Triathlon
Mit «Mate» in ein neues Leben

Der 23-jährige Ex-Triathlet Matthias Annaheim spricht über seinen Rücktritt und was die vielen Tattoos zu bedeuten haben.

Pia Schüpbach
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Matthias Annaheim

Matthias Annaheim

Solothurner Zeitung

Wie nach jeder Saison belohnt sich Matthias Annaheim aus Lostorf auch nach seinem Rücktritt mit einem Tattoo: «Mate» steht für seine Zeit als Triathlet. Statt als Profi durch die Welt zu tingeln, spielt der Athlet vom Basler Wildcatsteam nun Lacrosse und geht zur Schule.

  • Dude: Auf Matthias Annaheims linkem Fuss steht «Dude» (Kumpel). Mit diesem Tattoo belohnte er sich vor drei Jahren für das Saisonende. Im vergangenen Jahr gönnte sich der Athlet der Wildcats und des BTV Aarau statt eines Tattoos ein Piercing. Er hoffte auf den Durchbruch und beschloss, alles auf die Karte Triathlon zu setzen mit dem Fernziel: Olympische Spiele 2012. Als Profi trainierte er eisern in Australien. Tatsächlich steigerte sich Matthias Annaheim in allen drei Disziplinen - er pulverisierte seine Bestzeiten.
  • Mate: Heute sieht alles anders aus. In wenigen Tagen wird «Mate» (englischer Ausdruck für Kamerad) Matthias Annaheims rechten Fuss zieren. In Erinnerung an den Sommer in Australien. «Mate» - Das Tattoo steht aber auch als Zeichen für den Start in ein Leben ohne Triathlon. Denn es hat nicht sein sollen. «Ich habe eine verkorkste Saison hinter mir.» Krankheiten und Defekte stoppten seinen Tatendrang. Annaheim startete «mit einer Hammerform» in die Saison «und kam im ersten Rennen wieder mit den Letzten aus dem Wasser». Ein Frust zwar, doch er hoffte, in den folgenden Wettkämpfen seine Fortschritte zeigen zu können. Aber er kam nie auf Touren. Olympia rückte in weite Ferne, bei Annaheim wuchs der Frust im gleichen Mass, wie die Motivation schwand. Deshalb trat er vor einem Monat zurück.
  • Freude: eines von drei japanischen Zeichen auf seinem Oberarm. Annaheim geniesst sein neues Leben: Die Zeit mit seiner Freundin Anic, im Frühling wird er mit ihr eine Wohnung teilen. Er geniesst es, dass er Sport treiben darf und nicht mehr muss. Und er geniesst es, dass weniger Druck auf ihm lastet. Auch die neue Brille zeugt vom neuen Leben. Sein Arbeitsgerät ist nicht mehr sein Körper, sondern der Computer. Er arbeitet nun als Software-Entwickler bei einer Firma in Kestenholz. Daneben besucht er die Höhere Fachschule in Olten.
  • Kraft: das zweite japanische Zeichen auf dem Arm. Der Rücktritt nach zehn Jahren Triathlon ist Matthias Annaheim schwergefallen. «Der Sport hat mir alles gegeben, was ich jetzt habe.» Besonders gerne denkt er an die Spitzensport-RS zurück oder an seinen ersten internationalen Wettkampf in Italien, als er 16-jährig war: «Wir waren das erste Mal im Ausland, wir sind zum ersten Mal im Meer geschwommen und waren im Team unterwegs. Das war grandios.»
  • Lebensenergie: das dritte japanische Zeichen auf dem Oberarm. Um nach dem Rücktritt nicht in ein Loch zu fallen, spielt Annaheim Lacrosse bei den Olten Saints. Denn zu einem Couchpotato will er nicht werden. «Dafür sorgt auch meine Freundin», sagt er lachend. Im März will Matthias Annaheim zum ersten Mal beim Engadin-Skimarathon starten. Als Plauschläufer? «Das dann doch nicht», antwortet er. «Wer einmal Spitzensportler gewesen ist, will in einem Wettkampf immer möglichst schnell sein.»

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