Der Artikel hätte auch unter der Rubrik «Was macht eigentlich...?» erscheinen können. Fährt er noch, hat er seine Karriere beendet? Der letzte News-Eintrag auf seiner Homepage datiert vom Juli 2013. Im Internetzeitalter eine prähistorische Ewigkeit. Seit mehr als einem halben Jahr herrscht um Mike Kurt Funkstille, was die sportlichen Aktivitäten betrifft. Den letzten bedeutenden Wettkampf bestritt der Solothurner im vergangenen September an der WM in Prag. «Der Eindruck täuscht nicht. Ich habe eine längere Pause eingelegt», sagt der 34-Jährige. Ganze zweimal ist Kurt rennmässig in dieser Zeit den Wildwasserkanal runtergepaddelt.

Unternehmen floriert

Kurt war nicht kanumüde, wie man vielleicht vermuten könnte. Diese Frage stellte sich eher nach dem Missgeschick an den Olympischen Spielen in London und seinem Paddelbruch. Dass er eine so lange Trockenpause einlegte, hat einen geschäftlichen Hintergrund. Seine Crowdfunding-Plattform, welche er mit dem Fechter Fabian Kauter lanciert hatte und die sich auf die Finanzierung von Schweizer Sportprojekten spezialisiert, ist unternehmerisch durchgestartet. «Es hat sich erfreulich entwickelt», sagt Kurt. Erfreulich heisst in diesem Fall, dass er zu hundert Prozent ausgelastet ist und die Firma personell bereits aufstocken konnte.

Finalteilnahme bleibt das Ziel

Vor diesem Hintergrund überrascht die kurzfristige Zusage für die EM in Wien nicht. «Es war ein Spontanentscheid.» Seine Vorbereitung beschränkte sich auf zwei kleinere Rennen. Dabei schnitt er ordentlich ab. «Ich darf nichts beschönigen. Körperlich fehlt mir einiges.» Kurt hofft, mit seinem 20-jährigen Know-how im Kanusport ein Polster geschaffen zu haben, mit dem er die eine oder andere Sekunde im Donaukanal kompensieren kann. Gleichwohl ist er sich bewusst, dass er in der österreichischen Hauptstadt ein Risiko eingeht. Er setzt seinen guten Ruf als Kanufahrer aufs Spiel. «Vielleicht bekomme ich grausam eins aufs Dach, sagt der neunfache Schweizer Meister. «Sollte das geschehen, breche ich die Übung ab.» Mit solch düsteren Gedanken möchte sich Mike Kurt indessen nicht beschäftigen. Im Gegenteil, frei von Druck ist ihm in der Qualifikation am Freitag eine bestimmende Rolle zuzutrauen. Deshalb bleibt in seinem Selbstverständnis die Finalteilnahme das Ziel. Wenn Mike Kurt auftaucht, dann immer mit der nötigen Wasserverdrängung.