Fussball
Mit frischem Wind gegen das Abstiegsgespenst

Das Fanionteam ist im Moment das einzige Sorgenkind von Oensingens Präsident Thanh Dao. Der Drittligist kämpft noch immer gegen den Abstieg.

Raphael Wermelinger
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Im vergangenen August übernahm Thanh Dao das Präsidentenamt des Drittligisten FC Oensingen.

Im vergangenen August übernahm Thanh Dao das Präsidentenamt des Drittligisten FC Oensingen.

Raphael Wermelinger

Auf der Bechburg geht das Abstiegsgespenst um. Der FC Oensingen, in der Saison 2003/04 zum bisher letzten Mal in der höchsten Regionalliga vertreten, kämpft gegen den Fall in die Niederungen der 4. Liga. Drei Runden vor dem Ende der Meisterschaft beträgt der Vorsprung auf die Relegationsplätze nur zwei Punkte. «Wir hatten schon in der letzten Saison ein schmales Kader und im Sommer kam es zu weiteren Abgänge», nennt Präsident Thanh Dao einen Grund für die missliche Lage.

«Wir mussten eine komplett neue Mannschaft mit sehr jungen Spielern aufbauen.» Ein weiterer Grund für die schlechte Klassierung sind die vielen Punkteteilungen. Siebenmal spielten die Oensinger in der laufenden Saison unentschieden. Diese Punkte fehlen jetzt. «Das Team hat zu oft in den letzten Minuten Siege noch aus der Hand gegeben», resümiert Dao.

Entscheidung abgenommen

Für das in einer solchen Situation übliche Szenario, den Trainerwechsel, liess sich der Vorstand viel Zeit. Zwar hat sich Dao schon im November nach Alternativen umgesehen. «Ich bin nicht der Typ, der auf das Hochwasser wartet, sondern suche schon vorher nach Optionen», stellt er klar. Der endgültige Entscheid wurde dem Präsidenten und seiner Crew dann aber von Trainer Murat Mendi selbst abgenommen. Dieser teilte dem Vorstand vor drei Wochen nach der 0:3-Pleite beim FC Wangen a. d. A. mit, dass er das Traineramt und die Vereinsmitgliedschaft auf Ende Juni abgeben werde.

«Somit war es für uns eine einfache Entscheidung, ihn per sofort freizustellen», erklärt Dao. Mit Patrik Flury, dem langjährigen Spieler und Captain der ersten Mannschaft, konnte der Wunschkandidat engagiert werden: «Mit ihm haben wir schon vor der Saison Gespräche geführt, aus Zeitgründen hat es damals nicht gepasst.» Unterstützt wird Flury von Michael Probst. «Die beiden haben für viel frischen Wind gesorgt», zeigt sich Dao zufrieden.

Stabilität und Kontinuität

Für frischen Wind im Verein sorgt auch der 42-jährige gebürtige Vietnamese selbst. Im vergangenen August übernahm Thanh Dao, dessen Söhne in der Juniorenabteilung kicken, das Präsidentenamt. Dieses und weitere Funktionen im Vorstand waren davor während längerer Zeit unbesetzt. Jetzt sind praktisch alle Ämter vergeben. «Ich habe den Posten unter der Bedingung übernommen, dass ich genügend Unterstützung bekomme», stellt Dao klar. «Es ist zwar viel Arbeit – etwa zwei Stunden pro Tag –, doch mit den Kollegen, die mir jetzt im Vorstand helfen, macht es sehr viel Spass.»

Vor allem im Nachwuchsbereich konnte Dao seit seiner Amtsübernahme vor knapp zehn Monaten schon einiges bewegen. «Die Juniorenabteilung boomt», sagt er und betont, dass aktuell sowohl die C- als auch die D- und E-Junioren eine Stärkeklasse höher spielen als noch in der Herbstrunde. Sein Ziel: «Eine gesunde, disziplinierte und ordnungsorientierte Juniorenabteilung mit gut ausgebildeten Trainern.» In den nächsten zwei, drei Jahren wolle er dem FC Oensingen zu mehr Stabilität und Kontinuität verhelfen. In allen Bereichen: im Vorstand, bei den Aktivmannschaften und in der Juniorenabteilung. «Es braucht in erster Linie Strukturen», weiss Dao, «ich will eine Standardisierung in allen Bereichen. Damit es irgendwann automatisch läuft.»

Sechs Punkte aus drei Spielen

Der Informatikingenieur hat mittel- und langfristig also noch viel vor mit dem FC Oensingen. Doch aktuell beschäftigt ihn vor allem das Sorgenkind erste Mannschaft. Auf die Oensinger wartet in den letzten drei Runden der 3. Liga ein happiges Programm: Niederbipp (7.) auswärts, Däniken-Gretzenbach (4.) daheim und Klus/Balsthal (3.) auswärts. «Sechs Punkte aus den drei Spielen wären gut», formuliert Dao seine Erwartungen. «Das ist sicher machbar. In der 3. Liga gibt es keine Klassenunterschiede. Meistens entscheiden die Präsenz der Spieler und die Tagesform.

Mit dem 1:0-Erfolg gegen den Tabellenzweiten Gerlafingen am letzten Wochenende haben die Spieler in seinen Augen bewiesen, dass sie jeden Gegner schlagen können. Wie gross ist der Anteil von Neo-Trainer Flury? «Er hat es in kurzer Zeit geschafft, auch Spieler der zweiten Mannschaft fürs Fanionteam zu motivieren, wodurch das Kader breiter geworden ist. Die Spieler schätzen die neuen Inputs, die von ihm kommen, und reissen voll mit.» Die Frage ist, ob das Team mit dem Druck umgehen kann. Bei Flurys drittem Einsatz an der Seitenlinie muss heute unbedingt ein Sieg her. Denn der direkt hinter den Oensingern klassierte FC Langendorf empfängt das Schlusslicht Mümliswil.