lüdi wohl bereit, auf seinen Entschluss zurückzukommen. 2016 finden die olympischen Spiele in Rio statt. Die Offerte für London im vergangenen Jahr hat er noch ausgeschlagen.

Für die Spiele in Brasilien würde er sich es zumindest überlegen. Unter einer Bedingung: Lüdi würde die Reise nach Südamerika mit anschliessendem Urlaub verbinden. Seit 27 Jahren war der Schnottwiler nicht mehr in den Ferien. Dieser Missstand soll nun behoben werden. Im Juni reist er mit Ehefrau Marianne eine Woche nach Norwegen. «Viel länger halte ich es vermutlich auch nicht aus.»

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