Kanu
Mike Kurt kann in Prag seiner Karriere die Krone aufsetzen

Ab Donnerstag paddeln die besten Slalom-Kanuten in Prag um WM-Medaillen. Das Schweizer Aushängeschild Mike Kurt, vor drei Monaten EM-Silbermedaillengewinner, hat gute Erinnerungen an diesen Ort.

Andreas Fretz
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Zehn Jahre nach seiner ersten und bisher einzigen WM-Medaille kämpft Mike Kurt ab heute in Prag um den Titel. Keystone/Archiv

Zehn Jahre nach seiner ersten und bisher einzigen WM-Medaille kämpft Mike Kurt ab heute in Prag um den Titel. Keystone/Archiv

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Zehn Jahre liegt die WM in Augsburg nun zurück. Damals holte Mike Kurt seine bisher einzige Medaille bei Welttitelkämpfen. Es war die goldene mit dem Team. «Das war sensationell, einmalig für ein kleines Land wie die Schweiz», erinnert sich Kurt, «so ein Team wie damals gibt es vielleicht alle fünfzig Jahre.»

Auch einen Kanuten wie Mike Kurt gibt es nicht alle Jahre. Über zehn Jahre paddelt der in Solothurn wohnhaften Wiedlisbacher an der Weltspitze mit. «Von denen, die vor zehn Jahre zur Weltspitze gehörten, ist heute keiner mehr ganz vorne anzutreffen», sagt der 33-Jährige.

Nur Kurt ist noch da, und wie. Vor drei Monaten holte er an der EM in Krakau (Po) die Silbermedaille. «Es gibt nur zwei Fahrer, die im selben Jahr eine EM- und eine WM-Medaille gewinnen konnten», sagt Kurt vor der WM in Prag. Vielleicht macht Kurt zehn Jahre nach Augsburg aus diesem Duo ein Trio. Allerdings benötigt er dazu etwas mehr Glück als beim Weltcup in Slowenien: An jenem Ort, an dem er vor zehn Jahren sein erstes Weltcup-Podest erreichte, verpasste er im August den dritten Platz um 0,01 Sekunden. So etwas hatte selbst einer wie Kurt in seiner langen Karriere noch nicht erlebt.

Einer der Gründe, weshalb Kurt auch in diesem Jahr auf höchstem Niveau seinen Sport ausübt, ist der WM-Austragungsort. «Prag zählt zu meinen Lieblingsstrecken», sagt er. Auf der Strecke Mitten durch die tschechische Metropole hat er schon mehrfach auf dem Weltcup-Podest gestanden. «Die Tore liegen eng beieinander», sagt Kurt, «das kenne ich von den Trainings in Derendingen. Mit solchen Bedingungen bin ich quasi aufgewachsen.»

Seit Samstag weilt Kurt in Prag. Bis am Dienstag absolvierte er tägliche eine Session auf dem Wasser. An der WM startet er im Einzel-Wettbewerb. Ein Team wie vor zehn Jahren stellt die Schweiz nicht. Neben Kurt ist nur noch Lukas Werro am Start.

Am Donnerstag findet die Qualifikation statt, am Freitag der Halbfinal, am Samstag der Final. Kurts Ziel ist der Final der besten zehn Fahrer. Dort will er «losgelöst» fahren. «Wenn mir eine Fahrt wie an der EM gelingt, ist im Final alles möglich», sagt er. Für die Medaillen kommen laut Kurt rund 25 Kanuten infrage. Ihm ist bewusst: «Eine Torberührung reicht, und du bist weg.»

Kurt gesteht, dass er in letzter Zeit viel in Erinnerungen schwelgte, an seine WM-Medaille in Augsburg oder an sein erstes Weltcup-Podest in Slowenien dachte. «Vielleicht ist das meine letzte Saison», begründet er. Ende Saison wird sich weisen, ob der 33-Jährige seine Karriere fortsetzt. Kurt verrät: «Eine Zwischenlösung wird es nicht geben. Ich werde nicht mehr von Jahr zu Jahr schauen. Entweder höre ich auf oder ich hänge gleich drei Saisons an und ziehe das Ding bis zu den nächsten Sommerspielen durch.» 2016 in Rio de Janeiro lockt die vierte Olympia-Teilnahme.