Skiakrobatik
Mischa Gasser schafft überraschend den Sprung nach Sotschi

Mischa Gasser, der Skiakrobat aus Solothurn, erfüllte sich vor zwei Wochen seinen Kindheitstraum. Mit dem 7. Rang am Weltcup in Lake Placid schaffte der 22-Jährige den Sprung an die Olympischen Spiele.

Chantal Fimian
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Mischa Gasser: Die eigene Welt auf den Kopf gestellt.

Mischa Gasser: Die eigene Welt auf den Kopf gestellt.

zvg

Es war ein sehr schöner und grosser Moment.» Mit der Qualifikation hat Mischa Gasser nicht gerechnet. «Lange musste ich um die Qualifikation bangen. Erst im letzten Wettkampf in Übersee schaffte ich es», freut sich der 22-Jährige.

Trainingslager in Finnland

Für Gasser geht es nun darum, sich auf den Wettkampf in Sotschi einzustimmen. Bis zum 4. Februar weilt er noch im finnischen Ruka. «Ich trainiere meine Sprünge im Schnee und am Abend mache ich ein Kraft- oder Ausdauertraining.» Momentan beherrscht Gasser einen Sprung besonders gut, der ihm mit ein wenig Wettkampfglück zur Finalteilnahme verhelfen könnte.

In erster Linie möchte er aber viele wichtige Erfahrungen sammeln und mit dem ganzen Aerials-Team das einmalige Olympia-Gefühl geniessen. «Natürlich möchte ich in Sotschi so gut wie möglich abschneiden, aber mit einem Top-Resultat kann ich nicht rechnen», ist der Solothurner realistisch. Sein Trainer Michel Roth pflichtet ihm bei: «Es wird Mischas erste Olympia-Erfahrung sein. Er ist ein junger Athlet und hat sicher noch nicht die nötige Schwierigkeit in seinen Sprüngen, um ganz vorne zu landen.»

Als Kunstturner angegangen

Für das Mitglied des Skiakrobatik-B-Kaders war die Wahl seiner Sportart nicht zum Vornherein klar. Mit fünf Jahren begann er mit Kunstturnen, wo er sich Medaillen an den Junioren-Schweizer-Meisterschaften sicherte. Zu Beginn der Lehre wechselte Gasser aus zeitlichen Gründen zum Geräteturnen. Dort musste er zuerst Schweizer Meister werden, bevor er sich für die Akrobatik auf Skiern entschied. «Ich habe oft die olympischen Wettkämpfe im Fernsehen verfolgt. Ich war von den vielen Saltos und Schrauben in grosser Höhe fasziniert», erinnert sich Gasser.

Die Koordination, die Kontrolle und das Rotationsgefühl in der Luft beeindruckten den Bewegungsmenschen. «Mein Geräteturn-Trainer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Swiss Ski Nachwuchsathleten sucht, die über turnerische Fähigkeiten verfügen und zudem den Mut besitzen, Skiakrobatik auszuüben.» Daraufhin entschied sich der gelernte Bauzeichner, der seine Lehre 2011 mit der Berufsmatura abgeschlossen hat, im zürcherischen Mettmenstetten ein Probetraining zu machen.

In Mettmenstetten auf der Wasserschanze

Rund vier Mal in der Woche trainiert er auf der Wasserschanze im «Jumpin» fünf bis sechs Stunden am Tag. Zusätzlich absolviert er zweimal ein Fitness- und Ausdauerprogramm und trainiert regelmässig auf dem Trampolin. Sein Trainer Michel Roth ist voll des Lobes über seinen Vorzeigeathleten: «Mischa zeichnet aus, dass er immer lernen und besser werden will. Er ist ehrgeizig und zielgerichtet und holt aus jedem Training das Maximum heraus. Er ist ein eleganter Springer und ein grosses Bewegungstalent.»

Abseits des zeitraubenden Wettkampf- und Trainingsprogramms noch einer geregelten Arbeit nach zu gehen, ist nicht denkbar. Daher ist der Bewohner einer WG in der Stadt Solothurn auf tatkräftige Unterstützung angewiesen: «Hauptsächlich hilft mir meine Familie. Zusätzlich erhalte ich jährliche Beträge vom Skiklub Bern und Swiss Ski. Ausserdem habe ich noch zwei individuelle Sponsoren, die mich finanziell sowie materialtechnisch unterstützen.»

Michel Roths Zuversicht

Für die Zeit nach den Olympischen Spielen setzt sich Gasser ambitionierte Ziele: «Ich möchte in der nächsten Weltcup-Saison unter die Top-15 springen.» Michel Roth traut ihm das zu. «Wenn Mischa so weiter macht, wird er an der nächsten Olympiade ein wichtiges Wort mitreden.» Zunächst will Mischa Gasser aber am 17. Februar Werbung in eigener Sache betreiben. Gründe, weshalb man sich seinen Wettkampf im Fernsehen anschauen soll, liefert er gleich selbst: «Skiakrobatik ist keine übliche Sportart und verspricht Spektakel.»