Eine knapp 80-köpfige Delegation vertrat die Schweiz Mitte Februar am European Youth Olympic Festival. Auch die beiden Solothurner Curler Jan Iseli und Maximilian Winz nahmen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo an den europäischen Nachwuchsspielen teil. Und dies mit grossem Erfolg: Im Mixed-Viererteam gewannen die langjährigen Weggefährten die Silbermedaille.

«Es war unser Ziel, das Podest zu erreichen», sagt Jan Iseli. «Die Niederlage im Final hat natürlich geschmerzt. Doch mittlerweile können wir stolz darauf zurückblicken, was wir erreicht haben.»

Von ihrem Aufgebot erfuhren die beiden Talente kurzfristig im Januar. Obwohl der ganze Selektionsprozess mit den olympischen Jugendspielen 2020 in Lausanne als Fernziel bereits im Mai 2018 startete. Ende Januar wurden die beiden vom Schweizer Curlingverband für die Selektion vorgeschlagen, Swiss Olympics bestätigte diese wenig später.

«Dieses Aufgebot kam nicht ganz überraschend. In der Meisterschaft sind wir diese Saison ja nicht so schlecht dran», sagt Maximilian Winz und fügt lachend an: «Wirklich erwartet haben wir die Selektion aber auch nicht, wir können aber natürlich sehr gut damit umgehen.»

Heimisches Essen vermisst

Exakt eine Woche weilten die Curler in Sarajevo. Am Samstag landeten sie in Bosnien, von Montag bis Freitag lief der Wettkampf und am Samstag flogen sie zurück in die Heimat. «Man lernt viele Sportler aus verschiedenen Ländern kennen. Von der Stadt selber haben wir leider nur sehr wenig gesehen», blickt Winz zurück.

Nur vor der Heimreise blieb etwas Zeit für Sightseeing. Die Sportler hausten in Viererzimmern im Athleten-Dorf. «Alles hat reibungslos geklappt. Wir können eigentlich fast nichts bemängeln», sagt Iseli. Lediglich das Essen sei etwas eintönig gewesen mit der Zeit, erzählt er: «An den letzten Tagen habe ich das Essen von zu Hause vermisst. Es gab halt jeden Tag das gleiche Buffet.»

Aus sportlicher Sicht sei es zuerst darum gegangen, sich als Team besser kennen zu lernen. Iseli und Winz spielen zwar seit gut acht Jahren zusammen, ihre beiden Kolleginnen im Mixed-Team kannten sie noch nicht.

Dennoch schaffte es die zusammengewürfelte Equipe ins Endspiel. «Gold wäre sicher möglich gewesen», fügt Winz an. «Wenn wir gezeigt hätten, was wir können.» Skip Iseli pflichtet bei: «Wir konnten an diesem Tag unsere Leistung nicht abrufen und leisteten uns mehr Fehler als der Gegner, das war am Ende entscheidend.»

SM-Titel und WM-Medaille als Ziele

Beide sprechen von einem eindrücklichen Erlebnis. Vor so vielen Zuschauern zu spielen, war ungewohnt. «Wir verstanden einander fast nicht mehr. Es war eine ganz neue Situation für uns», erläutert Iseli. Die sie aber gut gemeistert haben. Der Silbergewinn bringt sie einen Schritt näher an die Youth Olympic Games in Lausanne im nächsten Jahr. Sie müssen sich dieses Jahr allerdings weiter beweisen, denn es sind durchaus starke Mitkonkurrenten im Rennen.

«Im Januar gewannen wir den Schweizer Cup. Das war einer der grössten Erfolge», sagt Winz. In der laufenden Meisterschaft liegen wir nach der Vorrunde auf dem vierten Platz. Im März geht es weiter.» Schweizer Meister bei den Junioren, eine Medaille an der Junioren-WM und Lausanne 2020 lauten die nächsten Ziele.

Um diese zu erreichen, stehen sie pro Woche sechs bis acht Stunden in Biel auf dem Eis. Dazu kommen Kraft- und Ausdauer-Einheiten, Regeneration, Mentaltrainings und Matchanalysen. Winz absolviert im Moment eine Ausbildung bei einer Bank. Mit einem 75-Prozent-Pensum, damit genug Zeit für den Sport bleibt. Jan Iseli besucht die Sportklasse der Kantonsschule Solothurn.

Wieso haben sich die zwei eigentlich gerade dem Curling verschrieben? «Mich fasziniert einerseits das Taktische, man wird mental sehr gefordert. Es ist ein technischer Sport und auch ein anstrengender, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht», so der Biberister «Max» Winz. Jan Iseli, der mit Lüsslingen-Nennigkofen aus einem Dorf kommt, in dem bis vor kurzem eine Curlinghalle stand, sagt: «Mich beeindruckt vor allem die Präzision. Ein Millimeter kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.»