Messen im Limpachtal gestern Nachmittag: Beschaulich, bescheiden, für einmal bevölkert. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren war die Solothurner Gemeinde Schauplatz der Schweizer Zeitfahr-Meisterschaften. Dass die Veranstaltung stattfinden konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Sie hing an einem seidenen Faden, sprich an einem Namen: Fabian Cancellara. Das Aushängeschild des Schweizer Radsports drängte auf eine Durchführung der Prüfung gegen die Zeit. Nachdem sich kein Veranstalter finden liess, setzte Swiss Cycling sämtliche Hebel in Bewegung, um dem Olympiasieger und Weltmeister im Vorfeld von Tour de France und Olympische Spiele einen zusätzlichen Start zu ermöglichen. «Wir müssen ehrlich sein, ohne Fabians Bitte, hätten wir den Anlass gestrichen», sagt Thomas Peter, Chef Leistungssport von Swiss Cycling. Letztmals musste eine Zeitfahr-SM 2003 abgesagt werden.

Der Verband leistete für seine Verhältnisse einen Kraftakt. Sämtliche Mitarbeiter aus der Geschäftsstelle in Ittigen wurden nach Messen abbeordert, um den Event auf die Beine zu stellen. Unterstützung erhielten Peter und sein Team von mehreren Velovereinen aus der Region. Einer von ihnen ist Peter Burkhard, Präsident des RV Schwarzhäusern. Zusammen mit vier weiteren Klubkollegen stand er den ganzen Tag an der Strecke, baute auf und sicherte den Parcours. «Wir sind in einer schwierigen Lage», erklärt Burkhard. «Es wird grundsätzlich immer schwieriger Leute für einen Veloanlass zu motivieren. Das bereitet mir Sorgen.»

Cancellara versetzt Messen im Limpachtal  in Wallung

Meister Cancellara

Immerhin: Mit anderen Vereinen, die in Messen tatkräftig mithalfen, tauschte sich Burkhard rege aus. «Vielleicht ergeben sich auf diesem Weg künftig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.» Gleiches hofft auch Thomas Peter. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. «Wer weiss, ob so stockende Fusionsverhandlungen neuen Schwung erhalten.»

Kleiner Fabian trifft grossen Fabian

Auch Fabian Cancellara ist diese Problematik nicht entgangen, er will aber verständlicherweise nicht in die Verantwortung genommen werden. «Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass der Event ein Erfolg wird, dann freut mich das.» Ein Erfolg war das Championat in der Tat. Messen erwachte gestern Nachmittag aus seinem Dornröschenschlaf. Hunderte Zuschauer säumten die Strecke, feuerten ihren Star an, nahmen Cancellara fotografisch ins Visier und rollten Transparente aus. So auch der 11-jährige Fabian Frésnard und der 10-jährige Michael Gruber. Die beiden Knaben kreierten eigens für den Anlass ein Plakat für ihr Idol und bestaunten ihn hautnah bei seinen Vorbereitungen.

Cancellara enttäuschte den kleinen Fabian und seine übrigen Fans nicht. Der 31-Jährige siegte überlegen vor Thomas Frei und Martin Elmiger und erfüllte nach der Siegerehrung geduldig Autogrammwünsche. Für den neuen Titelhalter schloss sich ausserdem ein kleiner Kreis. Seinen letzten Zeitfahr-Meistertitel hatte Cancellara vor vier Jahren ebenfalls in Messen gewonnen. Wenige Wochen später wurde er in Peking Olympiasieger.