Zum 28. Mal stand Carla Stampfli an der Schweizer Meisterschaft in Arbon jüngst zuoberst auf einem Schweizer-Meisterschafts-Podest. Am schönen Bodensee setzte sie sich 21 Hundertstel vor der Einheimischen Lara Grüter durch. «Wow, das war knapp - aber geil», sei es ihr dem Anschlag spontan durch den Kopf geflutscht.

Für eine Schwimmerin ihres Formats - so könnte man meinen - ist ein Meistertitel nichts Besonderes. Dem ist freilich nicht so: «Nein», stellt die Solothurnerin fest. «Es ist immer wieder schön.» Zumal es in ihrem Fall quasi das erste Gold ihrer zweiten Schwimm-Karriere ist.

Immer noch Rekordhalterin

Die 29-jährige ausgebildete Dolmetscherin ist letzte Saison nach fünfjährigem Karriere-Unterbruch wieder ins Wettkampfbecken zurückgekehrt. Dies, nachdem sie die Olympia-Limite über 100 m Rücken für die Spiele 2008 in Peking knapp verpasst und daraufhin ihre Bahnen als Leistungsschwimmerin eingestellt hatte.

In der Folge wandte sich Stampfli, die 2004 mit der Lagenstaffel an den Olympischen Spielen in Athen (15. Rang) teilgenommen hatte, dem Triathlon zu. Auf der Kurzbahn hält die mehrfache WM- und EM-Teilnehmerin seit neun Jahren den Schweizer Rekord. Die 1:00,55 Minuten haben selbst die rekordinflationäre Gummianzug-Periode überlebt. 2012 hätte sie damit unter den top 80 der Welt rangiert. Nun ist sie also wieder zurück und mit ihr auch die spannende Erkenntnis: «Irgendwie wird mir erst jetzt klar, wie schnell ich damals war.»

«Ich geniesse es sehr, Teil eines jungen, unbeschwerten Teams zu sein», sagt Stampfli zu ihrem heutigen, sportlichen Umfeld. War sie früher mit dem SC Solothurn oft allein oder als Mini-Gruppe unterwegs, so hat sich die kantonale Elite inzwischen zur Swim Regio Solothurn vereint. Die Besten trainieren und starten zusammen. «Teil so eines Teams zu sein, stützt sehr», sagt sie. Wenn sie mit dieser aufgestellten Truppe unterwegs sei, «vergesse ich manchmal sogar meine grauen Haare.»

Trainieren, wenn es der Job zulässt

Inwieweit der 28. Titel Carla Stampfli animieren wird, die Karte Schwimmen künftig noch intensiver zu spielen, weiss sie nicht: «Im Vordergrund steht jetzt meine berufliche Zukunft.». Derweil absolviert sie ein Praktikum auf der Sportredaktion der «Nordwestschweiz». Auf dieser Schiene kann sich Carla Stampfli ihre Zukunft «sehr gut vorstellen - es gefällt mir sehr.»

An Know-how, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft fehlt es der ehrgeizigen und selbstkritischen Sportlerin ja wahrlich nicht. Im Moment trainiert sie insofern dann, wenn es die Zeit zulässt. Und oft allein. Das hält sie jedoch offensichtlich nicht davon ab, ihre Titelsammlung zu erweitern.