NLA-Unihockey
Meisterschaftsträume auf Finnisch: Mit drei Weltstars aus Finnland peilt Wiler-Ersigen den 13. Titel an

Am Samstag beginnt die Schweizer Unihockey-Saison. Rekordmeister Wiler-Ersigen muss wichtige Abgänge verkraften, Trainer Thomas Berger warnt vor zu hohen Erwartungen. Die drei finnischen Nationalspieler im Team haben dennoch Grosses vor.

Frederic Härri
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Der SV Wiler-Ersigen im Training vor der Saison 2020/2021
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Der SV Wiler-Ersigen bereitet sich auf die Saison 2020/2021 vor.
Thomas Berger ist seit 2016 wieder Trainer bei Wiler-Ersigen. Mit ihm holte die Mannschaft zwei Meistertitel und einen Cupsieg.
Matthias Hofbauer gab im Sommer seinen Rücktritt, mit Nicola Bischofberger und Deny Känzig sind zwei Stammkräfte nach Schweden abgewandert.

Der SV Wiler-Ersigen im Training vor der Saison 2020/2021

Roy Matter

Es ist der Abend des vorletzten Trainings vor dem Meisterschaftsstart und der Captain ist nicht da. Eigentlich hätte es ein Treffen mit den drei Finnen vom SV Wiler-Ersigen werden sollen. Doch weil Tatu Väänänens Sohn zum Coronatest muss, bleibt der 37-Jährige vorsichtshalber zu Hause. Die Pandemie fordert Kompromisse, das gilt nach wie vor. Und so steht statt einem finnischen Unihockey-Trio nun eben ein finnisches Duo vor der Sporthalle in Zuchwil.

Da ist zum einen Joonas Pylsy, 30 Jahre alt, Stürmer und zweifacher Weltmeister. Die Titel hat er mit Krister Savonen geholt, dem 26-Jährigen, der in der Szene als bester Verteidiger der Welt gilt. Es ist nicht so, dass Pylsy und Savonen neu wären bei Wiler-Ersigen. Beide kamen sie im vergangenen Jahr ins Team, beide haben sie bereits eine Saison hinter sich. Sie haben überzeugt, der Angriff wurde stärker, die Defensive standfester. Ein Championat aber, das wegen des Coronavirus keinen Sieger findet, hat zwangsläufig einen Makel. Und so streben Pylsy und Savonen in ihrem zweiten Jahr beim SVWE das an, was ihnen bislang verwehrt blieb: den Meistertitel.

Mit Hofbauer ist einer der Grössten nicht mehr da

Es kann also nicht überraschen, wenn Pylsy, gefragt nach den Saisonzielen, ein «klar wollen wir gewinnen» als Losung herausgibt. Die ganze Mannschaft nehme sich das vor, sagt Thomas Berger, der Trainer, der dem Verein seit seiner Rückkehr im Jahr 2016 zwei Meisterschaften und einen Cupsieg geschenkt hat. Doch Berger weiss auch, dass in diesem Jahr alles ein wenig komplizierter ist.

Denn Berger muss mit Matthias Hofbauer auf einmal einen ersetzen, der eigentlich nicht zu ersetzen ist. Hofbauer, der Schweizer Rekordinternationale, ist diesen Sommer zurückgetreten. Eine Erfahrung wie seine «kann man nicht einfach herzaubern», sagt Berger. Neben Hofbauer sind mit Nicola Bischofberger und Deny Känzig zwei weitere Schlüsselspieler weg. Sie versuchen ihr Glück in der schwedischen Superligan.

Thomas Berger ist seit 2016 wieder Trainer bei Wiler-Ersigen. Mit ihm holte die Mannschaft zwei Meistertitel und einen Cupsieg.

Thomas Berger ist seit 2016 wieder Trainer bei Wiler-Ersigen. Mit ihm holte die Mannschaft zwei Meistertitel und einen Cupsieg.

