Nicht die Tatsache, dass die Siegesserie von neun Spielen im Derby gegen Langenthal riss, sondern viel mehr auf welche blamable Art und Weise dies geschah, musste dem EHC Olten arg zu denken geben. Keine 24 Stunden später bekam der EHCO bei den GCK Lions die Chance zur Rehabilitation.

Der EHCO nutzte sie ansatzweise und kam einmal mehr zu einem äusserst schmeichelhaften Sieg nach Verlängerung. «Das war glücklich. Was wir aus diesem Spiel mitnehmen können, ist die grosse Moral. Wir haben alle bis zum Schluss gezeigt, dass wir diesen Sieg wollen», sagte Topskorer Martin Ulmer.

Eine intakte Moral brauchte es in der Tat: Nur vier Sekunden, nachdem Trainer Gustafsson das Timeout in Anspruch nahm und Torhüter Rytz durch einen sechsten Feldspieler ersetzte, traf Anthony Rouiller nach einem Bullygewinn Jay McClements 59 Sekunden vor Schluss zum 2:2-Ausgleich.

Und in der Verlängerung nutzte Jewgeni Schirjajew die Unkonzentriertheit der ausgepowerten Junglöwen aus, setzte zum Buebetrickli an, worauf Stan Horansky nachsetzte und 1,8 Sekunden vor Ende der Overtime (!) die Scheibe zum 3:2-Sieg über die Linie stocherte. Es war bereits der sechste Zweipunkte-Sieg aus 17 Spielen – oder anders ausgedrückt: Die sechste Partie, in der man bisweilen unnötig einen Punkt liegen liess.

In eine Schockstarre verfallen

Die Derby-Schmach schien derart stark nachzuhallen, dass die Mannschaft die Verunsicherung ganz offensichtlich mit nach Küsnacht trug. Uninspiriert, ideenlos, substanzlos zeigte sich der EHCO in den ersten 40 Minuten. Ja, die Oltner schienen am Tag nach der denkwürdigsten Niederlage der Saison in eine Art Schockstarre verfallen zu sein.

Dass die Gemütslage nach einer solchen Leistung bei einigen an einem seidenen Faden hing, bewiesen Stan Horansky und Martin Ulmer, die nach einem Spielerwechsel im ersten Drittel wutentbrannt ihre Stöcke an die Bande schlugen, um ihren Unmut über das Gezeigte vor den 240 Zuschauern in der Kunsteisbahn Küsnacht kundzutun.

Nur wenige Minuten zuvor entwischte der gesamte GCK-Topsturm um Pelletier, Bachofner und Miranda der EHCO-Verteidigung, wobei Letzterer völlig unbedrängt EHCO-Torhüter Simon Rytz über der Schulter erwischte (10.).

Es war schliesslich Stefan Mäder, der vor der ersten Pause mit seinem 1:1-Ausgleich wieder etwas Ruhe in die Mannschaft brachte, obwohl es sinnbildlich war, wie der Treffer zustande kam: Zu dritt versuchten Horansky, Mäder und Ulmer im Slot die Scheibe über die Linie zu befördern. Mäder gelang es schliesslich im Liegen die Scheibe über den Torhüterschoner zu lupfen.

EHCO-Serie gegen GCK bleibt intakt

Die GCK Lions, mit einer Miniserie von drei Siegen im Rücken, zeichnete sich vor allem mit einem brandgefährlichen Konterspiel aus, während der EHCO die läuferische und physische Überlegenheit zwar regelmässig aufblitzen liess, diese aber nicht in Bares ummünzen konnte.

Und so plätscherte das Spiel lange Zeit in der neutralen Zone vor sich hin. Auch, weil es die Dreitannenstädter kaum zustande brachten, einen Spielzug über mehrere Stationen abzuschliessen. Selbst, als man einen Treffer mit zwei aufeinanderfolgenden Powerplays auf dem Tablett serviert bekam, liess der EHCO die Situation ungenutzt.

Stattdessen erteilte GCK-Ausländer Pascal Pelletier den ideenlosen Oltnern eine Lektion in Sachen Kaltblütigkeit: Nach seiner abgesessenen Strafe vollendete er aus spitzem Winkel zur erneuten Führung (33.). Sein Torjubel, ein kurzes Schulterzucken gefolgt von einem kollektiven GCK-Lacher, sprach Bände.

Spektakulär belohnt

Erst im Schlussdrittel schien der EHCO zu realisieren, dass es eine überzeugendere Leistung braucht, damit nicht noch eine weitere EHCO-Serie reisst: Denn in den letzten 20 Direktduellen gegen die GCK Lions punktete der EHCO immer.

Dass diese langjährige Serie nun weiterhin Stand hält, war einer kämpferischen Teamleistung im Schlussabschnitt zu verdanken, die mit den Toren von Rouiller und Horansky auf spektakuläre Weise doch noch belohnt wurde.

«Klar dürfen wir nicht so auftreten, wie wir das getan haben. Aber es haben auch schon andere Teams hier Punkte liegen gelassen, es gibt keine Selbstläufer mehr. Wir haben nun zehn der letzten elf Spiele gewonnen, wir sind Zweiter und befinden uns auf dem richtigen Weg», sagt Ulmer auf die Frage, ob er nun mit einem guten Gefühl die Mannschaft verlässt und zur österreichischen Nationalmannschaft fährt.

Klar ist: Der EHCO geht mit einem blauen Auge in die 10-tägige Nati-Pause. Genügend Zeit, um dieses heilen zu lassen. Aber vor allem auch genügend Zeit, um das Team weiterhin zu formen.

Insbesondere die Sturmlinie um McClement, Schirjajew und Stapleton stellte wiederum ein grosses Fragezeichen dar. Ausser den zahlreichen Bullys, welche McClement oftmals kinderleicht für sich entschied, stach die Linie kaum hervor.

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