«Jeder muss vor der eigenen Haustür wischen, es braucht keine Zauberei», lüftete Remo Hirt die Erkenntnis der «Kropfleerete» vom Samstag. Gesagt, aber nicht getan. Denn Olten entschied das Spiel gegen den Underdog vom Zürichsee sehr wohl mit einer Prise Magie. Binnen 58 Sekunden schufen zwei geniale Kombinationen die Differenz. Balsam für die zuletzt gebeutelte Moral der Oltner.

49. Minute: Heughebaert, Ulmer und Hirt zaubern sich durch die GCK-Hintermannschaft. Tick. Tack – Tor. Der Treffer ist Beweis genug, welch technische Klasse in dieser Mannschaft steckt. Und keine Minute später erkämpft Captain Schneuwly den Puck hinter dem Tor und spielt diesen zu Truttmann. Mit einem Traumpass bedient dieser den heranstürmenden Stapleton, der an Daniel Guntern vorbei zum vorzeitigen 3:0-Endstand vollendet. Ein Gedicht.
Möglich gemacht hatte den Vollerfolg aber eine überragende Leistung von Goalie Matthias Mischler. Mit seinen Paraden bügelte er die zahlreichen Aussetzer der Verteidigung aus. Denn es war nicht so, dass Olten nach der ernüchternden Woche wieder zur defensiven Stabilität gefunden hätte.

Und doch verdrängten am Ende die lichten Momente die noch zu häufigen Schattenmomente im Oltner Spiel. Wirklich zufrieden war auch Cheftrainer Bengt-Ake Gustafsson nach dem erduldeten Sieg nicht. «Wir hatten zu viele Puckverluste. Aber im Moment ist es einfach wichtig, dass wir gewinnen», sagte der Schwede. Der Abwärtsstrudel mit drei aneinandergereihten Niederlagen sei Folge einer mentalen Blockade: «Wir haben nach dem guten Saisonstart nicht mehr alle Tage unser Maximum herausgeholt.»

Olten plagen Verletzungssorgen

Zur kleinen EHCO-Krise gesellten sich zuletzt verletzungsbedingte Ausfälle. Mittlerweile ist die Lage prekär, die Personaldecke beim EHC Olten wird dünner und dünner. Am Freitagabend fiel beim Derby in Langenthal zusätzlich Devin Muller aus. Marc Sahli verletzte sich ausserdem am Samstagabend bei seinem Einsatz mit Zuchwil Regio. Aufgrund der nun sechs Ausfälle war Gustafsson gezwungen, gegen die Junglöwen das Kontingent auszuschöpfen.

08.10.2017, EHC Olten - GCK Lions 3:0

Nach der «Kropfleerete» blieb dann im Oltner Line-up auch keine Sturmlinie gleich wie noch bei der Derby-Klatsche im Oberaargau. Gustafsson riss die beiden Ausländer auseinander und versuchte trotz den namhaften Ausfällen, gleichwertige Blöcke zusammenzustellen.
Die Aufgabe gegen GCK sollte kein Selbstläufer werden: Auch die Zürcher lechzten nach drei Niederlagen in Folge danach, in Olten den Coup zu landen. Und weil der ZSC spielfrei war, traten die Babylöwen im Kleinholz mit einem für ihre Verhältnisse routinierten Kader an. GCK-Trainer Leo Schumacher verfügte über beide Ausländer (Pelletier und Hayes), sowie die drei ZSC-Hoffnungsträger Bachofner, Miranda und Prassl.

Mischler hält Vorderleuten den Rücken frei

Diese Vorzeichen erhöhten den ohnehin schon auf den Schultern der Oltner lastenden Druck. «Mir geht es besser als vor dem Spiel», sagte Hirt, als er frisch geduscht aus der Kabine kam. Er leugnete die Erleichterung nicht. Nach der Woche der Enttäuschungen konnte der EHCO in der Anfangsphase die Verunsicherung nicht kaschieren.

Oltens Glück hatte an diesem Abend einen Namen: Matthias Mischler hielt seinen Vorderleuten den Rücken frei. Bis diese sich nach endlos erscheinenden 27 Minuten der Ladehemmungen entledigt hatten. Simon Barberos Powerplaytreffer – Stefan Mäder hatte vor dem Tor ganze Arbeit geleistet – brachte die Oltner ein Stückchen näher ans Selbstvertrauen zurück.

Vielleicht das entscheidende Ausrufezeichen setzte vor den magischen Momenten mit den zwei besagten Zaubertoren Marc Grieder. In einem Faustkampf mit Tim Ullmann entledigte er sich des angestauten Frusts und läutete damit womöglich die furiosen Momente seiner Vorderleute ein. Mit Mischler durfte er sich nach Spielschluss feiern lassen. Im Schatten der beiden Protagonisten sandte Marco Truttmann ein starkes Zeichen aus. Oltens designierter Leistungsträger überzeugte mit seinem Einsatz auf der ganzen Linie.

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