Roy Matter

Wann immer arrivierte Kräfte gehen, rücken neue Spieler nach. Das ist das Wesen des Mannschaftssports, und das ist auch bei Wiler-Ersigen nicht anders. Der Klub wird noch stärker auf den eigenen Nachwuchs setzen, als er dies ohnehin schon tut. Die jungen Spieler im Verein sind talentiert, die U21 hat eine Erfolgsbilanz von vier Meistertiteln in Folge, auch das sollte nicht vergessen werden. Gleichwohl ist klar, dass unter diesen Umständen der Gewinn der Meisterschaft auch für einen Rekordmeister (12 Titel) keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Wiler-Ersigen von 2020/2021 braucht Führung. Führung, die ohne Hofbauer, Bischofberger und Känzig noch gefunden werden muss. Sind nun Joonas Pylsy und Krister Savonen gefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen? «Noch mehr?», fragt Thomas Berger zurück, ohne eine Antwort zu erwarten. Beide schultern das Spiel allein durch ihre Qualität, Berger meint, das sei Verantwortung genug. Spricht man sie auf ihre Rolle im Team an, sind Pylsy und Savonen dennoch nicht abgeneigt, noch präsenter zu sein. «Wir müssen den nächsten Schritt machen», sagt Savonen. Letztlich liegt es auch am erfahrensten der drei Finnen, vorwegzugehen und da zu sein, wenn es brenzlig wird: Tatu Väänänen. Vorausgesetzt, Corona zwingt ihn nicht wieder zum Hausarrest.

Kader SV Wiler-Ersigen Saison 2020/21

Torhüter: Yanick Flury, Martin Menetrey. Verteidigung: Yannis Wyss, Krister Savonen, Tatu Väänänen, Cyrill Suter, Jan Bürki, Tobias Känzig, Andrin Hollenstein, Jan Ziehli. Sturm: Joonas Pylsy, Noah Siegenthaler, Gianluca Persici, Radek Sikora, Michal Dudovic, Nico Mutter, Marco Louis, Claudio Mutter, Marco Rentsch, Marc-André Vogt, Dominik Alder, Philipp Affolter. Cheftrainer: Thomas Berger.

Vor einer Saison der Unwägbarkeiten

Im März musste die Schweizer Unihockey-Saison wegen des Coronavirus abgebrochen werden. Ein halbes Jahr später kehrt mit dem Meisterschaftsstart am Samstag und den Cuppartien am Sonntag wieder Leben in die Turnhallen ein. Von Normalität ist man selbstredend auch im Unihockey weit weg. Die Klubs und Spieler steigen in eine Saison der Restriktionen, Kompromisse und Unwägbarkeiten.

Um auch bei Spielausfällen eine einigermassen aussagekräftige Tabelle zu haben, wird die Zählweise durch einen Quotienten ersetzt. Statt die total eingespielten Punkte sind in dieser Saison die durchschnittlichen Punkte pro Spiel massgebend für die Platzierung. Das hat den Vorteil, dass die Tabelle auch bei unterschiedlicher Anzahl absolvierter Spiele einigermassen aussagekräftig ist.

Supercup-Gewinner Köniz könnte die Favoriten ärgern

So aussergewöhnlich die Umstände sind, so gewohnt präsentieren sich die Stärkeverhältnisse. Erstgenannter Titelanwärter ist auch diesmal Wiler-Ersigen. Die Berner, die der Konkurrenz seit 2004 nur vier Meistertitel überliessen, haben aber mehrere Leistungsträger verloren. Auch die Grasshoppers, der erste Herausforderer, verzeichneten durch den Abgang von Nationalmannschaftscaptain Luca Graf und den Rücktritt von Michael Zürcher Verluste. So könnte vor allem Supercup-Gewinner Köniz die Favoriten wieder stärker fordern. (sda)

Die erste NLA-Runde (Samstag, 12. September): SV Wiler-Ersigen – Waldkirch-St Gallen; Grasshopper Club Zürich - Ad Astra Sarnen; Floorball Köniz – UHC Thun; Chur Unihockey – Tigers Langnau; UHC Alligator Malans – UHC Uster; Zug United – HC Rychenberg Winterhur.