Fussball
Mit Wille, Einsatz und Selbstvertrauen zum Ligaerhalt

Aziz Sayilir, Coach des FC Solothurn, trifft morgen mit seinem Team auf Concordia (16 Uhr). Ein Sieg gegen die Basler wäre im Abstiegskampf Gold wert.

Michael Schenk
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Solothurn-Coach Aziz Sayilir verlangt keine Wunder, aber Wille. hps

Solothurn-Coach Aziz Sayilir verlangt keine Wunder, aber Wille. hps

Michael Schenk

Das erste Spiel des FC Solothurn unter dem neuen Trainer Aziz Sayilir im Cup gegen Muri verkam vor Wochenfrist zum veritablen Schuss ins Vaterland (2:6). Wobei Sayilir festhält: «Es war so ein typischer Match, bei dem dem Gegner alles glückt und uns das Pech am Fuss klebt.» Wäre der Ball etwas beim Stand von 1:3 ins Tor statt an die Latte, sagt er, dann «wäre das Spiel wohl völlig anders gelaufen». Tempi passati. Was zählt ist das nächste Spiel und das ist heute Samstag zu Hause (16 Uhr) gegen Concordia Basel. «Was die Mannschaft jetzt dringend braucht», sagt der 40-jährige FCSCoach, «ist ein Erfolgserlebnis.» An Talent fehle es der jungen und willigen Mannschaft, die Sayilir als vormaliger U16-Coach bestens kennt, nicht. «Wenn es uns gelingt, zwei-, dreimal in Folge zu punkten, dann bin ich überzeugt, dass das Selbstvertrauen zurückkehrt und wir den Ligaerhalt schaffen.» Hohe Stilnoten stünden jetzt nicht im Vordergrund, stellt der türkisch-schweizerische Doppelbürger fest. Dafür umso mehr Einsatz und Kampf. Ganz nach dem Motto – «seckle», bis es aus den Ohren dampft.

Allein in die Schweiz gekommen

«Wer etwas will, der muss zuerst etwas geben», hält Aziz Sayilir fest. Das sei seine Lebensphilosophie. Eine Anschauung, die beim neuen FCS-Coach äusserst authentisch rüberkommt. Als Kurde kam Sayilir mit 19 allein in die Schweiz. Schule konnte er damals keine besuchen. Mit 15 war sein Vater gestorben. Vom Lagermitarbeiter hat er sich zum Disponenten hochgearbeitet und lebt heute mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn in Rothrist. Fussballerisch besitzt Solothurns 1.-Liga-Coach inzwischen das A-Diplom – auch das kein Papier, dass man mal so nebenbei mit ein bisschen Rasengymnastik abholt. Sayilir weiss also haargenau, was es heisst zu kämpfen und Hindernisse zu überwinden, um auf die Erfolgsstrasse zu finden. In dem Sinn kann er seinen Spielern einige effektive Lektionen mitgeben. «Technische und taktische Fehler dürfen wir machen und die werden auch passieren. Was aber nicht sein darf, nie, ist, dass wir weniger Einsatz zeigen als der Gegner», sagt Sayilir. Das gelte für den Match von heute gegen Concordia, aber auch für die kommenden Spiele.

Selbstvertrauen noch im Keller

Dass er den Grossteil seiner Truppe von früher als U16-Coach kennt, wertet Fussball-Experte Sayilir als Vorteil. «Ich habe die Entwicklung der Spieler mitverfolgt und kenne auch ihre menschlichen Seiten.» Ein Aspekt, der ihm just jetzt hilft, wenn er viele Einzelgespräche führt und darauf baut, schon im Training für eine gute Stimmung zu sorgen. Sei es mit Toreschüssen oder erfolgreichen Dribblings.

Steht bei den Solothurner Nachwuchsteams primär die Entwicklung des Einzelnen im Vordergrund, sind in der 1. Liga natürlich viel mehr Resultate gefragt und gefordert. Und diese, zumindest gute, bringt man, ob auf Stufe Champions League oder Grümpelturnier, vorab mit Selbstvertrauen. Diesen Glauben an die eigene Stärke wollen die Solothurner unter Sayilir nun im Schweisse ihres Angesichts aus dem dunklen Keller zurück auf den hellen, schönen Rasen holen.