Kanu

Melanie Mathys hat fast alles gewonnen – nur die Titel bei der Elite fehlen ihr noch

Melanie Mathys an den Europameisterschaften im Sprint.

Melanie Mathys an den Europameisterschaften im Sprint.

Melanie Mathys sichert sich zum zweiten Mal in Folge den Gesamtweltcup in der Wildwasserabfahrt. In dieser nicht-olympischen Disziplin hat die 23-jährige Solothurnerin praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Die Aare rund um Solothurn kennt Melanie Mathys in- und auswendig. Sieben- bis achtmal pro Woche sitzt sie in ihrem 4,5 Meter langen und 10 Kilogramm schweren Kanu und paddelt die Aare hoch und runter. Bis zu elf Kilometer legt sie dabei in einer Stunde zurück.

Seit Anfang Jahr wird sie im Rahmen der Trainings des neu gegründeten Stützpunkts von einigen weiteren Athleten und Trainerin Kristin Amstutz-Schläppi begleitet. Zuvor hatte Mathys, die zusätzlich zu den Trainings auf dem Wasser auch noch fünf bis sechs Kraft- und Konditionseinheiten pro Woche bestreitet, ihre Trainingskilometer zumeist alleine zurückgelegt.

Obwohl Melanie Mathys fast ausschliesslich auf dem ruhigen Gewässer der Aare trainiert, ist die Wildwasserabfahrt ihre Spezialdisziplin. In dieser nicht-olympischen Konkurrenz hat sie trotz ihrer erst 23 Jahre schon fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. 20 EM- und WM-Medaillen hat sie bei den Junioren und der Elite gesammelt und sowohl im letzten, als auch in diesem Jahr den Gesamtweltcup gewonnen.

Die einzigen Lücken im beeindruckenden Palmarès von Melanie Mathys sind der EM- und der WM-Titel bei der Elite. WM-Gold strebt sie im nächsten Jahr an, wenn die Titelkämpfe in der Schweiz stattfinden.

Eine grosse Familie

Bei den Juniorinnen hat sie den Weltmeistertitel bereits gewinnen können. 2009 im Alter von 15 Jahren holte sie gleich bei ihrer ersten Teilnahme die Goldmedaille über die klassische Distanz. Dieser Erfolg war so etwas wie die Initialzündung für die Karriere von Melanie Mathys. «Ich hatte mich ein Jahr zuvor entschieden, die Sportklasse der Kantonsschule Solothurn zu besuchen. Der Junioren-Weltmeister-Titel war der erste richtig grosse Erfolg und damit die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin», sagt Mathys, die nur per Zufall auf den Kanusport aufmerksam geworden ist.

In der vierten Klasse besuchte sie eine Schnupperlektion. Aus reiner Neugierde, denn weder ihre Kolleginnen noch ihre Lehrerin konnten ihr bei der Anmeldung genau sagen, was sie im Kurs, der vom Verein Solothurner Kajakfahrer angeboten wurde, erwarten wird. «Also hab ich mich dafür angemeldet», erinnert sie sich lachend. «Es hat mir auf Anhieb gefallen. Vor allem die familiäre Stimmung im Klub hat mich fasziniert. Das ist auch heute noch so. Selbst im Weltcup und an Weltmeisterschaften sind wir eine grosse Familie», sagt Mathys.

Zwei Highlights stehen an

Nur einmal hat Melanie Mathys einen kurzen Abstecher aus der «Wildwasserabfahrts-Familie» gewagt. 2013, nachdem sie die Matura abgeschlossen hatte, wechselte sie zur Disziplin «Regatta». Im Vierer-Kanu war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio das Ziel. Und um dieses zu erreichen, setzte Mathys voll auf die Karte Sport.

Melanie Mathys 2014 an der Schweizer Meisterschaft im Sprint.

Melanie Mathys 2014 an der Schweizer Meisterschaft im Sprint.

Doch bereits nach einem Jahr wurde das Unterfangen wieder abgebrochen und Mathys wechselte zurück zu den Wildwasserkanuten. «Das familiäre Umfeld hat mir gefehlt und ich wollte mein Studium beginnen», sagt Mathys, die im nächsten Frühjahr den Bachelor in BWL erlangen wird.

Zuerst stehen für Melanie Mathys, die vor wenigen Wochen an der EM die Bronzemedaille im Sprint gewonnen hat, aber nochmals zwei sportliche Höhepunkte auf dem Programm. Ende Juli will sie an der U23-WM sowohl im Sprint, als auch über die klassische Distanz eine Medaille gewinnen und im September an der Elite WM im Sprint ebenfalls aufs Podest fahren. Obwohl Melanie Mathys schon fast alles gewonnen hat, gehen ihr die Ziele nicht aus.

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