Wenn ihm seine Frau ein Sandwich mit ins Training gibt, teilt er dieses gern mit seinem Chef. Nicht, weil ihm der Käse stinken oder es ihm vor der Salami grauen würde, die Frau Mrukvia zwischen die Brothälften geklemmt hätte, nein – einfach, weil er ein sehr netter und guter Mensch ist, dem Bescheidenheit sehr wichtig ist. «Niemand ist so gut, dass er nicht von anderen lernen könnte», sagt Milan Mrukiva.

Seit dieser Saison ist er Assistenztrainer von Max Weibel beim Eishockey-Erstligisten Zuchwil Regio. «Er ist die perfekte Ergänzung zu mir», sagt Weibel, der sich selber als «emotionalen Typ» bezeichnet. «Milan ist da ganz anders – er bleibt cool und pragmatisch und holt, wenn es nötig ist, uns auch wieder auf den Boden zurück.»

«Eishockey ist mein Leben»

Der 68-jährige gebürtige Slowake war einst tschechoslowakischer Nationalspieler und langjähriger Stürmer von Slowan Bratislawa. Bis ins Alter von 47 Jahren spielte er für Basel. Dazwischen und daneben war er unter anderem Trainer bei Zunzgen-Sissach, Langenthal, Aarau, Olten, Langnau, Saas-Grund und zuletzt Luzern. «Ich gehe mit Eishockey ins Bett und stehe mit Eishockey auf. Eishockey ist mein Leben», sagt Mrukvia angesprochen auf sein pensionsberechtigtes Alter. Röseli schneiden und Schnittlauch im Gärtli züchten, das reicht ihm nicht.

Es kam schon vor, dass Mrukvia voller Gedanken ans Eishockey und wie man dieses verbessern könnte, mit dem Auto in Egerkingen statt Zuchwil gelandet ist. «Ja, hei, ei, ei…», lacht er. «Das kann vorkommen.» Bei Zuchwil-Regio zu arbeiten, sei für ihn eine Ehre», sagt der Slowake. «Der Klub ist in der 1. Liga das, was der SC Bern in der NLA – sehr professionell.»

Kommunikation als A und O

«Wir reden sehr viel zusammen», hält Weibel fest. Dies völlig im Gegensatz zu seinem letztjährigen Chef, dem Russen Juri Wotschakow. Damals war Weibel Assistent und Wotschakow hätte sein Sandwich nie geteilt – «no way». Allenfalls hätte er gefragt, ob er noch eine Gurke ausleihen könne.

Milan Mrukvia dagegen ist ein sehr kommunikativer Mensch. «Für mich ist Kommunikation das A und O – auch im Eishockey. Nur wenn man zusammen redet, kann man Vertrauen aufbauen und letztlich aus jedem den letzten Tropfen seines Können herauspressen.» Man sei jetzt ein Team, sagt Weibel – auch auf der Trainerbank. Das sei sehr gut so und: «Ich kann sehr viel von ihm profitieren.» Sein Co-Trainer schaue oft dahin, «wo ich gar nie daran denken würde, hinzuschauen.» Das erweitert den Horizont.

Verfolgerduell gegen die Stars

Die primäre Aufgabe von Milan Mrukvia beim EHC Zuchwil Regio ist formal freilich der Nachwuchs. Der Slowake, der seit 34 Jahren in der Schweiz lebt, ist für die Moskitos und die Mini-Novizen zuständig. «Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Es wäre einfach schön, wenn wir noch mehr Junge fürs Eishockey begeistern könnten.»

Ab und zu helfe er ihm freiwillig im Nachwuchs oder überlasse ihm auch einmal die Trainingsgestaltung mit der ersten Mannschaft, sagt Max Weibel. Im Match selber kümmert sich Mrukvia um die Verteidiger, ansonsten jedoch ist er für alle da – ob gross, klein, Chef oder «Untertan». Das nächste Mal morgen, um 17.30 Uhr, wenn Zuchwil Regio auswärts auf den Verfolger Argovia Stars trifft.