Sportförderung
Mit Schule und Sport im Gleichschritt zum Erfolg

Die Talentförderklasse in Solothurn bietet für Oberstufen-Schüler optimale Lern- und Trainingsvoraussetzungen – das spüren derzeit 51 Sporttalente, die eine entsprechende Klasse in der Schule Schützenmatt in Solothurn besuchen.

Luca Muntwyler
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Die 57 Schülerinnen und Schüler der Talentförderklasse in der Schule Schützenmatt in Solothurn.

Die 57 Schülerinnen und Schüler der Talentförderklasse in der Schule Schützenmatt in Solothurn.

Das neue Schuljahr hat begonnen. Die Schüler sitzen wieder hinter ihren Pulten oder auf ihren Mountainbikes. Sie lernen auf Prüfungen oder schnüren sich die Fussballschuhe. Sie machen Hausaufgaben oder fahren ins Training. Training statt Hausaufgaben? Nicht alle Schüler betrifft das – nur die 57 Sporttalente, die zurzeit die Talentförderklasse der Sekundarstufe I in der Schule Schützenmatt in Solothurn besuchen.

Das Ziel der Schule ist es, Schüler und Schülerinnen mit einem grossen Talent ausserhalb der Schule zu fördern und zusätzlich die gleichen schulischen Ziele zu erreichen, um nach drei Jahren Oberstufe am gleichen Ort wie alle anderen Schüler zu stehen. Dafür wird der ganze schulische Alltag ein wenig anders strukturiert. Am Dienstag- und Donnerstagmorgen ist keine Schule, dafür geht es ab ins Training. Zudem kümmert sich ein separates Lehrerteam um die Talentförderklasse.

Wer in der Schule patztm, darf nicht ins Training

Weniger Schulstunden, mehr Training – dafür gibt es eingeplante und von Lehrern geführte freie Lektionen, um die Anstrengungen der zusätzlichen Hausarbeit zu entlasten. «Wem es schulisch weniger gut läuft, darf nicht ins Training und muss in den Stütz- und Förderunterricht. Die Schule hat bei uns Vorrang», erklärt Stefan Kohler, Koordinator der Talentförderklasse. «Das funktioniert ziemlich gut und vergrössert sogar die Motivation», ergänzt er. Denn niemand will im Schulzimmer büffeln und Nacharbeiten schreiben, während er oder sie die Möglichkeit hätte, zu trainieren.

Dies kommt auch für Schüler zum Tragen, die wegen eines Wettkampfs den Unterricht verpassen. Diese Schüler werden von einer Lehrperson geführt und sollen so den Stoff nachholen, damit sie nichts verpassen. In den zwei Jahren, in denen es diese Förderklasse gibt, musste noch niemand repetieren oder gar austreten. «Der Stellwerktest der Achtklässler hat für die Talentförderklasse sogar leicht bessere Resultate ergeben, da es in dieser Klasse keine nicht-motivierten Schüler gibt», erläutert Kohler.

Drei Viertel sind regionale Talente

In je einer Klasse pro Oberstufen-Jahrgang befinden sich 17 bis 20 Schülerinnen und Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren. Um in die Talentförderklasse aufgenommen zu werden, muss man ein nationales oder regionales Talent sein. «Nationale Talente sollten an einer Schweizer Meisterschaft auf das Podest kommen. Zurzeit haben wir etwa drei Viertel regionale Talente», sagt Kohler. Vertreten sind breit diversifizierte Sportarten, aber auch die Sportpartner.

Mit dem Tropical Mountainbike-Team, dem FC Solothurn, der Kunstturnvereinigung Solothurn, der Tennisakademie Solothurn und dem Swim Regio Solothurn wurde sogar eine Vereinbarung getroffen, welche die Schule und den Sport optimal aufeinander abstimmt. Durch diese Vernetzung ist es zum Beispiel auch möglich, einen Triathleten ins Schwimmtraining zu integrieren. So will man künftig den Spitzensport im Raum Solothurn stärken. Die Schule steckt zusätzlich in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Leistungszentrum Solothurn.

Dass das Modell durchaus Potenzial hat, beweisen die Schüler nicht nur schulisch, sondern auch sportlich. EM-Teilnahmen, Schweizer-Meister-Titel, Nationalmannschafts-Aufgebote oder Wechsel zum FC Basel, YB oder Luzern nehmen stetig zu.