Handball
Mit 18 Jahren schon der Boss auf dem Feld

Der Schönenwerder Ilan Baumann zieht im Angriff des Erstligisten HV Olten die Fäden. Er hat sich in nur einer Saison vom Trainingsgast zum Stammspieler hoch gearbeitet.

Adriana Gubler
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Ist bei der SG HV Olten innert einer Saison zu einem wertvollen Spielmacher herangereift: Ilan Baumann aus Schönenwerd.

Ist bei der SG HV Olten innert einer Saison zu einem wertvollen Spielmacher herangereift: Ilan Baumann aus Schönenwerd.

HR.Aeschbacher

Einen steilen Aufstieg hat er hinter sich. Ilan Baumann war in der vergangenen Saison beim HV Olten eigentlich nur als Trainingsgast vorgesehen. Er sollte einmal wöchentlich mit den Erstligisten trainieren, um Luft im Aktivhandball zu schnuppern. Schon beim ersten Meisterschaftsspiel der Saison 12/13 war das Kader der SG HV Olten wegen Verletzungspech jedoch arg dezimiert. So kam der damals 17-jährige Ilan Baumann aus Schönenwerd im Auftaktspiel gegen Baden bereits zu seinem ersten Auftritt in der 1. Liga.

Die Chance hat die Nummer 2 sogleich gepackt. «Im Angriff war ich noch etwas gehemmt. Aber in der Verteidigung habe ich eine richtig gute Leistung zeigen können», erinnert sich Baumann an seine Premiere im HVO-Dress. Damit hat er auch Oltens Trainer Christian Müller überzeugen können, der ihn fortan zweimal wöchentlich im Training sehen wollte und ihn regelmässig für die Ernstkämpfe aufbot.

Der Junge und die älteren Herren

Im Angriffsspiel musste sich der junge Niederämter aber zuerst ans sogenannte Männer-Handball gewöhnen. «Wenn man in der 1. Liga ein Tor erzielen will, machts einfach viel mehr weh, als bei den Junioren. Denn das Spiel ist etwas weniger schnell, dafür körperbetonter», sagt Ilan Baumann. Allerdings war nicht nur die härtere Gangart für den 17-Jährigen eine Gewöhnungssache. Das junge Talent stand in der 1. Liga bald auf der Spielmacherposition im Einsatz. Als Rückraum Mitte ist es seine Aufgabe, im Offensivspiel die Fäden zu ziehen. «Auf dieser Position ist man im Angriff der Boss. Als junger Spieler war es am Anfang aber gar nicht einfach, den zehn Jahre älteren Herren zu sagen, was sie zu tun haben», sagt Baumann.

Der junge Spielmacher hat sich je länger je mehr Akzeptanz erarbeitet und ist zu einer festen Grösse im Oltner Angriffsspiel herangereift. Beim Cuphauptrunden-Spiel der SG HV Olten gegen den TV Uster am vergangenen Dienstagabend, als die Grünweissen die Partie erst nach einer zweimaligen Verlängerung für sich entscheiden konnten (36:34), stand Baumann von Beginn weg auf dem Feld und war einmal mehr ein ganz wichtiger Akteur für sein Team: Mit seinen präzisen weiten Pässen leitete er einige erfolgreiche Gegenstösse ein. Mit seiner Spielübersicht wusste er seine Mitspieler in Szene zu setzen. Mit seiner Kaltblütigkeit und Cleverness sorgte er für fünf wichtige Penaltytore und mit seiner besonnenen Art sorgte er dafür, dass in den brenzligen Situationen in den Oltner Reihen ruhig Blut bewahrt wurde. «Ilan ist enorm stark in der Verteidigung und verfügt über eine sehr hohe Spielintelligenz», sagt HVO-Trainer Christian Müller. Und: «Er kann ein Team führen. Er hat die Qualitäten, um eine Leader-Figur zu sein.»

Der Cup-Erfolg über Uster war in dieser Saison für Olten der fünfte Sieg im sechsten Ernstkampf. Eine eindrückliche Bilanz. Wieso aber läufts den Grünweissen aktuell derart gut? «Wir sind nach der vergangenen Saison als Team mehrheitlich zusammengeblieben. Deshalb können wir nun davon profitieren, dass wir aufeinander eingespielt sind.» Baumann ist überzeugt, dass die SG HV Olten das Zeug dazu hat, in der Gruppe 2 der 1. Liga jeden Gegner zu schlagen. «Wenn alles optimal läuft, liegt für uns am Ende der Meisterschaft ein Top-3-Rang in Reichweite.»

Eine Handball-Familie

Ilan Baumann trägt nicht nur bei Olten Verantwortung, sondern auch bei den U19-Elite-Junioren des HSC Suhr Aarau. Da der Schönenwerder im Rahmen der gemeinsamen Juniorenförderung des HSC Suhr Aarau und des HV Olten über eine Doppellizenz verfügt, bestreitet er hin und wieder zwei Ernstkämpfe an einem Wochenende. «Nach zwei Partien spüre ich dann die Beine schon ziemlich. Hart ist es, wenn ich dann noch für die Schule lernen muss», sagt der Sportkantischüler, der wöchentlich neun Trainingseinheiten absolviert.

Handball ist nicht selten Thema Nummer 1 beim gemeinsamen Abendessen der Familie Baumann. Denn Ilans Bruder Tano ist Junior bei Suhr Aarau und sein Vater Peter war zu Aktivzeiten ein erfolgreicher NLA-Kreisläufer. «Meine Mutter wäre wohl manchmal froh, wenn sich die Diskussionen nicht immer nur um Handball drehen würden», sagt Ilan Baumann und schmunzelt. Er aber schätzt die Tipps seines Vaters. «Er konnte mir schon oft helfen.» Ob er unter Druck steht, weil sein Vater ruhmreiche Zeiten erlebt hat? «Nein, ich mache mir deswegen keinen Druck. Und meinem Vater sage ich immer, dass damals eine ganz andere Art Handball gespielt wurde.» Selbst die Sticheleien zwischen Vater und Sohn drehen sich in der Familie Baumann um Handball.

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